Full text: Allgemeine Schulzeitung - 21.1844 (21)

 
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Nr. 27. 
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Samstag 17. Februar | | 41 
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Geſ<i<tskalender, 17, Februar, 1827.- Geſtorben: HeinriG Peſtalozzi zu Brugg im Aargau, Geb, den 12. Jan, 1746 
zu Züric<. Begann ſeine pädagogiſche Wirkſamkeit 1775 , indem er verlaſſene Bettelkinder auf ſeinem Gute Neuhof aufnahm, um ſie daſelbſt 
leiblich und geiſtig zu verſorgen, 1798 übernahm er die Leitung des Waiſenhauſes in Stanzz do< ſc<on im folgenden Jahre begründete er 
im Boreine mit Krüfi eine Grziehungsanſtalt in Burgdorf, welche bald in der Schweiz und in Deutſchland allgemeines Rufſehen erregte, Im 
Jahre 1805 wurde die Anſtalt nacy Iferten verlegt und blieb daſelbſt bis zu ihrer Auflöſung 1825, Die zwei leßten Jahre ſeines Lebens 
verlebte er bei ſeinem Enkel , Gottlieb Peſtalozzi, auf dem Neuhofe, an demſelben, Orke, wo er ſein thatenreic<es Leben begonnen. Hier ſchrieb 
er feine „Lebensſchi>ſale als Vorſteher der Erziehungsinſtitute in Burgdorf und JIferten, Leipzig, Fleiſcher 1826 und ſeinen „Schwanengeſang. 
Zwei Tage vor ſeinem Tode hatte man ihn von ſeinem Gute nach Brugg gebracht, um ärztliche Hülfe näher zu haben. -- Eine zwar kurze, 
aber recht überſichtliche Darſtellung des Lebens und Wirkens Peſtalozzt's enthält die Sinladungsſchrift von A. Heußter : „Peſtalozzis Leiſtungen 
im Erziehungsfache.“ Baſel , Shweighäuſer, 1838. 
 
Geſchichte der Pädagogik vom Wiederaufblühen klaſſi- 
ſcher Studien bis auf unſere Zeit. Von Karl 
von Raumern. | 
(Fortſeßung,.) 
Freilich iſt die Gränzlinie zwiſchen der Geſhichte der 
Cultur , Wiſſenſ<haft und Kunſt, und namentlicg der Reli- 
gion und Sprache auf der einen Sette, und der Geſchichte 
der Pädagogik auf der anderen oft ſ<wer zu ziehen und 
noh ſchwerer einzuhalten, zumal jene jammt den geogra- 
phiſchen Verhältniſſen mit Erziehung, Unterricht und Schule 
in der innigſten Wechſelwirkung ſtehen. JIndeſſen iſt doch 
wohl die Gränze zwiſchen beiden Gebieten leicht gefunden, 
wenn man nur veſihält, daß in eine Geſhic<te der Päda- 
gogik nicht gehört, was im Laufe der Zeit an Wiſſenſ<haft 
und Kunſt, Kenntniſſen und Fertigkeiten , Bildung und Ee- 
ſittung errungen oder auch verloren wurde, ſondern viel- 
mehr wie dieſe geiſtige 20, Errungenſchaft den jüngeren Ge- 
ſchlechtern lehrend und erziehend mitgetheilt und bewahrt 
worden iſt. Auc< Cramer weiſt deßhalb auf die Nothwen- 
digkeit hin, den Stoff für die Geſchichte der Pädagogik 
beſtimmt zu begränzen. So bemerkt er unter Anderem hin- 
ſihtlich der allgemeinen Geſchichte B. 1. S. XXIl |f.: 
„Bei ver Rücſicht auf die mehr äußerlichen Creigmiſſe und 
Begebenheiten bedarf es aber der größten Beſchränkung, 
um nicht ein Webiet, das an ſim ſc<on groß genug 1ſt, 
nog mehr zu erweitern. Der Baum der allgemeinen Ge- 
ſchichte darf immer nur beleuchtend und erklärend angewandt 
werden, und nicht die Zweige ſelbſt, jondern mehr der 
Scatten derſelben gehöre dem Gemälde der Pädagogtk an.“ 
Herr von Raumer aber hat ſich ſol<her Beihränfung niht 
befleißigt, ſondern ſim rec<hts und links Cingriffe in fremde 
Gebiete erlaubt, So wird, um nur nocH ein Beiſpiel her- 
vorzuheben, S. 289 -- 298 von den Jeſuiten, der Ent- 
Fehung ihres Ordens , ſeiner Auflöſung und Wiederher- 
ſtellung , von ſeiner Moral 2c. erzählt, ehe der Verf. an 
das Erziehungs - und Unterrichtsweſen desſelben kommt. 
Er ſucht ſiß zwar deßfalls ſelbſt zu rechtfertigen, wenn er 
S. 298 ſagt: „So viel mußte zur Charakteriſtik der Jeſui- 
ten geſagt werden, weil ohne einige Kenntniß der Tendenz, 
wie der Wirkangsweiſe des Ordens , ſein Erziehungs - und 
Unterrichtsweſen nicht ri<tig beurtheilt werden kann“ --z 
aliein damit iſt, wie uns dünkt, Nichts gerechtfertigt. Denn 
nicht für Seminariſten over für ſogenannte Gebildete über» 
haupt, ſondern für wiſſenſchaftlich gebildete Männer iſt ſein 
Buch beſtimmt, und bei dieſen kann man wohl ſo viel 
allgemeine Kenntniß vom Jeſuitenorden vorausſeßen, Ueber- 
haupt möchte man wünſchen, der Verf, hätte mehr beachtet, 
was er ſelbſt S. YI fagt: „Eins, ich will es geſtehen, 
machte mich zuweilen bei meiner Arbeit zweifelhaft. War 
ein Mann zu ſchildern, von welchem ich vorausſeßen konnte, 
daß er den meiſten meiner Leſer mehr oder minder unbe- 
kannt war, ſo beſchrieb ic< getroſt ſein ganzes Leben und 
Wirken und thetilte Alles mit, wodurch nur 1mmer ſein 
Bild dem Leſer klarer und lebendiger werden konnte. Wie 
anders, wenn ich etwa die pädagogiſche Wirkſamkeit Luthers 
darzuſtellen hatte! Die Leſer kennen den Mann längſt, 
ſagte ich mir, ſie fühlen ſich verleßt, wenn ich erzähle : er 
ſei den 10. November 1483 in Eisleben geboren, als wüßs= 
ten ſie das nicht von Jugend auf; ich muß mich einzig dar- 
auf beſchränken, von ſeiner pädagogiſchen Wirkſamkeit zu 
ſpreehen, Und do< ſtand dieſe pädagogiſche Wirkſamkeit 
nicht iſolirt, ſie war einſt mit ſeinem ganzen Einfluſſe auf 
Kir<e und weltliches Regiment verbunden, Und wie bei 
Luther, war es bei Melanchthon u. A.“ Dieß eben hätte 
den Verf. auf ein im Begriffe der Geſchichte der Pädago=- 
gik begründetes Princip in durchgreifender Begränzung ſei- 
nes Stoffes führen .follen, oder ihn doch beſtimmen müſſen, 
an< bei anderen hiſtoriſ<en Datis ſih zu ſagen: „Die 
Leſer kennen ſie ſchon längſt; ſie fühlen ſich verletzt, wenn 
im ſie erzähle.“ Go 3. B., daß Luther den 18, Februar 
1546 in Eisleben geſtorben und in der Scloßkir<he zu 
Wittenberg begraben iſt (S. 137); daß Melanchthoa den 
16. Februar 1497 „in Bretten das Licht der Welt erblicte“ 
(S. 191); daß der Orden der Jeſuiten von Clemens XIV. 
im Jahre 1773 aufgehoben wurde (S, 296) u. dgl. m. 
An und für ſich freilih wird es Niemandem und am 
allerwenigſien dem Recenſenten einfallen, es tadeln zun
	        
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