Full text: Pädagogisches Jahrbuch - 6.1893/1894 (6)

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geſ<müdt werden. =- 3. Der Lehrer erhalte ſich durch ſteten Verkehr mit 
der Kunſt die Weihe des Gemütes und den Schwung des Geiſte2, 
Ausgef., beſpr. 1. angenommen a. d. Kreisver]. zu Wolfenbüttel am 22. Juli. 
Berichterſt. Nektor Wienbreyer-Schöppenjtedt. 
Neue Schriften: Ha >, Warum u. in w. Weiſe muß in unſ. Sc<. Kunſtſimnn und 
Kunſtverſtändnis geweckt u. geförd. w.? Päd. Z. 16. 17. -- Breull, Pflege des Kunſt- 
ſinnes in d. Vſ<. Sächſ. Schz. 1892, 11. 
25. Iſt es zwechmäßig, die Zahl der gleichzeitig zur Behandlung ſtehenden 
Unterrichtsfücher einzuſchrünfken ? 
Grundgedanken: Nach unſern Lektionsplänen wird in der Schule 
gleichzeitig eine Anzahl von Lehrgegenſtänden nebeneinander gepflegt (Paralle- 
liSmus). Das Gegenteil hiervon wäre, daß zur Zeit nur ein Unterrichts- 
fach hehandelt würde, nach deſjen Abſolvierung ein andres herankäme 2c. 
(Succeſſion.) Es wird nie möglich ſein, die eine oder die andre Art des 
Berfahrens bis zu ihrer lezten Konſequenz in die Praxis der Schule eins 
zuführen. YPiit dem ParalleliSmus ſind Jacteile verknüpft, die durch die 
Succeſſion vermieden werden, und die Succeſſion bietet Borteile, die beim 
Parallelismus nicht erreichbar jind. 
Die Klage, daß die große Zahl der Lehrfächer die gründliche Durch- 
arbeitung erſ<were, iſt allgemein. Man kommt auf dieſe Weiſe leicht zum 
mechaniſchen Auswendiglernen, wenn man als erfahrener Lehrer nicht wüßte, 
daß nur dur< die Cinführung des Schülers in das Verſtändnis des Stoſſes 
eine intellektuelle und erziehliche Wirkung des Unterrichts erreiht werden 
kann. Der vom Schüler gewonnene Stofſ wird aber erſt dann zu ſeinem 
bleibenden GCigentum, wenn er das Erkannte übt und wieder übt. Jn dem 
Heben liegt für den Schüler auch ein Moment der: Selbſterziehung, weil 
er feine Willenskraft ſelbſtändig anzuwenden hat. Bei dem jetzigen Paralle- 
liSmus bleibt für dieſes jelbjtändige Ueben aber kaum Zeit, weil ein Lehr- 
ſach das andere drängt. Solange die große Zahl der Lehrfächer neben- 
einander beſteht, wird es nicht möglich jein, der Uebung mehr Zeit zu 
widmen. Ein Aushilfsmittel bildet hier wohl oftmals die häusliche Auf- 
gabe des Schülers, deren Wert aber im Hinbli> auf die häuslichen Ver- 
hältniſſe oſt ſehr zweifelhaft erſcheinen muß. Am meiſten geübt wird 
jedenfalls im YJiechenunterricht, und über deſſen Erfolge wird auch am 
wenigſtens geklagt. Die trübſten Erfahrungen aber macht man beim 
Unterricht in der Mutterjprache. Teils fehlt es den Schülern an der 
nötigen Sicherheit in der Anwendung der grammatiſchen und orthographi- 
jhen Yiegeln, teils mangelt es ihnen an der Befähigung, einen Gedanken 
klar und beſtimmt in Worte zu kleiden. Während man bei der Grammatik 
und noch mehr bei der Orthographie allerdings in der Schule übt, fehlt 
es an Zeit, den Stil des Kindes beſondsrs zu bilden, weil der Stoſſ drängt 
und die Stunde ſo bald zu Ende geht. 
Um den angedeuteten Uebeljtänden abzuhelfen, ſollte man ſür jedes 
Lehrpenſum zwei aufeinander folgende Stunden verwenden. 
In der erſten Stunde behandle man den Stoff in der üblichen Weiſe, die 
zweite dient zur ſchriftlichen Berarbeitung dieſes Stoſſes, zur Löſung ver- 
ichiedenartiger Aufgaben, zur Ausführung etwaiger Zeichnungen. Bei
	        

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