Full text: Kinderland (Januar 1912) (1912)

 
 
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JIannar 1912, 
Monaisbeilage zu „Ethiſche Kultur.“ 
Herau8gegeben von Dr. R. Penzig. 
 
Manenaaneis Gwaagge aten 
Inhalt: 
Stah feſt! Von Friz With. 
Max Serkes. Von Heinrih Sc<harrelmann. 
Sternſchnuppen. Von Charlotte Neubronner. 
Das Dünenmännc<en. Von Lotte Girgenſohn. (Schluß.) 
Wie Annemarie und Friedelnac< dem Schwarzwald reiſten. Von 
Theodora Artner. 
Frei! Von Frig With. 
Empfehlenswerte Eltern- und Kinderbücher. 
Stab faſi. 
Was brüllt die Brandung in meine Träume? - 
Was heult der Wind durc<h die alten Bäume? 
Was knattert die Leine am Flaggenmaſt ? 
Stah faſt! 
Wie hat die Mutter mich eingeſungen? 
Was hat mir in den Ohren geklungen 
In des rauhen Lebens täglicher Haſt? 
Stah faſt! 
Was3 will ich als leztes Wort no< ſagen, 
Wenn einſt der Tod mich pakt am Kragen, 
Meinem Sohne vor meiner großen Raſt? 
Stah faſt! Frißz With. 
Wax DSerkes. 
Von H. Scharrelmann, Blankeneſe. 
Vor vielen Jahren ſaß ic< einmal an einem ſchönen 
Auguſtabend mit meiner Mutter auf der Bank vor der Tür. 
Abendeſſens8zeit war vorüber. Es war heiß geweſen und 
vor dem Zubetigehen tat es mir beſonders wohl, noh ein 
halbes Stündlein gemächlich daſigen zu können und dem 
Geſpräch der Mutter mit der Nachbarsfrau zu lauſchen, 
„Ja, wiſſen Sie, meinem Friedel, dem Aelteſten, jezt 
iſt er ja in Amerika und hat eine gute Stelle, wenn er 
auch viel Arbeit hat und wenig ſchreibt, ic< weiß aber doh, 
daß 'es ihm gut geht, Meiers Diederich hat ihn mal in 
Maſſachuſetts getroffen und mit ihm geſprochen und hat mir 
dann geſchrieben, daß Friedel jede Woche zwanzig Dollar 
verdient. Iſt doch 'n ſchönes Geld! -- J3 es nich?“ -- 
Meine Mutter nickte ihr beſtätigend zu. =- „Na, ſehen Sie, 
mein Friedel, der i8 auch mal ſo tüchtig gefallen, daß ich 
ſchon dachte, der ganze Kopf wäre ihm auseinander, und 
er hat auch Gehirnerſchütterung davon gekriegt und mußte 
vier Wochen im Krankenhauſe liegen, der Sanitätswagen 
hat ihn gleich hingebrac<ht und der Doktor ſagte, um ein 
Haar und er wär weg geweſen und ich hätt ihn nich mehr 
gehabt. =- A< ja, die Kinner8! --- Wenn ſie klein ſind, 
hat man ja feine Freude dran, aber auch viel Angſt, wenn 
ſie mal fallen oder ſonſt zu Malör kommen, ohne Fallen 
 
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wird ja kein Kind groß, und wenn ſie groß jind, dann gehen 
ſie in die weite Welt! -- Ach ja, ich jag ja man!“ =- 
So ſchwagzte die gute alte Großmutter Dehlſen fort. 
I< aber hörte ſchon garnicht mehr zu. J<4 dachte nur 
noch an Max Serkes, der gegenüber in dem kleinen auf- 
getreppten Hauſe wohnte. Nun lag er ſchon den halben 
Tag im Bette. Ganz deutlich konnte ich von unjerer Bank 
aus den matten Lichtſchein ſehen, der aus ſeinem Kammer- 
fenſter drang. | 
Und heute morgen hatten wir noc< zuſammen auf 
Serkes Hof Feuerwehr geſpielt. Max war jo fröhlich und 
luſtig geweſen. =- Auf dem Hofe ſtand eine Laube. Die 
war unſer brennendes Haus. Wir waren -- richtig wie 
Jeuerwehrleute -- dran hinaufgeklettert und hatten den 
Brand auch gelöſht. Da war das Unglüc> geſchehen. I< 
wollte gerade die lange Wäſcheleine, die Frau Serkes uns 
erlaubt hatte und die unſer Waſſerſchlauch jein jollte, her= 
aufziehen, um einen tüchtigen Sirahl Über das brennende 
Haus zu gießen, da wickelte ſich die Leine um jein Bein. 
Ich zog an, Max verlor das Gleichgewicht und ſtürzte kopſ- 
über von der Laube herunter. Unten blieb er dann wie 
io liegen. I< rief Frau Serkes, die irug ihn nach oben 
in die Kammer. Als der Doktor dann wieder heraus kam, 
hatte ich geſehn, wie verweint Frau Serkes ausfah, als jie 
hinter ihm die Tür ſchloß. 
E3 mußte ſhimm um Max ſieden. Großmuiter 
Deblſen hatte erzählt, daß er eine ſtarke Gehirnerſchüiterung 
davon getragen und daß die meiſten von denen, die eine 
Gehirnerſchütterung haben, daran ſterben müjjen. „Und 
das iſt denn immer no<F das beſte, denn es bleibt doch 
meiſtens was dabei nach“, ſchloß ſie ihre Erzählung. 
Tun Jaß ich fill auf der Bank neben der Mutter und 
ſchaute bald zu Serkes Hauſe, bald zum ſc<warzen Nacht- 
himmel hinauf, an welchem die Sterne jo hell funkelien. 
Wenn Max nun ſtarb! = Dann hatte ic die Schuld. 
Durch meine Unvorſichtigkeit war ja das ganze Unglück 
gekommen. Ueber mir fah ich auf einmal einen Siern vom 
Himmel fallen. Ein j<wacher Lichtſchein blieb eine Sekunde 
lang hinter ihm ſichtbar, dann war der Siern gerade hinter 
Serkes Hauſe verſc<wunden. „O Matter, ein Stern iſt 
eben vom Himmel herunter gefallen! =-- JH hab es ganz 
deutlich geſehen“. -=- „Das war eine Sternſchnuppe, mein 
Kind, die fallen jetzt in dieſer Zeit oft. „Wenn ein Stern 
vom Himmel herunter fällt, dann ſtirbt ein Menſc< und man 
kann auch ganz deutlich ſehen, wo der Menſch ſtirbt, man 
muß nur aufpaſſen, auf welches Haus der Stern hinfällt“, 
ſezte Großmutter Dehlſen hinzu. Dann, ja dann, dann mußte 
es ja Max Serkes geweſen ſein, der eben geſtorben war.
	        

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