Full text: Weltliche Schule - 32.1914 (14)

Ausloſung innerhalb von 2 Jahren vom .1. Okiober 1918 ao; 
ſeßicere zu dauernder ÜUnlage geeignet, unfündbar bis 1921 
ſeitens des Reiches. Fals Inhaber vorher das Geld anderwei- 
tig bedarf, kann er dic Wapicre verkaufen. Kurswerti bei Auf- 
legung 97,50%, aus8gelöjt mit 100%. Bergleich mit biSherigen 
Reichs- und Staats5papieren, alſo Vorteil im ZinSserirag und 
vorausStichtlicer Kursgewinn bei Verkauf. = Herabſezung des 
Kurſes bei „Sperre“ bis 15. April 1915 auf 97,30%. Zwe dex 
Sperr: Verhinderung der Spekulation oder voreiligen Ber- 
faufs bei ſteigenden: oder fallendem Kurſe während der erſten 
Kricegamonate. Sicberheit: Bürgſchaft des Deutſchen VYieicheSs. 
( Wenn das Reich nicht mehr ſichere Bürgſ<aft leiſten könnte, 
fönnten e3 die Sparkaſſen ſchon längſt nicht mehr. Alſo ſteigt 
die Sicherheit in jedem Falle, wenn ich meine Erſparnijje dem 
Reiche leihe.) Warnung vor törichten Sorgen und Befürc- 
tungen. 
3. Flüſſigmachen de8 Gelde3 für die An- 
Leihe: Wer voreilig da8 Geld von der Sparkaſſe geholt hat, 
kann jeßt feine Torheit wieder aqutmachen und no<ß dabei ver- 
vienen. Alſo nußlo3 liegendes Geld hingeben. Die Sparkaſ- 
ſen zahlen ohne Innehaltung der Kündigungsfriſt Guthaben 
aus. Sie nehmen meitjt ſelbſt dic Zeichnungen entgegen. (Den 
Schülern Zeichnungslijte zeigen und erkflärem! Falls die Schü- 
ler ſelbſt darauf Ffommen, daß die Sparkaſſen in Schwierigkei- 
ten geraten fönnen, itt ihnen zu zeigen, daß bejonders8 geſchaf- 
fene Kriegsdarlehnsfaſſen für Ddiejen Fall 
ſyaffen. Näheres Gingehen auf das Weſen dicſer Darlehn8- 
kaiten iſt bei ihrer Ginrichtung crfolgt, fann andernfalls aber 
auch hier geſchehen.) 
. Wer ſoll zeichnen? Nicht nur Millionäre! 
(Krupp hat 30 Millionen Mark übernommen, der Branden- 
burgiſ<e Provinziallandtag 25 Millionen, Verſicherungs8geſell- 
ſchaften, große Kommunen uſw. haben ebenfalls Millionen 
aczeichnet.) Die Willionäre bilden einen zu geringen Teil der 
Bepölferung. Der Mittelſtand und das Hxer der kleinen Spa- 
rer geben den Ausſ<hlag. (Die Sparguthaben betragen im 
Neiche 16 Milliarden Mark, der bewilligte Kriegskredit fünk 
MVäailliarden und der zunächſt geforderte Kredit nur eine Milli- 
ard.) Alfo: jeder foll zeichnen, der Mittel dafür flüſſig ma- 
><en iann. 
5. Warum ſollen wir zeichnen? 3) Wie nach- 
gewieſen braucht das Reich viel Geld. Daher in der Reich3- 
tagöjißung vom 4. Auguſt einſtimmige Bewilligung des Kredits 
dur< alle Parteien. Der engliſche Minijter Grey, der IJrößte 
Krieg8heßer, hat geſagt: „Die letzte Milliarde entſcheidet den 
Sieg!“ ZYeigen wir, daß Deutſchland nicht nur den leßten 
Mann, ſondern auch die leßte Milliarde für ſeine Größe und 
jeine Chre zu opfern bereit iſt. Deutſchland muß dem Auz3- 
lande beweiten, daß ſeine Finanzen cbenjo vorzüglich agcordnet 
ſind wie ſein Heerweſen. E3 ruft uns alſo eine Pflicht gegen 
das Baterland! d) Unſere Väter, Brüder und Sohne Jeden 
Sitande3 opfern im Felde unter ungeheuren Leiſtungen Ge- 
ſundheit und Leben. Wollen wir in törichter Sorge und Klein- 
gläubigkeit ihre Erfolge herabmindern? Wollen wir e3 ver- 
antworten, wenn infolge dieſer Torheit die Erfolge unſerer 
tavferen Kämpfer nicht bis zum Ende aus8genußt werden koönn- 
ten? Nein, es iſt eine Pflicht gegen die, die ihr Leben wagen, 
die Anleihen zu zeichnen! 6) Der Sicherheit und Macht des 
Staates verdanken wir die Sicherheit unferer wirtſchaftlichen 
Exiſtenz. Cin ohnmächtiges Reich kann ſeine Bürger nicht 
ſchüben. CZ ift alſo eine Pflicht der Dankbarkeit gegen das 
Reich, das erforderliche Geld zu ſchaffen! d) Wenn wir da3 
Unſere erhalten und die Segnungen eines mächtigen Reiche3 
auc<h in Zukunft genicken wollen, dann iſt es endlich eine 
Pflicht der Selbfierhaltung, die Anleihen zu zeichnen! (An- 
ſchließend Appell an die Schüler, auch die Gltern darüber auf- 
zuklären! ) 
Vv. Winke für den Rechenunterri<ht: a) Be- 
qriff einer Milliarde. Der bewilligte Kredit beträgt fünf Milli- 
arden. Wieviel auf den Ginwohner des NReiches (68 Villionen 
Einwohner) ? Wieviel auf die Durchſchnit38familie von fin] 
Köpfen? Zinſen für fünf Milliarden jährlich, halbjährlich, 
inonailib, täglich. bd) Zinſen für X M in der Sparkaſſe bei 
3%, für die ReichöSanleihe bei 5% ? Gewinn jährlich? Bis 
1924? os) Wirilice Zinfen bei Berückſichtigung des Kurſes 
von 97,50% auf 100 Mk. Vergleich mit der Sparkaſſe. Ver- 
gleich mit dem Gelde „im Strumpfe“. 4) Ankauf von X M 
nominal Reichöanleihe Kur3prei8s? Zinſen halbjährlich? 
c (Deutſ<e Fortbildungsi<hule Nr. 19.) 
! 
Yeber Rußlands Schule und Bildungsweſen 
entnehmen wir dem kürzlih erſchienenen Buche von Otio 
Hocßſ>& (Rußland, Berlin 1913) folgende Angaben: 
Die Zahl der Analphabeten beträgt für das ganze Reich 
über 80 %, im europäiſchen Teile 77 %. Am niedrigſten iſt 
der Prozentſaß in den Oftiſecprovingzen und in Finland. Da3 
cinen AnsSatleich - 
164 
 
 
Volkfsſhulwejen ſteht unter dem Miniſterium der VolkS3aufs-- 
flärung und unter dem Allerheiligſten Synod. Am 1. Januar 
1910 gab es im europäiſchen Nußland: 75 365 Schulen mit 
4 873 843 Schülern, in den Oſtſeeprovinzen 3090 (170 282), in 
Solen 3415 (284 363), in Finland 4485 (203 365), im ge- 
jamten europäiſchen Rußland (ohne den Kaukaſus) 88 852 
(5 707 428), im ganzen Reich 97 838 Schulen mit 6159376. 
Schülern beiderlei Geſchleht3. und 154 117 Lehrern und Lehrer- 
innen. Zun den 50 europäiſchen Gouvernements (ohne die 
Städie Peter3burg und Kronſtadt) kamen 51,3 Schüler auf 
1000 Cinwohner. Beſonders in den lezten 5 Jahren hat die 
Arbeit an der Volfs8ſ<ulbildung einen merklichen Auf- 
ichwung genommen. Sie bat erfannt, daß vom Stand der 
Volfsichulbildung ſehr viel abhängt und daß ungebeucr viel 
geleiſtet werden muß. ZJbhr Ziel war das Programm Stoly- 
pins: „Weiter hält das Unterricht3zminiſterium es für ſeine 
nächjte Aufgabe, durc< gemeinjame Arbeit von Regierung und 
Geſellichaft einen jedermann zugänglichen, in Zukunft auch 
obligatoriſhen GElementarunterrict für die geſamte Bevöl- 
kerung des Reiches zu ſchaffen.“ Freilich iſt man von dieſem 
gewaltigen Ziele noch rec<ht weit entfernt. Die Duma hat 
zwei große BVolksſichulgeſeße, ein Finanz- und ein Organ1- 
jationsSgejeB, zuſtande gebracht. Man einigte ſich auf den 
Sdhulzwang und wollte eine einheitliche konfeſſionsloſe Gin- 
beitsSſ<hule begründen. Auch gegen die von der Duma gefor- 
Derten Koſten hatte der Finanzminiſter keine Bedenken... 
Schwieriger war da38 Problem der - Unterricht3ſprahe. Da 
mußland eine vielſprachige Neichäsbevölkerung aufweiſt (Groß 
unſen, Weißruüſſen, Polen, Litauer, Finnen, Deutſche, Ufrai- 
ner, Tataren), fo iſt dieſe Frage von beſonderer Bedeutung. 
Viele Dumäabgeordnete verlangten den Unterricht in der 
Mutterſprache, die Negierxung wollte im Prinzip nur die ruſ- 
jui'che Sprache als Unterricht8ſprache gelten laſſen. Man einigte 
jicß ſchließlich auf ein Kompromiß: Die Mutterſprache in 
den ziüünteren, das Ruſſiſche in den oberen Klaſſen Unter- 
richtsſprache, aber das Ruſſiſche Gegenſtand de8 Sprachunter- 
richts von Anfang an. Gs wurde auch die Beſtimmung an- 
genommen, daß Unterricht und Lehrmittel unentgeltlich ſein 
jollten. Das GeſeB in dex Duma fam zuſtande. 
Wie es aber für Rußland <arakteriſtiſch iſt: Der 
Reichörat lehnte die GeſeBße 1912 ab. Damit 
wurde das großartige Reformprojekt ins Unabſehbare vertagt. 
Was die höheren Schulen (Mittelſchulen) anbe-- 
trifft), ſo hat das ganze Reich bei einer Bevölkerung von rund 
165 Vuillionen 1500 höhere Schulen mit 424 000 Schülern, von. 
denen drei Fünftel dem weiblichen Geſchlecht angehören. Dazu 
fommen no<h zahlreiche Spezialſchulen: die Schulen für Wiili-: 
tärx und Marine (69 mit 13432 Schülern), die achtklaſſigen 
ſog. Kommerzſchulen (178; 40165) und die 'Privat- und Kixr-: 
<henſchulen der Kirchen „fremder Konfeſſionen“ (2987; 
169 229). Der klaſſiziſtiſche Lehrbetrieb überwiegt durchaus. 
Die polizeiliche Ueberwachung und die Reglementierſucht wirkt 
auf den Geiſt der Gymnaſien niederdrückend ein. Da3 Geſeß 
vom 23. Mai 1912 hat eine großzügige Reform der Gehälter 
für die Lehrperſonen an den Mittelſchulen gebracht. Männ- 
liche und weibliche Lehrperſonen ſind gleichgettellt; das iſt <a- 
ralkteriſtiſch für die eigenartig radifale Auffaſſung der Frauen-- 
frage in Rußland. | 
Wa3 die Univerſitäten anlangt, ſo gibt es in Ruß>-: 
land zehn: Beter3burg, Mo3kau, Kiew, Charkow, Odeſſa, Dor- 
vat, Kazan, Warſchau, Toms8k, Saratow. Dazu kommen no 
die Spezialhoh<ſhulen, wie da8 Adelslyzeum und die Recht3- 
ſchule in |Peter3burg, die militär-mediziniſche Akademie, die 
Beterinärinſtitute, drei tehniſche Hochſchulen u. a. Jm großen 
und ganzen hat Rußland die Organiſation der deutſchen Uni- 
verſität bis in die Ginzelheiten übernommen und nachgebildet. 
Doch die Freiheit der Wiſſenſchaft fehlt; dafür hat die Re- 
Der Rektor wird vom Zaren er-- 
gierung fein Verſtändn13. 
nannt; über ihm ſteht der Kurator. Studentenſchaft und 
Profeſſoren. werden polizeilich überwacht. Der furchtbare Dru& 
führte zu revolutionären Bewegungen in der Studentenſchaft. 
Die Regierung ſah in den Hochſchulen die Zentralſtellen der 
revolutionären Propaganda. Die große Revolution von 1904/5- 
hat den Univerſitäten ſehr geſchadet. Die Katheder verödeten.. 
indem die Profeſſoren in zahlreichen Konflikten mit der Res-- 
gierung aus ihren Stellungen aus8geſchieden waren. ES iſt be- 
zeichnend für die Regierung, daß ſie mit Säbel und Knute der 
Bewegung Herr zu werden hoffte. Eine Anſammlung von 
Studenten und Studentinnen in Reter8burg wurde dur< einen: 
rüclſichtsloſen Koſakenanariff zerſprengt, der Tauſende in3 Ge-: 
fängnmi3 führte. Jedenfalls hat die Revolution dem Hochſchul- 
weſen zum Schaden de8 Staates die ſchwerſten Wunden ge- 
ſchlagen. 
Veberblift man das Ganze, 
Die Zahl von 80% Analphabeten iſt ungeheuer groß. 
Dr. Conrad. 
 
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Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Rudolf Penzig, Charlottenburg. -- Druck u. Verlag: O8kar Henſel, Gottesberg (Sc<leſ.). 
ſo ſieht man, daß es mit 
Bildung und Unterricht in Rußland recht ſc<lecht beſtellt iſt. 
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