Full text: Allgemeine Schulzeitung - 21.1844 (21)

 
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Samstag 17. Auguii 
1844. 
Nr. 129, 
 
Geſc<hi<tskalender, .17. Auguſt 1743, Geboren: Eberh. Aug, Wilh, von Zimmermann zu Uelzen, geſt. d. 4. Juli 1815 
als geheimer Etatsrath zu Braunſchweig , früher Profeſſor am Karolinum daſelbſt. Durch ſeine geographiſchen Schriften: Taſ<henbn< der 
Reiſen --“ Die Erde und ihre Bewohner u. a« == (auch von Gramer in ſeiner Geſchichte der Erziehung und des Unterrichts mehrfach ange- 
führt) hat er ſim in dieſem Zweige der pädagogiſchen Literatur Namen und Verdienſte erworben. 
 
Kalligraphie. 
(Beſ<luß.) 
Zuletzt kommen noh 
einige unter beſonderen Verhältniſſen ein- 
tretende Vortheile 
in Betracht. 
113 Der Nuten des Elementarheftes nämlich wird ſich 
ſelbſt bei Schülern als nicht gering herausftiellen , welche 
mehr nach der gewöhnlichen Art, fei es mittels Vorſchrei- 
bens in vem Screibebuche, vder durch AuSstheilen von Vor- 
legeblättern , ſei es mittels einer allgemeinen Vorſchrift an 
die Wandtafel , verbunden mit kurzen Andeutungen deſſen, 
was ſie zu thun haben, um den betreſfenden Buchſtaben 
treu zu copiren, mithin alſo ohne die eigentliche Anwendung 
der hier aufgeſiellten Methode , das Schreiben erlernen ſoll- 
ten. Selbſt bei dieſer allerdings nigt zu billigenden Un- 
terweiſungsort dürfte kaum, und dann nur bei einigen ſehr 
zerſtreufen Schülern, ein ſo mechaniſc<es, gedankenloſes 
Nachmalen der Buchfiaben eintreten, als es der älteren 
Lehrweiſe mit Recht zum Vorwurfe gemacht worden ift. 
12) Kinder ſogar, die noch nic<t die Schule beſuchen, 
folglich in einem Alter ſtehen, in welchem eigene Beleh- 
rung und Selbübildung nict vorausgeſeßt werden darf, 
müſſen , auch. wenn ſie faſt ganz allein ſich überlaſſen ſind, 
-- bei nur ſonſt gutem Willen, die Vorſchrift im Elemen- 
tarhefte, oder auf einer mit ähnlichen Linien verſehenen 
Schiefertafel richtig nachzubilden , = darm Anregung zum 
aufmerkſamen, genauen Sehen, ſorgfältigen Vergleichen 
und naHdenkenden Arbeiten finden. 
13) Noc<- ſchneller und ſicherer laſſen ſiß alle die von 
1 bis mit 9 für den Claſſenunterricht geltend gemachten 
Vortheile bet. der Unterweiſung einzeler oder nur weniger 
Schüler in Privatſtunden erreichen , wo die Wirkſamkeit des 
Lehrers ſich mehr concentriren und die Judividualität des 
Zöglings no<h beſſer, als in Schulen berückſichtigt werden 
kana. Hier iſt der Elementarcurſus recht füglich in 20 bis 
30 Lectionen zurüFzukegen und das Linienneß ſpäterhin bloß 
dann als correctionelles Hülfsmittel zu benutzen , wenn ſic< 
dur<& vermehrtes Schreiben üble Angewöhnungen oder zu 
große Regelwidrigkeiten bemerkbar machen ſollten. = 
14). Ganz beſonders vortbheilhaft wird ſich der zwek- 
mäßtge Gebrauch des Liaiennetes bei allen denen erweiſen, 
bet welchen es ſich um Ausrottung angewöhnter verſ<robe- 
ner Schriftzüge handelt, Vielfältiger Erfahrung zufolge 
kann verſiert werden, daß dergleichen Schüler, nach die- 
ſer Methode unterrichtet , ſhon in ac<t bis zwölf Stunden 
eine von ihren Angewöhnungen freie regelmäßige Current 
langſam zu ſchreiben im Stande waren. Natiärlich war 
eine derartize, bereits nach ſo wenigen Lectionen ſich zei» 
gende Verbeſſerung nicht zugleich eine radikale, die ſc<on 
beim gewöhnlichen fühtigeren Schreiben ſig auffallend bes 
merkbar machte, Dieß zu bewirken wird Zeit und Uebung 
erfordert, und Beides um fo mehr, je eingeroſteter die 
ſ<lechten Manieren ſind. 
15) Größere Schüler und erwachſene Perſonen, denen 
es mit der gründlichen Verbeſſerung ihrer Handſchrift wahr- 
haft Ernſt iſt, vermögen nach der hier gegebenen Anleitung 
und mit Hülfe des Elementarheftes ohne Lehrer ihren Zweck 
in gleich kurzer Zeit zu erreichen, Kaum werden ſie mehr 
als einmal vorliegenden Anfangscurſus durchzunehmen nsÖ- 
thig haben. Nur mögen ſie ebenfalls nieht wähnen , daß 
mit Beiſeitelegung des Neßpapters die Sache abgethan ift. 
Um die verbeſſerte Handſchrift ſich ſo anzueignen, wie die 
frühere ſchlechte, iſt vieles, mit Acßtſamkeit und Energie 
des Willens verbundenes Ueben in einer regelmäßigen 
Schrift, ſowie nur allmähliches Uebergehen zum Scnell- 
ſchreiben unerläßlich. *) 
B. in Rückſicht auf den Lehrer. 
16) Bei Anwendung dieſer Methode läßt ſic< eine zahl- 
reiche Claſſe zu gleicher Zeit leicht und zweädmäßig gemein- 
ſam beſchäfftigen , unausgeſeßt in munterer Thätigkeit er- 
halten , gut beaufſichtigen und leiten. 
 
X) Beſtätigung dieſer Unſicht findet ſi) in der obengedachien FE, 
bayeriſchen Vorſchrift für die Schreibübungen der Unterofficiere 
und Kadetten. 8. 7 beißt es nämli<m: „Haben ſi Hand und 
Auge des Schülers bei der Anfertigung der Muſter folgſam 
gezeigt , ſo geht derſeibe zum freien Schreiben über, indem er 
verſucht, die verſchiedenen Buchſtaben ohne die Gitter darzu- 
ſteilen. Anfangs und beſonders bei den ſchweren Buchſtaben 
werden no<g mit Bleiſtift gezogene Hülfslinien nothwendig ſein ; 
- ſpäter aber wird der Schüler bei fortgeſeztemäFleiße immer 
mehr Fertigkeit bekommen und endlich die verſähiedenen Schrif- 
ten und Zeichen in den vorgeſchriebenen Verhältniſſen rein und 
ſchnell auszuführen im Stande ſein, Uebereilung wird abcr 
auch hier den Zweck verfehlen, daber muß die darauf verwen=- 
dete Zeit vorerſt die Schnelligkeit der Arbeit erſeßen, und cs 
darf yon der Muſtermäßtgkeit durchaus nicht abgewichen werden.
	        
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