Full text: Weltliche Schule - 12.1909 (9)

und des Gemeinwohls oder verſchiedenen Forderungen des 
Gen einwohls entgehen und vorbeugen können. Der Moxral- 
unterricht muß formalproduktiv ſein, er muß moraliſche 
Kräfte wecken, die humanen und ſozialen Infſtinkie und 
Neigungen in ſittliche Tatkraft umſetzen, ihnen neue Arbeits- 
felder und neue Ausblicke eröffnen, er muß den Willen zur 
Beſonnenheit, Ehrlichkeit und Standhaftigkeit durc<h geeignete 
Inanſpruchn- hme der ethiſchen Phantaſie, des jugendlichen 
Gemütes und durc) Grweiterung und Berichtigung der 
eihiſchen Vorftellungskreie des jugendlichen Geiſtes amegen. 
Was wir hrauchen, iſt eine Moral, die nicht vom Kodex, 
ſondern vom Kinde ausgeht, die nicht Moral lehren, fondern 
pflegen will, die nicht die Moroivorichriftin als banale 
Selbſiverſiändlichteiten übermittelt, jfondern die ethijſchen 
Jdeale ais Aufgaben und Ziele vor die Seeie rücki. Nur 
eine folche radikale Umwandlung unferer Moraiunterweijung 
bedeuiet einen tatſächlichen Fortſchritt von der kir<lichen 
Mora merweilung zur niodernen, weil ſie nicht Moral- 
juriſien, ſondern Morai? Unſtiler, nicht Moralfenner fondern 
Moralkönner, nicht Moralſ<wäßer ſondern Moralüber ſchafft. 
Dom Lonzgner 
AÄuszug aus einem LYirittel 
an der Univerſität Manchetter.*) 
Die Hautpifrage, die Sadler in 
und die qaleichzeitig auch eine der weientilic> 
war, die die engtüſchen Pädagogen auf dem Ei 
Ihäftiate, läßt fich in die Woric at 
das Grziehunasſyſtem, nach welchem die ax; 
Gnalandss, 3. B. die Coileges von Eaton, W 
geleitet werden, imjtande gute Siaatsbüro 
Die Frage wird von zahlreichen Pädagoge! 
Zongrzß. 
DN. GS. 
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„nein“ beantwortet, da denkende Männer allenthaiben die 
Beobachtung machen, datßz das Berüalien der führenden 
Klaſſen Englands jowohl in den kommunalen iwie in den 
ſtaatlichen Körperſchaften nicht von einain fozialen Jdeal, 
jondern von engber3 igem Klaſſengett diltiert wird. Sadler 
gibt im Ünichluß an ſeine Frage eine jehr intereſſante 
hiftoriiche Stizze über die Gntwicluna des engliſchen Schul- 
ſyſtems während d er leiten hundert Jahre. 2 
ganzen Gntwickiu: Ss Gnqglan53 vat von „er 8 ad in ME 
ziehung die B Bildung d der Charalierkrä 
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bildend Erzie eyung durd) d Schu! gemein fehaft 
im Unfangz des vorigen Jahryu underts von dem großen 
Pädagogen, Thomas Arnold aus Kuaby, aufgefiellt. 
Welche Dienſte dieſer Mann und ſeine Geſinnungs Sgenojjen 
England geleiſtet haben, indem ſie den Kampf gegen das indi 
vidualiſtiſche Prinzip aufnahmen, das ſich während ! des erfien 
gewaltigen induſtriellen Aufſhwungs Gnglands in io brut taler x 
und zerſtörender Art Geltung verſcaffie, läßt ſich garnicht 
abjehen. Trotz aller Widerſtände hat Thomas Arnold, der 
in Winchejier und Oxford die ſütlichen Wirkungen einer 
wohldurc<hgeführten Gemeinichaftserziehung, die im weſent= 
lichen auf Selbſtregierung der Schüler baſiert war, kennen 
gelernt hatte, das engliſche EGrziehungsweſen neubelebt und 
den ſchwierigen damaligen Verhältniſſen entſprechend um- 
gebildet. Für die Lebensfähigkeit des Arnoldſchen Er= 
ziehungsideals ſpricht nach Sadlers Meinung die Tatſache, 
daß heute in England die tüchtigſten Pädagogen, die Kritik 
an dem Geiſt der Internate Üben und die Grziehung zum 
Staatsbürger verlangen, immer wieder auf die Arnoldſchen 
Jdeen zurücgreifen. Die engliſchen Reformpädagogen ſtehen 
auf dem Standpunkt, daß die Gemeinſchaft, die im Internat 
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*) Sadler war Präſident des I. Internationalen Kongreſſes 
für Moralpädagogik in London. Der betreffende Artikel iſt im 
2. Januarheft des „International Journal of Ethics“ erſchienen und 
es dürfte der Inhalt für unſere Leſer von Intereſſe ſein. 
 
gepflegt wird, die Jugend nicht ſür das Leben und für 
ideele LebenSintereſſen erziehen kann, weil ſie die Schüler zu 
jehr vom wirklichen Leben abſchließt, ihnen ein falſches Lebens- 
bild bietet, den Bli> einengt und dadurch, troß aller Selbſi- 
betätigung und Selbſterziehung an Stelle eines hohen Leben3- 
ideals doch nur einen Kaſtengeiſt züchtet, der ſpäter im 
öffentlichen Leben in ſo bedenklicher Weiſe zum Ausdruck 
fommt. YAuch eine direkte Sittenlehre over Lebenskunde 
würde unter diefen Berhältniſſen wirkung8lo8 bleiben, da 
fie fi; notwendiger Weiſe, entſprechend der fünftlichen 
Atmoiphäre der Internate völlig abſtrafi geſtalten würde. 
Die Ueberzeugung der fort Icrittlichen engliſchen Bädagogen 
geht dahin, daß der einzige RuSweg aus dieſem Dilemma 
die Gintichtung von TagesSichulen auch für den höheren 
Unterricht ift. In vielen Siädten Englands hat der Ge- 
vante der Tagesſchulen, die diSher nur für ven elemeniaren 
Unterricht in Frage kamen, ereits zahlreiche Unhänger 
geſunden. Weir. Bruce, einer der bedeutendſten engliſchen 
Pädagogen, dcr lich lebhaft an der Kongrek-Debatte ve- 
teiliate, ſeite auseinander, das es ate wichtigjie und vor- 
nehm! ie Aufgabe der Sog'a 158 ein müſſe, Sie 
aroßen Gedanken Thomas "Alen vids im Rahm 1 Der Tage8s- 
jchulen n aufzubauen, ſowohl durc) Da * Selbit- 
erziehung als durch eing gründlicer E 
bildung. GS3 iſt intereſſant zu fehen, daß dieſelbe 
mit großem NachdruG aum ir: dem neuen 
engliſche Moralliaa herauSgegeben hart, ert 
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- daß das Für und Wider, welches unter 
den endaitichen bare en in bezug auf Dioralunierricht 
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gerrſcht, im weſentlichen auf die Berfchiedenartigkeit des 
(Grziehun!: gSideals zurüczuführen Et Die Fr eande Oer 
Lebensfunde huldigen im allgemeinen deim Herbariſchen 
Jdeal; d. D. fie jind ver Meinung, dai eine gründliche 
Berſtandesbildung gepaart mit ſrarfer Diſziplin die beite 
Vorbereiiung fürs Leben iſt, wägrens die Gegner den 
Standpunkt vertreten, daß der Jugend die Gelegenheit zu 
größtmöglicher Freiheit, Beraniwortlichfeit Cc. geboten werden 
muß, weil ſich nur durch eine vielartige LebenSbetätigung 
moraliſche Reife entwicfeln kann, Troß dieſes Wideripruches 
jind ſich beide Parteien völlig einig darüber, daß es eine 
der Hauptaufgaben der Schule iſt, ein LebenSsideal zu be= 
gründen und das Verhalten der Jugend in dieſem Sinne 
zu beeinfluſſen. Betrachten wir die beiden eben geſchilderten 
Grziehungsſyſteme näher, jo erfennen wir, daß ſich weder 
das eine noch das andere exkluſiv vertreten läßt, ſondern, 
daß man mit dem Leben5prozeß und dem Durchſchnitts. 
menſchen rechnend, dahin fommen wird, beide Syſteme 
*) Der Name des Werkes iſt: Report of the International 
Inquiry into Moral Instruction 0v Training in Schools. IL. Band. 
Seite 103.
	        

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