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ſcheint uns die von Nägelsba< und Fäſi im Weſentlichen üÜber-
einſtimmend gegebene einfachere Erklärung viel näher zu liegen,
und in Claſſen's allzu künſtlicher Auslegung das punctum 83-
liens nicht hervorzutreten. Hr. Cl. ſagt: „Wenn die logiſche
Anordnung dieſe Folge verlangt hätte: „Atride, laß ſite für
jeht fahren! Denn wie ſollen wir dir Erſaß ſchaffen , da
nichrs vorhanden iſt zur Vertheilung ? Künftig ſollſt du reich-
liche Entſ<ädigung erhalten ;“ nimmt der Affect durc< eine ſtill-
ſchweigende Brolepfis des folgenden Hauptgedankens die Wen-
dung mit dem Grunde zu beginnen: „DO Atride, (gib nach! im
Sinne des folgenden 10685) denn wie ſollen die Achaer dir
ein Ehrengeſchenk ſchaffen ?" =- Aber feine Chryſeis hinzugeben
iſt ja Agamemnon ſ PekoxTELVOS hofft und erwartet auch nur Erjaß, ohne dieſen
zur Bedingung der Ausl ieſerung der Chryſeis zu machen, Er ſpricht
vielmehr wie ein guter Bölkerhirt :
„Denno< geb" ich ſie willig zurüF, wenn alſo es beſſer:
Rettung des Volks, die will i<, und nicht des Volkes Verderben.“
Es handelt ſih alfo gar nicht darum, ob er dem Begehren
des Prieſter8 nachgeben will, oder nicht , das iſt längſt entſchie-
den, und der König gibt auc< V. 143 Befehl, die gleich der
ehelihen Gattin werthgeachtete Sclavin wegzuführen , ehe er
Erfaß empfangen oder erfahren hat, worin dieſer beſtehen ſolle.
Aber A rung, daß er fofort (zurix&) Erſaß erwarte, mit Ungeſtüm
aus. Nacdem er ihm dann in 4 Verſen die Unmöglichkeit,
ſein Verlangen zu befriedigen, nachgewieſen , wiederholt er des
Königs Zuſage, er nimmt ihn beim Wort in Betreff der Rü>-
gabe der Selavin und verheißt für ſpäter Erſaß, bei der all-
gemeinen Abrehnung na<4 Troias Fall.
Zu den vielen Stellen , die durch kleine Juterpunctionsaän-
derung an innerem Zuſammenhang gewinnen, gehört auch iad.
VJ. 430. Sezen wir naß AEGEKOLTNS ein Kolon ſtatt des
vollen Punkts und nehmen wir die Worte CTO -- TEQEKOLTNS
als parenthetiſ< voraufgeſhi>te Einleitung zu der folgenden
Bitte , wobei GTEO den Grund der Bitte ankündigt , ſo erhal-
ten wir folgende Gliederung des Gedankens: „O erbarme dich
jeßt (wo ich ganz verwaiſt bin) meiner: du biſt mir ja doh
Vater, Mutter, Bruder, Gatte!“ während bei vollem Punkt jene
Worte einen jehr ungefügen Gegenſatz zum Vorhergehenden bilden
würden. Ebenſo wird man mit Hrn. Cl. unbedenklich in [X, 158
'Adldng = Entre als die natürlichſte Barentheſe zu &u7 STO
erfennnen und dur?) engen Anſ ÖNOGTNTOD den Sinn der Stelle am beſten mit dem Hrn. Vf.
jo auffaſſen? „möge er ſich beugen laſſen, =- nur der Hades iſt
unbeugfam; darum iſt er auch von allen Göttern am meiſten
verhaſſt; =- und möge er ſich mir fügen !“ Dagegen können
wir ſeiner Auslegung von 1. Ul. 133, abgeſehen von der wiez
derholten Verwechſelung der Subjecte, nicht beſtimmen. 0Pp0G
&xns ais antieipirender Zwiſ du dein Chrengeſ gerade das allerunwahrſcheinlichſte iſt, nämlich, daß A König einen kühnen gewaltthätigen Eingriff in ſein Beſikthum
fürc und auch erſt ſpäter beiſpielsweiſe ſein (A oder des Odyſſeus Ehrengeſ der zwiefachen Conſtruction nah E*e&Jers nehme ich aber nach
den von Nägelsbac Erinnerung von &neueheio?'d, 0nms und vielfachen Wechſels
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der Conſtruction keinen Anſtoß. =- Au<ß auf den Sprachgebrauch
der ſpäteren Proſa und auf unſere deutſche Ausdru>sweiſe lenkt
Claſſen's Erörterung zuweilen unſern Bli> , und wir können
ſeiner Bemerkung nur beitreten, daß die griec<. Terminologie
das Verhältniß der ſich gegenſeitig fordernden Glieder durm das
ToOoTeWwen und dr0d000e, das auf ein Ziel hin Spannen
und das Darlegen des Ergebniſjes ſchärfer , als die unſrige
bezeichne , die nur die äußerliche Reihenfolge im Vorder- und
Na chſaßt hervorhebe. Möge uns der neue Rector mehr folder
Proben umſichtiger Auffaſſung der den Gymnaſien unver-
äußerli< angehörenden Sprachen und Literaturen und mit fol-
her Ausdauer, wie ſein Vorgänger geben , dex während 40 jah-
riger Dienſtzeit wol eine doppelt große Zahl gelehrter Programme
geſchrieben hat, und dem ſein Nachfolger im Einklang mit den
Behörden eine ſtrenge Gewiſſenhaftigkeit und unwandelbvare
Ueberzeugungstreue in ſeiner Amtsverwaltung nachrühmt. Msö-
gen die Schüler des Frankfurter Gymnaſiums durch ihre drei
neuen und ihre bewährten älteren Lehrer in der Zuc Vermahnung zum Herrn erzogen und vor der Blaſirtheit
bewahrt werden, die in reichen Städten unter der Jugend zu
graſſiren pflegt ; mögen ſie zudem dur Bildung zu einer tedealen Lebensrichtung hingeleitet werden,
welche in einer großen Handelsſtadt als ein Damm gegen den
überhand nehmenden MaterialiSmus vorzugsweiſe erſprießlim? iſt.
K.
+
Vocabularium für den grie Nebſt Aufgaben zu mündlichen und ſchriftlichen Uebungen
und einem deutſchen Wortregiſter. Von Ur. Karl Detts-
mer. Braunſ 120 S. 8.
Cine naß der üblichen iAufeinanderfolge der Etymologie
wohlgeordnete Reihe von 3179 Wörtern (ſie ſind mit fortlau-
fenden Nummern verſehen), wobei nichts auszuſtellen wäre,
wenn dieſelben ni braucht werden jollten, da denn do Sonderbar nimmt ſich aus 47er, OBE, ÖhoVrat in der
Reihe der Parorytona auf 77 zu finden, da ſie weder auf 77 ſich
endigen , noF Parorxytona ſind, ſondern zu ſagen wäre: wenn
fie im Singular vorfämen, würden ſie 21. Darauf folgt ein
etymologiſ hinweijen , für den müßigen Schüler natürlich ein angenehmer
Zeitvertreib, z. B. & copulat. 3. 15. 117. 251. 559. 1934.
2572. 2680. Man muß die Geduld des Vfs. bewundern, dem
„gegen eine von vornherein etymologiſ Gründe zu reden ſchienen.“ J< würde es für verdienſtlih ge-
halten haben, gerade hier beſondere Gruppen für Wurzelver-
wandtſ nicht aber beide zu vermengen; auc< brauchten nicht gerade alle
in's erſte Verzeihniß gebrachte Wörter hier wieder zu erſcheinen.
Cin Verzeichniß gleich - oder ähnlich-lautender Wörter, worunter
CRUEPTEN und ZAdTEV, CXOLINS und CXOLTOE, MOLEGL und
VOTE NU. enthält offenbar manches Unnöthige. Accentregeln,
wie ſie ferner hier gegeben find, fehlen do< wol in keiner
Grammatik; der Vf. nimmt überhaupt auf keine ſpeciell Rü>-
ſicht. Nun kommen gar no auf 4 Seiten, Aufgaben zum Ueberſezen in's Griechiſche auf

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