Full text: Mitteilungen des Vereins der Freunde Wissenschaftlicher Pädagogik in Thüringen und Franken - 59.1923 (59)

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Mengschen eingeborene praktische Vernunft begründete. Der 
kategorische Imperativ ist das Grundgegetz einer abgoluten 
Moral. Kant vertrat auch den Grundsatz begsonderer gittlicher 
Unterweisungen; gsein moralischer Katechismus ist allerdings 
wenig kindertümlich. 
4. Derjenige, der für lebenskundliche Unterweisungen die 
tiefsten PSychologischen Forschungen ansgtellte, war Joh. H. 
PestalozziL. Er fordert keine sgchulmäßige, Sondern nur ge- 
Jegentliche Einwirkung auf Gemüt und Willen und Stellt 
drei Hauptstufen gittlicher Willensbildung fest, eine »An- 
Schaunngsstufe«, auf der »eine Sittliche Gemütsstimmung 
durch reine Gefühle« erzielt werden kann und goll, eine 
Stufe der »Übung im Tun« zur Weckung und Kräftigung 
der »Anstrengungs- und Überwindungskräfte« und eine 
höchste Stufe der Begründung zsittlicher Grundsätze durch 
» Nachdenken und Vergleichen der Rechts- und Sittlichkeitg- 
verhältnisse, in denen das Kind 8teht«. 
DB. Weitergeführt und ergänzt wurden Kants und Pesta- 
lozzis Gedanken durch J, Fr. Herbart. Er ergänzte Kants 
rein formale Grundlegung der Ethik, indem er den Kkategori- 
Schen Imperativ in einzelne Imperative zerlegte, die auf der 
Grundlage absoluter Werturteile Sich aufbauen. Er ergänzte 
Pestalozzis pädagogische Forderungen, indem er den gesamten 
Sprachlich-geschichtlichen Unterricht für ein »Bekanntmachen 
der Schüler mit der ganzen Reihe der gittlichen Rlemente« 
zur Heranbildung reiner gittlicher Urteile nutzbar gemacht 
haben will; für das Jünglinggalter erneute er Pestalozzis 
Forderung eines philosophisch - moralischen Unterrichts zur 
Bildung fester gittlicher Grundsätze, 
6. Gegsonderte gittliche Unterweisungen gind im 19. Jahr- 
hundert in die Lehrpläne der öffentlichen Schulen in Deutsch- 
jand nicht aufgenommen worden. Die lebenskundlichen Be- 
lehrungen bildeten einen nicht festumrisgenen Teil der Arbeit 
des Religiongunterrichts. Bine philosophische Sittenlehrs 
finden wir in manchen höheren Schulen auf der obersten 
Stufe der Lehrpläne für Religiongunterricht. 
2. Die Gegenwart. 
7. Zum erstenmal wurde von der Lehrergchaft eineg 
größeren deutschen Gemeinwegens 1905 die Forderung gelb- 
Ständiger gittenkundlicher Unterweisungen aufgestellt, und zwar 
in der Denksehrift der Bremer Lehrergschaft, die damals ergt- 
malig in Deutschland das Ideal einer rein weltlichen Schule 
verkündete. Bie forderte gittlichen Gelegenheitsunterricht in 
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