Full text: Pädagogisches Jahrbuch - 6.1893/1894 (6)

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geſhäfts. =“- 2, Die ſich ſtetig ſteigernden Anforderungen an Bildung und Leiſtung 
des einzelnen Menſc<en laſſen ſür jeden, der viel mit ſchriftlihen Arbeiten zu thun 
hat, die Kenntnis der Kurzſchrift als höchſt wünſchenöwert erſcheinen. =- 3. Jn8*- 
beſondere ermöglicht ſie vem Lehrer, ſich für den Unterricht leichter und beſſer vox- 
zubereiten, ſih beim Studium wiſſenſc<haſtliher und ſchöngeiſtiger Werke ohne großen 
Zeitaufwand zwedentſprehende Aus8züge zu machen und über die Leiſtungen ſeiner 
Schüler genauere Kontrolle zu führen. =-- 4. Daher empfiehlt ſich die obligatoriſche 
oder zum mindeſten doh die fakultative Einführung der Kurzſchrift in die Präparanden- 
anſtalten und Seminare. 
Ausgef. im Lehrerverein zu Halle v. Parlamentsſtenograph Max BäüFler- Berlin. 
11, Allgemein pädagogiſche Stoſſe, Sozial:Pädagogik, 
Schuleimrichtung. Schulverwaltung, Lehrer. 
158, Ueber die Bedeutung der Volksſchule, 
Die Volksſchule wird erſt in neuerer Zeit als ein Faktor des öffentlichen Lebens 
betrachtet. Sie iſt noZ im Auf- und Vorwärtsſtreben, aber ſie wird dauern und 
ſich entwideln, ſolange e8 Menſchen gibt, 
Da ſie ein Kind der neueren und neueſten Zeit iſt und ſich rapid entwidelt hat, 
jo findet ſie noh niht die rechte Würdigung ; ihre Wertſ<häßung im öffentlichen Leben 
wird no<m von Anſc<hauungen früherer Zeiten beeinflußt, 
Gegenwärtig erwartet man von der Volksſ<hule große Wirkungen in bezug auf 
die Aufgaben des öſfentlihen Leben3; ihre Arbeit dagegen a<tet man gering, weil 
ſie es nur mit elementaren Kenntniſſen und Fertigkeiten zu thun habe. Beides iſt 
falſ<9. Sie kann zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, zur Hebung kirchlichen 
Sinnes, zur Stärkung der öffentlichen Sittlichkeit direkt ſaſt nichts beitragen; denn 
VerſtandesSreife, ſelbſtändige Ueberzeugung, Lebenserfahrungen kommen erſt nach der 
Elementarbildung, und erſt in der Zeit vom 15. bis zum 24. Lebensjahre reiſt und 
gedeiht die eigentlihe Bildung ſürs Leben. Da aber die Volksſchule die einzige 
ſtaatlich organiſierte Bildungsſtätte ſür die große Menge iſt, ſo erwartet man von 
ihr Heilung von den Schäden der Zeit, denen man ratlos gegenüberſteht. In dieſer 
Erwartung überſieht man kurzſichtig die Grenzen ihrer Wirkungsmöglichkeit. 
Aber wenn ſie auch nicht die erkannten Schäden unſrer Zeit beſeitigen kann, ſo 
iſt doM die Arbeit in ihr keine ſo geringfügige und mechaniſ<e, wie man heute 
hören kann ; denn ſie beſteht nicht nur darin, den Kindern die Fertigkeit des Leſens, 
Rechnens und Sreibens beizubringen (zu welcher Arbeit ja auH ein Unteroſſizier 
geeignet wäre), ſondern ſie hat es mit dem werdenden Menſ<en, mit vem Geiſte, der 
das Cbenbild des göttlichen iſt, zu thun. Hier ſind Geheimniſſe zu ergründen und 
Rätſel zu löſen, wie ſie keiner Wiſſenſhaft gewichtiger geſtellt ſind. Daher die Vor- 
liebe unſrer Geiſteösheroen für das Gebiet der Erziehung, daher der Trieb der Edelſten, 
ihr Leben der Erziehung der Kinder zu widmen. Was ſie erkannt und erforſcht, iſt 
die Erkenntni8 eines ganzen Standes geworden, der die Aufgabe hat, die Funda- 
mentalſäße der Pädagogik fort und fort im Zuſammenhang zu halten mit den ſich 
verändernden Zeitanſhauungen und Zeitverhältniſſen. Unterrichtend zu erziehen iſt 
dieje Aufgabe. 
Zu der neuern und neueſten Zeit ſind auf allen Gebieten ſo ungeheure Fort- 
ihritte zu verzeihnen, daß der Begriff allgemeiner Bildung eine andre Bedeutung
	        

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