Full text: Weltliche Schule - 12.1909 (9)

 
Mitteilungen des Deutſchen Bundes für weltliche Schule und Moratunterrichi. 
 
 
Januar; März 1909. 
Berlin 8.0. 16 
Bureau: Nungeftraße 27. 
Nr. 12. 
AÄnſer Biel: Der Bund erſtrebt die Verwirklichung der weltlichen Schule und die Einführung eines rein menſchlich- 
natürlichen Moralunterrichts. 
 
 
Mitglieder des Bundes, die einen Jahresbeitrag von Mk. 5.--, und mehr zahlen, erhalten uansonst die Halbmonatsschrift 
„Ethische Kultur“ mit der Beilage »» Kinderland““. 
(Bezugspreis Mk. 6,40). 
 
 
Wir erlauben uns Tnermiat unsere verehrten Alt- 
glaeder, die Sich bisher nur 1diell durch Propaganda us1w. 
an unseren Bestrebungen vbeteilzagt haben, wund denen 
unsere „Drucksachen Seit längerer Zeit zugegangen Sind, 
im Interesse der guten Sache darauf TJinzuweisen, dass 
ein ordentticher oder ausgerordentlicher Beitrag wrerseits, 
auch wenn er noch 80 bescheiden iSt und nur zur Deckung 
der Unkosten dienen würde, unsere Bestrebungen be- 
deutend fördern würde. Viele Wenige machen ein Viel! 
Da wir die Absicht haben, nicht nur unsere Propaganda 
un kommenden Jahr noch werter aus2zudelnen,. SoORdern 
auch durch weitere Flugschriften den Ausbau des Siyste- 
matischen Moralunterrichts zu fördern, 80 würde ezine 
materielle Unterstützung möglichst vieler JInteressgenten 
durchaus wünschenswert 8ein. Setbstverständlzch halten 
war an unserem bisherigen Prinzaw fest und betrachten 
auch alle diejenigen weiter als unsere Mitglieder, deren 
materielle Verhältntsse einen pekunzär en Beitrag nicht 
gestatten. 
 
 
Ighresbericht. 
Die Propagandatätigkeit des Bundes hat ſich im Jahre 1908 
außerordentlich erweitert. Während 1907 zirka 12000 Flugichriften 
zur Verteilung gelangten, wurden 1908 zirka 56000 hinausgeſandt, 
ungerechnet die zahlreichen Druckſachen, die Freunden und Ge= 
ſinnungsgenoſſen auf direkte Anfragen vom Bureait aus üüber- 
mittelt wurden. An Flugſchriften erſchienen: 
)]. Weltlicher Moralunterrvicht, eine Forderung der Zeit. 
Von Dr. J. Lewy. Pr. 20 Pf. 
=; 2. Entwurf zur Reform des Geſchichtöunterrxicht3s im ethijichen 
inne. 
3. Warum iſt Religion nicht lehrbarx? Von einem Religion8- 
Oberlehrex. 
4. Selbſtregierung der Schüler. Von Rektor Hepp - Zürich. 
Die Broſchüre nebſt Flugblättern wurde an 1450 Lehrexr- 
vereine und an die Redaktionen ſämtlicher liberaler Zeitungen 
Deutſchlands geſandt. Ferner wurden 4000 Flugblätter der 
Deubener Zeitung, 37 000 der Berliner Volks8zeitung, 3000 dem 
Zentralblatt des Bundes deutſcher Frauenvereine beigelegt. 
Längere Artikel über „Lebenskunde“, die von Mitgliedern des 
Bundes geſchrieben worden waren, wurden veröffentlicht in der 
„Frankfurter Zeitung“, in den Zeitſchriften „Das freie Wort“ 
und in den „Neuen Bahnen“. Vorträge Über Dasfſelbe Thema 
hielten Dr. Penzig in Königsberg, Danzig, Graudenz, Straßburg, 
Berlin; Frl. Jannaſch in Frankfurt a. M., Gotha, WieSbaden, 
Magdeburg, Berlin. 
Die Mitgliederzahl des Bundes beträgt 3. Z. 14503 ſie hat ſich 
alſo gegen das Vorjahr um 450 vermehrt. Die korporativen Mit- 
glieder, zahlreiche Lehrer- und Freidenkervereine und Freireligiöſfe 
Gemeinden ſind in dieſer Zahl nicht inbegriffen. Laut Vorſtands-= 
beſchluß geht die uns naheſtehende ſozialpädagogiſche Zeitſchrift 
„Ethiſche Kultur“ mit Beilage „Kinderland“ ſeit dem 1. Januar 
1908 allen unſern Mitgliedern zu, die einen Jahresbeitrag von 
5 Mk. und mehr zahlen. Erfreulicherweije können wir konſta- 
tieren, daß. das Intereſſe unſerer Milglieder für pädagogiſche 
Fragen ein ſehr reges iſt, da eine große Zahl unjerer Freunde im 
Laufe des Jahres ihren Beitrag erhöht hat, um auf die „Ethiſche 
Kultur“ zu abonnieren. Auch die Unfragen, beſonder3 aus Lehrer- 
freiſen, um Zuſendung von Druckſachen zum Zwecke lokaler 
Propaganda durch Vorträge 2c. mehren ſich fortdauernd, und 
wir möchten nicht verſäumen, auch an - diejerx Stelle unſere 
Freunde und Geſinnungs8genoſſen daran zu erinnern, ausgiebigen 
Gebrauch von unſeren BPropaaandaichriften im engeren und 
 
weiteren Kreije zu machen. Wir ſind, wie bis8her, gern bereit 
jedem Intereſſenten koſtenfrei Druckjachen in größerer Zahl zur 
Verfügung zu ſtellen. 
Da3 vedeutſamſie Creigmnis des vergangenen Jahres war 
der 1. Londoner Kongreß für Moralpädagogik; die Vorbereitungen 
für den K»ngreß nahmen die Kraft und Zeit der Vorſtand8s- 
mitalieder während der Sommermonate ſtark in Anſpruch. Da 
bereits in der „Weltlichen Schule“ ſowie in der „Eihiſchen Kultur“ 
mehrfach vom Kongreß die Rede geweſen iſt, jo enthalten wir uns 
hier abermals näher darauf einzugehen; nur ein herzliches Wort des 
bejonderen Dankes möchten wir noch allen denjenigen Freunden 
ausſprechen, die es un38 durch Zuſendung außerordentlicher Bei- 
träge zur Deckung der Delegationskoſten ermöglicht haben, drei 
unferer Vorſtandsmitglieder nach London zu entienden, um dort 
reiche und unvergeßliche Anregung für weitere kraftvolle Arbeit 
an dem großen ſittlichen Erziehungs8werk zu ſchöpfen. Uls Tele- 
gierte wohnten dem Kongreß bei: Herr Prof. Bruno Meyer, 
Frl. Lilli Jannaſch, Herr Dr. Immanuel Lewy. Eingegangen 
waren für Delegations8zwe>e 720 Mk, Für die Delegationen 
wurden verwendet 550 Mk. Von dem Reſtbetrag wurden Kon= 
greßberichte angefauft, die den verehrten Spendern der Extra- 
beiträge zugeſandt wurden. Dabei ſei noch bemerkt, daß die 
Kongreßberichte, die 130 Übhandlungen der bedeutendſten PBäda= 
gogen aller Länder enthalten, binnen kurzem in 2. Auflage wieder 
erſcheinen werden und dann gegen Ginjendung von 5,30 Mk. an 
den Bund, 3. H. von Dr Benzig, erhältlich ſind. 
Im Juli fand die Ueberſiedelung des BundesSbureaus nach 
Berlin 8. 0., Rungeſtraße 27--29, ſtatt. Die Sprechſtunden ſind 
jeit dem 1. Oktober auf Dienstag und Freitag 10-1 Uhr ver- 
legt worden. 
Die Generalverjammlung de8 Bundes fand am 3. Dezenm>=- 
ber 1908 in den JInduſtriefenſälen, Beuthſtraße 19, Berlin C. 
ſtatt, nachdem vorher die Kaſſenrevijoren, Herr Oberlehrer Dr. 
Kirchberger und Herr Lehrer Manzke, die Kaſſe geprüft hatten. 
Herr Dr. Penzig führte den Vorſit. Er begrüßte die Verjamm=-= 
lung und erteilte hierauf der 1. Schriftführerim, Frl. Jannaſch, 
das Wort zum Jahresbericht. Hierauf teilte Herr Dr. Kirchberger 
mit, daß die Kaſſenprüfnng bis auf einige kleine formale Fehler, 
die 3. Z- bereits verbeſſert worden ſind, ein durchaus befriedigen= 
des RezJultat ergeben habe, und daß aus den Kaſſabüchern hervor= 
geht, daß der Bund einen ſehr erfreulichen Uuſſchwung genommen 
habe und bereits zahlreiche Mitglieder in allen deutſchen Bunde3- 
ſtaaten und im Ausland zähle. Dr. Kirchberger bittet dem Vor- 
ſtand Entlaſtung zu erteilen. Der Antrag wird genehmigt. 
Hierauf fand die Wahl des Vorſtandes ſtatt. Die drei Vor- 
ſikenden wurden per Akklamation wiedergewählt, deSgleichen die 
1. Schriftführerin. Un die Stelle von Herrn Spiller, der bisher 
2. Schriſtführer war, von jezt ab aber dauernd nach London 
übergeſiedelt iſt und de8halb zum allgemeinen Bedauern nicht 
mehr in der Lage iſt, direkt an den BundeSsarbeiten teilzunehmen, 
wird Dr. J. Lewy gewählt, der biShex das Umt des Beiſigers 
inne hatte; an Stelle von Dr. J. Lewy wird Prof. Dr. Gurlitt= 
Stegliz zum Beiſiger gewählt. Die Übrigen Beiſiger wurden 
wiedergewählt; desgleichen die Kaſſenrevijoren. 
Einnahmen vom 1. November 1907 bis 1. November 1908: 
1) Mitgliederbeiträge 2422,22 Mk. 
2) Broſchürenverkauf 38,58 „ 
3) Extrabeiträge . 1382,05 „ 
Geſamteinnahmen: 3842,85 Mk. 
Ausgaben: 
1, Druckſachen . 1012,05 Mk. 
2. Verwaltung 900,-- „ 
3. Vortragshonorare . 100,- „ 
4. Beilagegebühren 203,85 „ 
5. Vortragsſpeſen . . . 1409,-- „ 
6. Bureaukoſten, Umzug 297,- „ 
7. Porti. . «= + 418,54 
-8, Extra 556'41 „ 
Wejamtbetrag: 3591,85 Mik.
	        

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