Full text: Kinderland (Januar 1912) (1912)

 
 
 
 
 
 
 
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Monatsbeilage zu „Ethiſche Kultur“. 
Herausgegeben von Dr. R. Penig. 
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Inhalt: 
Ringelreiben. Von Fritz With. 
Vom tapferen Cichhöxn<hen. Von Klara Hepner. 
Knabenluſt. Von Dora Schoenflies (München). 
Warum das Meerwaſſer ſalzig iſt. Nach einer norwegiſchen 
Volksſage. Von Klarxa HDepner. 
Zwiſchen den Dornen und am Wege. 
 
'Ringelreißen. 
Kinderchen, wie habt Jhr's gut! 
Hanſel, Gretel, Lieſe! 
Tollt den ganzen Tag herum 
auf der grünen Wieſe. 
Tanzt voll lauter Kinderluſt =- 
froh des jungen Maien =- 
auf dem Anger vor dem Tor 
Suren Ringelreihen. 
Einen hellen Blütenkranz 
auf den loſen Lo>en 
tanzt Jhr in dem grünen Gras 
ohne Schuh und Soden! 
Pflückt die bunten Blumenz ab 
ke! Mit beiden Händen! -- 
Suer Jubel, Eure Luſt, 
möcdten nie ſie enden! 
Und ich denke: Könnt' ich doch 
no<h einmal ſo ſpielen. 
Könnte ich ein einzig Mal 
mich ein Kind noch fühlen. Frig With. 
Bom fapferen Gichbörnc<Hen. 
Von Clara Hepner. 
Die Ratten hatten wieder einmal ein Loh durch die 
Stallwand genagt. Der alte Friedrich machte eine Fauſt, 
verſchwand im Stall und kam wieder heraus mit einer 
ſchon oft bewährten Falle. E38 war keine von der tier- 
quäleriſchen grauſamen Art, deren ſcharfe Eiſen über dem 
Kopf des Tiere8 zuſammenſchlagen, oder eine Pfote um- 
klammern, daß der arme Gefangene ſich zu Tode zappelt, 
oder gar in der Verzweiflung ſich die Pfote abbeißt, um 
nur frei zu werden. G3 war ein biederer Drahtkäfig mit 
einem offenen Türlein und einer Art Plattform am Eingang. 
Drinnen duftete einladend ein Stüäc<hen angebratener Spe. 
Frau Ratte braucht nur die Plattform betreten und die 
 
 
Naſe in den Käfig ſte>en =- flapp, fällt ſie in die Falle, 
und das Türlein tlappt zu. 
Mit großem Eifer hatte der kleine Heinz dieſer Ver- 
anſtaltung zugeſehen und ſezte ſic ſofort in einiger Ent- 
fernung auf die Lauer, um aufzupaſſen, wie die Ratte 
hineinſpazieren würde. 
Aber wie lange das dauerte! Und gar jo ſtill ſien? 
Nein das war nicht ſeine Sache. So kehrte er der alle 
ſchnöde den Rücken und ſprang ins Eichenwäldc<hen hinter 
dem Stall. 
Plößzlic< hörte er die kleine Emmy in den höchſten 
Tönen ſchreiten: 
„Heinz! Heinz! Schnell!!!“ Und da kam fie auß jon 
in wilder Aufregung gelaufen, zerrte ihn zu der Falle und 
rie: 
8 „O Heinz, da fliegt etwas herum, iQ glaube, es ſind 
zwei oder drei Vögel drin!" 
Heinz ſah ſie verächtlich an und rannte zu der Falle. 
Da kauerte auch ſchon der Friedrich und ſc<hmunzelte: 
„Ein EGichkagzel !“ 
Heinz ſah entzückt das zierliche rote Geſchöpf mit dem 
di>en buſchigen Schwanz, das wie toll in dem Käfig herum- 
wirbelte. 
„Das muß Mutter ſehen!“ riefen die Kinder, ſchleppten 
den Käfig in8 Haus und berieten dabei ſchon, wie ſie es 
füttern wollten und abrichten und mit ihm ſpielen. 
Mutter ſaß mitleidig auf das Tierchen, das wahnſinnig 
vor Angſt in der engen Zelle ſich wand und drehte. Dann 
ſagte ſie ernſt zu den Kindern: 
„Und wenn nun daheim im Neſt ſeine Frau und ſeine 
Kinder warten? =" 
Da wurden ſie ſiäll und nachdenklich, und Mutter 
brauchte nicht mehr lange reden, ſo trugen ſie den Käfig 
hinaus vor3 Haus, ſezten ihn ins Gras und öſſneten das 
Türlein. Aber das Eichhörnchen war ſo verjiört, das es 
immer noch im Käfig umherſauſte und das offene Türlein 
gar nicht ſah. Endlich hatte es begriffen und --- zipp! 
flog ein roter Streifen über die Wieſe und hinauf auf 
einen Baum. 
Ganz oben auf dem äußerſten Aſt der alten Eiche ſaß 
es und zitterte an allen Gliedern. Erſt als es dunkel war, 
ſprang e8 vorſichtig herab, huſchte durc das Wäldchen und 
kletterte an ſeinem Wohnbaum in die Höhe. -- 
Al3 es die runde Haustür ſeiner Wohnung erreichte 
ſtand ſchon Frau Eichkas dort und rief: 
„Oh Hörnc<en, Gottlob, daß ich dich wiederſeh! Was 
hab ich mich um dich geängſtigt, da du ſo lang ausbliebſt!“
	        

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