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in den Hintergrund und gibt im vollſten Sinne des Worts der
Wahrheit die Ehre. Wenn nun dieſe Regeln ſc wöhnlihe Schule gelten, ſo gelten ſie in no< weit höherem
Grade für die Lehrerbildungsanſtalt, das Seminar. Hier am
allerwenigſten darf es der Leiter einer ſolhen Anſtalt darauf
anlegen, den Jünglingen natürlichen Zwang anzuthun, ihnen ſein
Weſen und ſeine Denkweiſe , feine Auffaſſung der Dinge und
ſeine . Manieren aufzuzwingen. Die Schüler des- Seminars
werden ohnehin ſ bildet ſind, an ſich tragen , was übrigens kein ſchlechtes Zeug-
niß für den Einfluß derſelben iſtz; aber ſeine Individualität,
die ihre volle Berechtigung hat, ſoll der Seminardirector nicht
der Bedeutung der Sache voranſtellen , fondern die Schule und
ſich ſelbſt dem Objecte, an dem ſie hinaufwachſen und durc
welches ſie ſi nähren , unterordnen. Das iſt in der Shule
die re individuellen Freiheit. Mit ihr und ihrer Thätigkeit hängt die
Mannichfaltigkeit der Formen in der deutſchen Schule, der
Lehrbücher und der Methoden zuſammen. Jeder Lehrer hat
ſeine Weiſe und das Recht , die Lehrmittel nach ſeiner Einſicht
zu geſtalten, ſich die Schulbücher zu wählen, dieſe oder jene
Methode anzuwenden. |
Dieſterweg's Abhandlung enthält nac< allen Seiten hin die
beherzigenswertheſten Winke und ſ auf deutſche Männer, in welchen uns deutſ terthümlichkeit ſcharf und ſtarf ausgeprägt entgegentritt, und an
deren conereter Erſcheinung man ſehen kann , was man an und
in der deutſchen Jugend zu pflegen. hat, z. B. in Luther den
Muth gegen menſc giöſe Tiefez in Gellert die deutſ Friedrich d. Großen den deutſchen Heldenmuth, die unüber-
windlihe Standhaftigkeit und Selbſtbeherrſi ordnung unter Geſes und Recht; in Leſſing den deutſchen
Sharfſinn , in Kant den deutſchen Tieffinn, in Fichte den
deutſchen Nationalſinn, in Schiller den deutſchen Zug nach
dem Jdeale, in Göthe den deutſchen Drang nac< dem Uni-
verſalen, in dem Freiherrn v. Stein die deutſche Charakter-
ſtärke in ihrer höhſten Entfaltung. Auf ſol der Lehrer hin, an ihnen begeiſtere er ſic ſelbſt zum Wirken
am großen Werke der Wiedergeburt.
Jahresſ wie über die Blindenanſtalten Deutſ dere, von IJ. G. Hientzjm, Director dex königlichen
Blinden-Anſtalt zu Berlin 2e. 2c. Selbſtverl, des Ver-
faſſers.
Motto. Matth. 25, 40.
Gewiß haben ſic< alle Lehrer an Blinden-Anſtalten längſt
nah einer Schrift geſehnt, die in Form eines Rechen] Berichtes Nachrichten über die in Deutſchland hin und her
zerſtreuten Blinden-Anſtalten lieferte. Die hier angekündigte
Schrift iſt ein ſolher Rechenj nicht über alle, dom die meiſten Anſtalten Deutſchlands und
der angränzenden Länder, ja, ſie reicht bis über's Weltmeer,
wenn au<ß nur in leßter Beziehung andeutend , hinaus, =-
Nac< der Vorrede ſind die erſten vier Bogen als Rec 564
bericht für die Provinz Brandenburg zu betrachten. Aber da-
„durch, daß die Schrift einen weiteren Leſekreis ſich verſchaffen
möchte, iſt ſie als „Sprechſaal" über die Blinden-Anſtalten
zu betrachten. == Der Hauptzwe> der Herausgabe dieſer
Jahresſhrift ſoll aber fein, durch die - Zuſammenſtellung der
Nachrichten über die Blinden-Anſtalten Deutſ Verſchiedenartigkeit und das noeM Schwankende in denſelben
darzulegen und wo möglich zu einer beſſeren Vereinigung Ver-
anlaſſung zu geben. =- Nun geht die Jahresſchrift in's Ein-
zele über. Sie liefert zuerſt einen Rechenſ die neu hegründete Anſtalt für erwachſene Blinde in Berlin.
Es wird nachgewieſen, wie ho Blinden iſt, die entweder ſ wachſen ſind , oder die aus ſolhen Anſtalten austreten, deren
Grundſaß iſt, mit dem Eintreten in's Jünglingsalter ihre Zög-
linge wieder zu entlaſſen , die alſo nur Schulen und nicht
zuglei?) Werkſtätten ſind. (Siehe unſern Aufſaß Nro. 89
dieſer Blätter vom Juli 1851.) Dann gibt die Jahresſchrift
die Verhandlungen, die über dieſen Gegenſtand gepflogen wor-
den ſind , und berichtet endlich, wie der Plan zur wirklichen
Ausführung gefommen. No folgt ein Nachweis der Einnah-
men und Ausgaben für dieſe junge Unſtalt.
Auf Seite 40 ff. werden ſtatiſtiſche Ueberſichten gegeben
über ſämmtliche Blinden des ganzen pr. Staates. Zuerſt nach
einzelen Kreiſen und dann die Total-Summe und zwar nach
der Zählung von 1852. Im ganzen pr. Staate befinden ſich
Kinder bis zum 15 Lebensjahre männlich 490, weiblich 3073;
vom 15--30 Lebensjahre männlich 209, weiblich 617; nach
den 30 Jahren 3960 männliche, 3716 weiblihe. Summa
aller Blinden 9949. Nah einer Zählung von 1849, waren
es nur 9575.
Seite 57 folgen nun Nachrichten über die einzelen Blin-
den-Anſtalten, Zuerſt des pr. Staates. Da ſind nur zwei
Anſtalten für die Provinz Brandenburg zu Berlin. Daß
dieſen Anſtalten eine längere und ausführlichere Beſchreibung
gewidmet iſt, verſteht fich von ſelbſt, Nun wird Breslau,
als Tochteranſtalt der erſteren, beſ die Anſtalten Königsberg, Neu-Torney bei Stettin,
Wollſtein in Poſer, Soeſt und 'Paderborn, erſtere
proteſtantiſc<, letztere katholiſm;m. Für Sachſen, d. h. die Pro-
vinz, foll eine neue Anſtalt, ſtatt der eingegangenen zu Halle,
auf dem Königs-S eingerichtet werden. In der Rheinprovinz iſt eine Anſtalt
für beide Confeſſionen zu Düren bei Aa 11 Anſtalten.
Es folgen nun die Beſchreibungen der Anſtalten in andern
deutſ Dr. La ming. Eine zu Hamburg unter Oberlehrer Richard,
Eine im Großherzogthum Heſſen unter Schäfer. Eine zu
Dregsden unter Director Georgi. Cine zu München
unter Dr. He unter Lehrer Wagner und eine zweite zu Gemünd unter
Pfarrer Wagner, der zugleih auc menanſtalt iſt. Da man aber die Erfahrung ſeit Jahren ge-
maht, wie unnatürlich und nußlos die Verbindung
beider Anſtalten iſt: ſo geht Herr Stadtpfarrer Wagner längſt
damit um, die Anſtalten zu tren nen, obſhon nur 5 Blinde
in der vereinigten Anſtalt ſich befinden. Zugleich iſt auch ein
Blinden-Aſyl zu Gemünd für erwachſene Blinde , das aber

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