Dinstag 28, December
Ichulzeitung.
Nr. 2035.
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Aphorismen über ZeichenunterriHt, mit beſonderer
Rückſicht auf die Methode des Herrn Profeſſor
Peter Schmid.
| (Beſchluß. ) |
S. 38 heißt es bei dem GSrundſaße 10):
Geſc<hmac>volles werde als Muſter vorgeführt !: „„Die Aufga-
Nur wahrhaft
ben am P. S<mid'ſchen Körperapparat ſollen, denn ſie
Eönnen feine Muſter vorſtellen“, und S. 52: „P. Schmid
bilder die Anſchauung und Auffaſſung nicht vielſeitig, denn
er richtet ſie nimt auf Mannichfaltiges, ſondern er beſ<ränfi
fie hauptſächlich auf ſeinen Apparat. Er bildet den Formen-
finn und den Deſchmack nicht ausreichend. Mathematiſche
Körper haben keine Schönheit, wenn ſie ſim auch ſchön dar»
Fellen laſſen.“
Dieß läßt ſic) mit der Aeußerung eines anderen Zeichen-
lehrers paralleliſiren , welMer die P, Shmid*ſchen Körper ver-
ächtlich Klöächen nennt, an denen man Nichts lernen könne,
und dafür den Rath gibt, ſchöne Lithogrophieen , Modelle 2c.
den Schülern vorzuführen , um dadurch ihren GeſchmaF zu
bilden. P. Schmid hat ſeinem Körperapparat wohl 20 Jahre
lang das angeſtrengteſte Nachdenken gewidmet, um die größt«
möglichſte Zwemäßigfeit zu erreichen. Nah ſol<* vielſeiiiger
Prüfung und nach bewährter praktiſcher Erfahrung kann man
ſeinen Apparat, ſo wie wir ihn jeßt haben, als die Quint«-
eſſenz aller Formenverhältniſſe betrachten , und das war ja
die Hauptſache , einen Apparat zu erfinden , an welchem jene
. Werhältniſſe in ihrer einfachſten Erſcheinung dargeſtellt wer
den konnten. Gerade für die Schule war dieſe Erfindung
von der größten Wichtigkeit, Unmöglich kann der Lehrer alle
die verſchiedenen Formgebilde dem Schüler vorführen wollen5
denn ihnen allen liegen beſtimmt ausſprechende Werhält-
niſſe zum Grunde, welde der P. Schmid?ſche Apparat in
der einfachſten Geſtalt zeigt. Wer 3. B. den erſten Würfel
des Schmid*ſc<en Apparats mit Sinn und Verſtand ge»
zeiſnet hat, dem wird es gewiß nicht ſchwer werden, ein
Haus und ähnliche Gebilde ganz richtig aufzuzeichnen, und
ſo nach den übrigen Körpern auch alle andere Gegenſtände.
Jene Zeichenlehrer , welche den Geſchmack ihrer Schüler durc<
Vorführen von Lithographieen , Modellen 2c. bilden wollen,
und ſomit die Schulſtube zu einem Muſeum einzurichten ge-
nbthigt ſind, ſollen nicht vergeſſen, daß alle Beſchmacksbildung
von der Augenbildung abhängig iſt, und daß ManntHfaliige-
feit das Auge des Schülers oft nur zu ſehr verwirrt und
zerſtreutz Nur weng das Auge erſt die einfachſten Werhält-
niſſe von Linien , Winkeln , Bogen u. ſ. w. in ihrer verſchie:
denen Zuſammenſtellung verſtanden hat; nur wenn es gewöhnt
iſt, an dieſen einfachen Verhältniſſen Regelmäßigkeit, Ueber-
einſtimmung 20. zu finden , dann wird es erſt bei zuſammen»
geſeßten Gebilden , bei der tauſendfachen Wiederholung und
Combination jener einfachen Verhältniſſe das Schöne und
Seſchmackvolle verſtehen. Man lehre den Schüler nur erſt
ſehen, und durch die verſchiedenen Reflexionen des Geſehenen
wird ſich auch ſein Ideenkreis erweitern und zu einer ſolchen
zweckmäßigen Augenbildung in der Schule bietet wiederum
der P. Schmid?ſc<e Apparat die ſc<bnſte Gelegenheit. Die
Erfahrung lehrt auch reichlich, daß dieſe verhöhnten Kiößc<en
Feineswegs ſo unnuüß ſind.
S. 50 und 514 heißt es bei Beurtheilung der P. Schmid-
ſchen Schriften: „Das Naturzeichnen fär den Schul - und
Selbſtunterrichr. 4 Thle, Berlin bei Nicolai,“ „„Die deiden
erſten Theile ſoll ſid der Schüler ankaufen , die Körper an*
fertigen laſſen , jede Aufgabe na den beigegebenen Kupfern
vor ſich aufſtellen und dann ohne dieſelben nac< der Anlet*
rung des Buches zur Löſung ſchreiten, die Punkt für Punkt
vorgezeichnet iſt, Hier fragt man wohl billig: Iſt wehl ein
Unterricht geiſtbildend , der dem Schüler Schritt für Schrit
vorſagt , was und wie er es machen ſoll, ghne ihn nur ein:
mal über das Geleſene , Gehörte, Gethane ſich ausſprechen
zu laſſen? Iſt das eine geiſtweende Methode, die ein
Buch zum Lehrer, den Lehrer zum ſtummen Controleur
macht ? und wo finden ſim im zehnten Jahre ſo geiſtes»
reife Schüler , die das Buch von ſelbſt verſtehen ?* Fürwahr
der Verfaſſer fennt die Schulen nicht, wie ſie ſind; und die
Methode nicht , wie ſie ſein ſoll,"
P. Schmid hat bei den erſten beiden Theilen ſeines Na-.
turzeichnens lediglich den Zwe gehabt , daß alle die in ihnen
angegebenen Stufenfolgen privatim vom Schüler gezeichnet
werden, und hierbei berechnete er wiederum die mindeſt ge-
ringſte Kraft z daher die genaue Ausführung ven Puakt zu
Punkt. Es ſoll hierbei nict ohne die Körper gezei<net
werden , wie Herr Otto meint; auc<ß ſollen die beigefügten
Kupfer nicht als Muſter dienen, wie zu B. Herr D. Röller
verſtanden hat, ſondern ſie ſollen nur Anleitung beim Yuf-
ſtelen der Körper ſein. Ref. mußte es jedo) frappiren , von
P. Schmid zu leſen? „Er kenne die S<hulen nicht,
wie ſie ſind, und die Methode nicht, wie ſie ſein
ſoll.““ Ohne den leiſeſten Zweifel an der Competenz des
Herrn Otto zu hegen, konnte Ref. dieſe Aeußerung nicht von
Arroganz freiſpre<en , und es möchte überflüſſig ſein , hier
nachzuweiſen , wie P, Schmid redt gut Schulen und Me-
thode Fenntz denn wean auch P. Schmids Methode 3. B.
noch nicht für Volksſchulen praktiſch geworden iſt, ſo liegt
dieß feineswegs in ſeiner Methode, und es mag den wür-
digen und beſcheidenen Mann, der an 30 Jahre über Me»
thode nachgedacht und eine ſs treffliche Methode aufgeſtellt
hat, ſc<merzlich berühren , wenn er von ſich leſen muß, ex
fenne nicht einmal die Methode, wie ſie ſein ſoll.