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Herausgegeben von Dr. R. PettEig.

MMonatsbeilage zu „Ethiſche Kultur.“
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Inhalt:
Frühlings8ſehnſjucht. Von Charlotte Neubronner.
Das ſteinerne Kind. Von Jſe Franke.
Der Nebel, Von Karl Ewald.
Empfehlen8werte Eltern= und Kinder-BüÜcher.
Zrüblingsſebnſuchl.
So wie ein Kindlein, das nach langer Rub
Das Köpfehen =- halb erwacht und doch die Lider zu --
No< einmal ſachte in die Kiſſen ſchmiegt,
So ward der Frühling, naß de8 Winters Plagen
Bei Sturmgebraus, auf's Neu in dieſen Tagen
Im weißen Bett zum Schlafe eingewiegt,
Und all mein Sehnen, all mein lo>end Grüßen
Nach Sonnenſchein und goldnem Frühlingslachen
Mußt! wieder ich in meiner Bruſt verſchließen
Bi8 zu des Lenzes8 wirklichem Erwachen.
I Und plößlich es aus ſüßem Schlummer ſchrede,
Daß es verdrießlich iſt und grollt und weint.
Doch grüßt ſein Bli> mich, froh erwachend, hel,
Dann hol' ic) mir's von ſeinem Lager ſchnell
Und halt mein jauchzend Kindlein auf dem Arm,
Und im Umſchließen wird mir wohl und warm,
Als wenn die Sonne tief in's Herz mir ſcheint.
Erwach, erwach zu jubelnd heller Pracht
Du lang erſehnte heil'ge Frühlingsmacht!
Charlotte Neubronner,

Das ſkeinerne Kind.
Ein Märchen von Ilſe Franke,
Der kleine Johann ſprang die Scloßtreppe hinunter
und lief in den Park. Er freute ſich über den ſchönen Schnee,
der über Nacht gefallen war und alle Wege mit einer weißen
Schneede>e überzogen hatte. Die Bänke unter den kahlen
Lindenbäumen hatten weiße Sammtpolſter bekommen, und
die ſteinernen Pfoſten des Gitters, das den Park von der
Straße trennte, hatten hohe, ſchlohweiſe Hauben auf, wie
die.Burgfrauen in ſeinen Bilderbuche, das der heilige Nikolaus
ihm mitgebracht hatte. |
Es machte ihm Spaß, wie die Spuren ſeiner kleinen
Füße ſic in dem unberührten Schnee abzeichneten. Sonſt

waren nur die leichten Gindrücde von ein paar traujen
Krähenfüßen zu ſehen; und da war wohl ein Haje gelauſen,
den der Hunger aus dem Feide gejagt hatte.
Der kleine Johann ſprans immer weiter in den Park
hinein. Gr war recht luſtig, denn er haite einen hübijchen
neuen Mantel an, dunkelrot mit warmem Belz verbrämt.
Da konnte er ſchon vergnügt jein.
Da war nun hinten im Park ein tro>enes Brunnen-
beden. Dort ſtand auf einem Marmorſo>el ein ſieinernes
Kind, das blies auf einer großen Mu1chel. Im Somuer,
wenn der Brunnen voll Waſſer war und die blauen Schwert=-
lilien an ſeinem Rande blühten, jprang aus der Muſchel ein
heller Waſſerſtrahl hoch in die Luſt und fiel in das Becen
zurü&. Das hatte dem kleinen Johann immer 19 gut ge-
fallen und er mochte das ſteinerne Kind darum gern leiden.
Nun ſaß er, daß das Kind weiter gar nichts an hatte
als ein Hemdhen, und das war ihm no< dazu von der
Schulter gerutſcht, ſo daß das Kind beinahe ganz ſpliter-
faſerna>t im Schnee ſiand. Cs war ganz weiß verſchneit,
feine Lo>ken, ſeine runden Glieder und das Grübchen im
Kinn waren voll Schnee.
Das gab dem kleinen Johann einen Siich ins Herz.
Ach, wie mochte das Kind frieren in ſeinem dünnen Hemdchen,
wenn e8 auch nur von Stein war und gewiß mehr Kälie
vertragen konnte als ein Menſ< von Fleiſch und Bein.
Aber die Mutter hatte noh heute morgen gejagt:
„Gs iſt heuer ſo kalt, da friert Bein und Stein.“
Der kleine Johann ging dicht an das Kind heran und
ſtrich ihm mit ſeinem Pelzhandſchuh den Schnee vom Hemdchen,
den er in da38 Becken ſtäubte.
Ach, wie kalt fühlte das Kind ſich an. Da3 ſpürte er
durch den Handſchuh hindur<. Wie grimmig mochte es
frieren!
Da beſann der kleine Johann jich nicht lange, 3og
ſeinen Pelzmantel aus und hing ihn dem Kinde über die
Schultern.
„Da, Kind,“ ſagte er, „ich ſchenke ihn dir. Meine Eltern
ſind reich und wohnen im Schloß. Sie ſchenken mir jchon
einen neuen Mantel. Wo ſind denn deine Eltern?“
Aber das Kind antwortete nicht, es blies ruhig weiter
auf ſeiner Muſchel, obgleich gar kein Waſſer herausſprang,
weil e8 gefroren war.
„Warum antworteſt du mir nicht?“ fragte der kleine
Johann und trat von einem Juße auf den andren, denn
er fror bitterlich ohne ſeinen warmen Mantel.
„Sprichſt du nicht mit mir, weil du von Stein biſt?“
fragte der kleine Johann, aber er befar1 wieder keine Ant-
wort, als wenn das Kind taubſtumm wäre.

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