Full text: Deutsche Zeitung oder Moralische Schilderungen der Menschen, Sitten und Staaten unsrer Zeit - 11.1794 (11)

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Zeityn H. 
 
Deutſche 
 
. 23ſtes Stü, den zten Juni, 17094. 
Mee Kg 
Selbſt im Kriege, wenn der weiſe und tugendhafte Mann, nicht als oberſter Regent, ſondern als 
Unterthan und Geſchäftsträger in denſelben verwiFelt iſt, wird er, welcher die Thorheit und das Verderb- 
fiche deſſelben am deutlichſten einſicht, do< gerade die meiſten Vewegungsgründe finden, ſo lange er die 
Nationen und ihre Beherrſcher nicht ändern kann, 
zu verwenden, 
ſich mit Treue und E:fer in den Geſchäften von beyden- 
Er, der dieſe Welt als einen Uebun 
Splaß anſieht, in weld)em durch nüßliche, durch 
unnüße, und ſelbſt durch ſchädliche Arbeiten , die Kräfte der Menſchen geübt werden ſollen; und der 
die Stelle, auf welche ihn Geburt und Umſtände in der Welt geſeßt haben, als einen von der BVor- 
ſehung ihm angewieſenen Poſten betrachtet : er wird die Arbeiten und die Gefahren des Krieges für 
ſich äußerſt nüßlich finden können , ob er gleich das Elend ſieht, was ſie hervorbringen, und au 
e 
ihm vielleicht zuziehn, Wenn ihm an Muth, an Geiſtesgaben mehr gelegen iſt, als an einem ver- 
ſtümmelten Körper, oder ais ani einem langen Leben, ſo wird er ſich am wenigſten von Gefahren und 
Unbequemlichfeiten zurü&ziehen , die jene Eigenſchaften unſtreitig vermehren , indeß ſie das lehtere in 
Gefahr bringen. Dieſy Geſchäfte haben gerade nur dieſe einzige wirklich vortheilhafte Seite , daß ſie 
Fähigkeiten des Werftandes' ſchärfen 
ärten und geſch y 
die fonſt ungebraucht: oder träge blieben.z daß ſie den Körper äb- 
ict machen , der ſonſt weichlich werden könnte 3 dal: ſie der Seele 
, welche bey ruhi- 
ern Lebensarten zwar geſittet aber furchtſam wird , Dreiſtigkeit und Entſchloſſenheit geben. Wer alſo 
jeß eben für dis größten Güter hält/ und Ruhe und Gemäcklichkeit, und ſelbſt Geſundheit und Le- 
ben gering achtet, gegen die Hoffnung , ein an Körper und Geiſt vollkommner Mann zu werden , der 
wird auch unſtreitig, wenn er durch die Befehle ſeiner Obern zu den Waffen gerufen wird, der wi- 
ligſte , der treuſte , der beſte Soldat ſeyn. 
ru 
Fortſetzung der Beyſpiele von pa- 
triotiſchen Geſinnuntggen unſrer 
T7ation, im 21. St, S, 363. 
- 8. Aus Schwabetzi, vom 16. May. 
Vor einigen Wochen mußten die le/ 
digen Bauer : Söhne in dem Fürſil, 
Augsburggiſhen Dorfe Bobingen, 
das 5 Nekruten zu ſellen hatte, darum 
ſooſen, wer die Pflicht übernehmen 
ſollte , das Baterland mit beu Waffen 
zu vertheidigen, 
2 Brüder, - Jakob und Uatthäus 
Rurfer, von denen der erſtere bey dem 
Pfarrer des Dorfes dient, und vou ſei? 
nem guten Lohn ſchon ſeit mehreren 
Unter dieſen waren 
en Garve, 
NE 
“una 
Jahren ſeine alte Mutter mit kindlicher 
Liebe unterſtüßte, Der andere, wel- 
<her weniger verdient, äußerte immer 
große Abneigung gegen den Soldaten- 
Stand, und zeigte auch bey dem 
Würffeln. nicht geringe Bangigkeit, 
Er kam glücklich dur<h, aber ſeinen 
Bruder Jakob traf das Loos. Kaum 
ſah der friedlich geſinnte Matthäus 
das Schickſal ſeines Bruders .evtſchie- 
den, ſo ſagte er mit männlicher Ent- 
ſchloſſenheit:“ „nun in Gottes Namen, 
„das kann und werde ich nicht zuge 
„ben ; Bruder, ich habe. verſpielt, und 
„ri< bin Soldat, du bleibſt in deinem
	        

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