Volltext: Allgemeine Schulzeitung - 18.1841 (18)

M gemeine 
 
-Donnerstag 22. April | 
Wehrwort des Recenſenten von Thielmann's Hand- 
buch der deutſchen Sprachlehre, *) 
(Gegen Lorberg« A. S. 3. 1840, Nr, 153 und 154.) 
„Ich weiz wol, -waz dem geschibt, -- Derz boeste 
merket, daz beste niht“, ſagt der Freidanf, Dieſe Worte 
kamen mir unwillfürlic) in den Sinn, als im des Herrn 
Kirc<enrath Lorberg eben angeführte entgegnende Erklärung 
los , und ſo mögen ſie denn auch hier voranſtehen, I< 
werde meine Aufmerkſamkeit nicht gerade auf das Bößte in 
der Erklärung heften, vbwohl genug des Böſen darin iſt, 
Oder merkt der nicht bloß das Böſe , der, wie der Hr, Kir<hen- 
rath , im Handbuche mit ſylbenſtehender Witterung auf die 
Jagd ausgeht, um als gute Beute aufzufangen , was ihm 
mit und ohne geheime Wendung dazu dienen mag, einen 
braven , tüchtigen Volksſchullehrer , den ſein Lehrer Schmitt- 
henner ſchon A. S,. Z. 13834. Nr. 129 „durc< hohe ſittliche 
Würde und eifrige Berufsthätigkeit eine Zierde ſeines Stan- 
des“ nannte und als Schriftſteller im Fache des praktiſchen 
Schulunterrichtes empfahl , dem ſpöttlihen Gelächter preiszu- 
geben , damit nicht die ſchöne Gelegenheit entſchlüpfe , die mit 
anſcheinend gutem Erfolge einen ärgerlichen Recenſenten ein- 
mal demüthigen ließ, der unter den unfritiſ<en Köpfen nicht 
gerade den Herrn Kirchenrath im Sinne mit begriffen hatte, 
aber auch nicht verhindern wollte , wenn es demſelben belieben 
möchte , ſim gegen des Rec, Abſicht in die Reihe zu ſtellen. 
Do< ic<m darf dem Herrn Kirhenrathe, indem ich dreiſt be- 
Haupte , er habe nur das Böße gemerkt, nit Unrecht thunz 
nein! er hat auch das Beßte gemerkt, freilih =- allem an 
ſid. Da erfahren wir denn z. B. , wie er die Achtung gegen 
-fſich als vieljährigen Mitarbeiter dieſer Zeitſchrift verleßt glaubt z 
wie er das Anſehen der lieben Perſon nicht retten will, aber 
 
 
+) Der Unterzeichnete hat zwar früher ſchon erklärt, Nichts mehr 
in dieſer Sache aufnehmen zu wollen, Allein der Verf, des 
vorliegenden „Wehrworts“' verlangt die Aufnahme desſelben als 
einen Beweis der Unparteilichkeit zu dringend, als daß ich ihm wi- 
„„derſtreven könnte» Ein Weiteres jedoch kann ich, ohne die 
Leſer der Schulzeitung zu beeinträchtigen, nicht mehr aufneh- 
men, auch wenn man es wieder als einen Akt der Uuparteiz 
. lichkeit von mir verlangen wollte, Streitigkeiten in Zeitſchrif- 
ten ſind zwar unvermeidlich , haben au) ihr Piquantes , aber 
eine allzulange Fortſeßung derſelben beeinträchtigt die Leſer , 
und die Redactionen haben die Verpflichtung , ſolchem allzulan- 
gen Fortſpinnen entgegenzutreten, VU 8 
ſchenswerth geweſen, der Herr Verfaſſer dieſes Wehrworts , 
ver allerdings ſeit dreizehn Jahren ein Mitarbeiter an der 
Sulzeitung iſt, hätte den Herrn Kir<henrath Lorberg, der 
- ein noch älterer Mitarbeiter iſt, in der Mäßigung der Aus- 
Nach dieſer Bemerkung glaube. 
- drücde etwas mehr nachgeahmt. 7 
ich dieſes Wehrwort unverkürzt aufnehmen zu können, 
* + 
" 1841, 
 
 
Uebrigens wäre es wünz- 
> hulzeifung. 
 
Nr. 64, 
..- 
 
 
durch dasſelbe diejenige des Rec. A, S. Z. 1839. Nr. 175 
als eine unredliche und verdächtige , oder gar niedrig ſchmei- 
<elnde den Leſern dieſer Zeitſchrift bezeichnetz wie er bisher 
zuweilen auch ein beſcheiden Wörtchen mitzuſprechen ſich er- 
laubte, ohne jemals auf die Unfehlbarkeit ſeines Urtheiles 
Anſpruch zu machen ; wie er es vielleicht wagen dürfe, ſic< 
nicht zu den bloßen Theoretikern zu zählen , ſondern mit Erx- 
fahrung gegen Erfahrung tretez wie er ſich nie erlaubt habe, 
die Werke von Grimm , Graff, Bopp u. A. , ſelbſt nicht die 
von Becker und Schmitthenner, von: rein wiſſenſchaftlichem 
Standpunkte aus zu beurtheilen -- ?! -=- z wie er nicht zu 
den Reimereien im Buche mit Bewunderung hinaufſchauen 
kann und dabei nicht das Wertrauen der Leſer mißbrauchen 
will ; wie er , ſcharfſinnig genug, Stoßſeufzer und Nothſchrei 
des niedergeworfenen Recenſenten vernimmt, und was derglei- 
<en mehr iſt, Ib muß geſtehen, daß ich dieſe Vorzüge 
und Scharfſi<t bei dem Herrn Kir<enrathe beneidenswerth 
finden würde , wenn ſich nicht zwiſchen jenen der S. 1260 
aus vollem Herzen entſtrömte Aerger gegen Thielmann , in- 
dem er dieſen mit dem Rec. zuſammenfaßt, Luft machte. 
Was er dort als Yeußerung beider aufführte, iſt nur Anſicht 
des Rec. von einer Aeußerung Thielmann?s. Dafür aber 
muß Thielmann auf das härteſte büßen , entweder weil der 
Eifer hinreißt, oder weil man ſo dem Rec. leichter beizukom- 
men vermuthen mochte, :oder weil eine ſchöne Gelegenheit 
entzogen war , ſein Talent in Auswuſterung vermeinter Ver- 
ſündigungen gegen die im eigenen Sinne gar regelmäßig ge- 
machte Sprachlehre zeigen zu können , was nun die armen 
„„dasſelbe“ S. 1266 und „putt“ anſt, pußeſt S. 4267 ent- 
gelten. Allein Gerechtigkeitsliebe und Mitleiden ſind nicht 
ganz erſtorben 3 der Herr Kir<henrath will Thielmann mit 
allem Aufgebürdeten niht wehe thun und ſchließt für ihn 
mit recht erbaulihen Worten. Nur der arme lobpreiſende 
Rec. muß über die Klinge ſpringen. 
Warum habe iH mid in dem Nachworte, A. S. Z. 
1840. Nr, 60 auf das Urtheil proktiſher Shulmänner über 
das Bych und den muyſterhaften Stand der Schule Thiel» 
manns berufen ? Beides ſchien mir von Werth in Hinſicht 
des Werkes , ſonſt würde ich darüber geſchwiegen haben. I< 
gehöre von Jugend auf dem Sculſtande an, habe mich auf - 
einem Schullehrerſewinare vorbereitet, ſelb& mit Bauernkna- 
ben Lautir« und Sprachübungen abgehalten, und glaube wohl 
gelernt zu haben, daß man in den Volksſchulen den Unters 
richtsgegenſtand in anderer Weiſe tractiren müſſe, als wenn 
wan ſic< in höherer Sphäre bewegt, daß aber auch über ein 
Buch , welches , wie Thielmann ausdrücklic< ſagt , für „„Leh- 
rer in Voksſchulen“' beſtimmt iſt, ein ſol<er tüchtiger 
praktiſcher Mann ein ſicheres und unverwerfliches Urtheil am 
erſten zu fällen vermöge, ſowie daß ein gutes Buch, welches
	        
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