349
tin, Köslin, Potsdam , Münſter, Minden , Koblenz , Düſſeldorf
und Aachen verlangen und motivirt dieſe Forderung in fol-
gender Weiſe: „Der Antrag auf Bewilligung diejer Summe
gründet ſich auf folgende Thatſachen. Es iſt anzuerkennen, 'daß
eine nicht geringe Anzahl von Elementar-Sculſtellen unter den
ſeit ihrer Gründung veränderten Umſtänden ihren Inhabern kein
ausreichendes Einkommen gewährt. Die den gegenwärti-
gen Verhältniſſen und Bedürfniſſen entſprehende Verbeſſerung
derfelben iſt längere Zeit hindurch in der Erwartung aufgeſc ben worden, daß dem Unterrichtsweſen überhaupt eine neue ge-
ſezlihe Regulirung bevorſtehe. Für die hier in Rede ſtehende
Angelegenheit hat fich indeſſen, bei näherer Erwägung, eine
neue Geſebgebung als nicht erforderlich ergeben; vielmehr
bietet ein ZurüFgehen auf die wegen Unterhaltung der Elemen-
tarſchulen beſtehenden geſeßlihen Beſtimmungen ausreichenden
Anhalt, die Verbeſſerung der Lehrer-Beſoldungen, wo ſolche er-
forderlich iſt, in ausreihendem Maße herbeizuführen. Von die-
ſem Geſichtspunkte aus iſt die Circularverfügung vom 6. März
13852 erlaſſen worden. Dieſelbe ordnet eine neue Regulirung
aller derjenigen Lehrer - Beſoldungen an, welche naß dem Er-
meſſen der Provinzial-Regierungen als ausreihend nicht ange-
jehen werden können. Wegen der Aufbringung des erforder-
derlihen Mehrbedaxfs iſt überall zunä tung der Schulen eigentlich Verpflichteten zurüFzugehen. Erft,
wenn deren Unvermögen hierzu nach feſtgeſezten Normen über-
zeugend nachgewieſen iſt, find Anträge auf Gewährung von
Zuſchüſſen aus allgemeinen Staatsfonds zuläſſig. Eigen-
ihümlihe Localverhältniſſe und Schwierigkeiten haben es ver-
hindert, daß alle Regierungen bis zur Mitte des Jahres 1853
ſhon gleihmäßig mit dem Regulirungsgeſ zen. Die bis dahin in dem Bereich von 16 Regierungeu vbe-
gonnenen Regulirungen haben Seitens der Verpflichteten für
Elementarſ von 17,082 Thlr. 22 Sgr. 3 Pf., ungerechnet die nicht in
Geld veranſchlagten neu bewilligten Natural-Leiſtungen , aufge-
bracht. Zu gleichem Zwede ſind aber zur Ergänzung des von
den Verpflichteten nicht aufzubringenden Mehrbedarfs Zuſchüſſe
zu dem aufgeführten Betrage beantragt. Dieſe Zuſchüfje find
nac< gewiſſenhafter und ſorgfältiger Prüfung bemeſſen , und be-
darf dex Antrag auf ihre Gewährung wol keiner weiteren Recht-
fertigung, als des Hinweiſes auf ihre Beſtimmung und auf die
Leiſtungsfähigkeit der betreffenden Betheiligten , denen ein ge-
ordnetes Schulweſen herſtellen zu helfen im Intereſſe des Staats
liegt.“ (N. Pr. Z.)
-=- Die hieſige Armenverwaltung hat den Beſchluß gefaßt,
auf eine Umwandlung des Berliner Armen-S hinzuwirken. Bisher war von Seiten der Communal-Behörde
bei der Regelung des Armen-S Unterricht obenan geſtellt worden und es war ausnahmsweiſe
nur dann geſtattet, die Kinder aus der Schule zu nehmen und
zur Arbeit zu verwenden , wenn dargethan wurde, daß die Lage
der Eltern eine Unterſtüßung dur< den Arbeitsverdienſt der
Kinder erforderlih machte, und daß dieſe einen gewiſſen Grad
von Sculbildung bereits erlangt hatten. In dem Plane der
Armen-Verwaltung liegt es jezt, den Armen-Shulunterriat ſo
umzugeſtalten , daß ex der Arbeit der Kinder keine Hinderniſſe
in den Weg legt. Er foll deßhalb auf 3 Stunden taglich be-
ſ von 6 --- 9 Uhr und im Winter von 7 -- 10 Uhr, oder in
390
die ſpäte Nachmittagszeit, etwa von 4--7 Uhr, zu legen wäre.
Der Unterricht ſelbſt ſoll nur Religion, Leſen , Schreiben und
Rechnen umfaſſen. Vermöge dieſes Planes glaubt man, einer-
ſeits hilfsbedürftigen Familien inſoweit eine Erleichterung zu
gewähren , als ihnen durch die Vermehrung der ſchulfreien Stun-
den ihrer Kinder ein weiterer Spielraum zur Beſchäftigung der-
ſelben geboten wird; andererfeits hofft man, für die Zukunft
den in Folge der jezigen Ausdehnung des Unterrichts oft zu
hoch gehenden Anſprüchen vorzubeugen, welche leider nur zu oft
die beklagenswertheſten Folgen herbeiführen. Uebrigens nimmt
jedoMm der neue Plan volle Rüfiht auf diejenigen Kinder,
welche ſich dur< außerordentliche geiſtige Befähigung auszeich-
nen und zur weiteren Ausbildung empfohlen werden.
(N. P. 3.)
-=- Die Direction der Erwerbſc thätern und Beförderern derſelben ihren 55. Rechenſchaftsbericht
vorgelegt. Aus den Händen Jhrer Majeſtät der Königin, der
erhabenen Ober-Vorſteherin der neuen Erwerbſc bei der dießjährigen General-Prüfung 18 Schülerinnen die Bi-
bel-Pramie. Die Anſtalt wurde im Jahre 1853 überhaupt von
934 Schülerinnen beſucht , die durch Handarbeiten im Ganzen
2868 Thlr. erwarben. Die Einnahme (mit Einſ nigt. Unterſtüßung von 2500 Thlrn.) betrug 12,772 Thlr.
19 Sgr. 1 Pf., die Ausgabe 12,582 Thlr. 26 Sgr. 5 Pf.
(N. Pr. Z.)
--- Der 9. Jahresbericht der Piſ Stiftung für Volks- und Elementarlehrer und Lehrerinnen
ergibt u. A. Folgendes: Zum erſtenmale ſeit ihrem 11 jähri-
gen Beſtehen haben die Einnahmen der Stiftung deren Ausga-
ben niht völlig gede&t. Deſſenungeachtet wurde eine fünfte
feſte Penſion bewilligt; daher die Stiftung 420 Thlr. Pen-
ſionen zu zahlen hat, die die Jahresbeiträge nebſt den Zinſen
ihres Capitals völlig abſorbiren ; mithin die Witwen und Wai-
ſen von Lehrern von der Stiftung nicht weiter unterſtüßt wer-
den fönnen, jofern dieſe nicht, wie in früheren Jahren, bedeu-
tenderer Beiträge fich erfreuei. B. N.
-- Der hieſige Magiſtrat hat die Abſicht, auf Koſten der
Commune ein Lehrer-Seminar für Berliner Stadtſ errichten , deſſen Zöglinge die Verpflihtung eingehen ſollen,
mindens 3 Jahre lang ihre Thätigkeit den hieſigen Schulen zu
widmen. Das Jnſtitut foll gleichzeitig mit den ſtädtiſchen
Waiſenhäuſern in Verbindung geſeßt werden. (N. Pr. Z.)
Dresden, im Frühjahr 1854, Die k. fähſiſMe Regierung
hat zur Beförderung* des Turnunterrihtes bei den Schulen
ſeit dem IJ. 1850 eine beſondere Turnlehrer - Bildungsanſtalt
zu Dresden eröffnet, welche den Lehrern aller Kategorieen Ge-
legenheit gibt, ſich in Betreff der phyſiſF einen rationellen Turnunterri die erforderliche praktiſche Ausbildung zu verſchaffen. Zu die-
ſem Zwece erhalten fünftige Turnlehrer aus dem Lehrerſtande
in gedachter Anſtalt praktiſchen Turnunterriht und Anweiſung
zur Betreibung des Sc hHiſtoriſ Sache reihen. Außerdem ſteht die Anſtalt mit der hieſigen
kf. dung, daß von dem Prof, der Anatomie beſondere, für künf-
tige Turnlehrer berechnete Vorleſungen über Anatomie und

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.