' Kihterformen ſchließen.
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3 Lot) Salpeter und 3 Loth Salmiak in 4 Shoppen Waſſer
auflöſt und in dieſer Löſung etwa 30 Pfd. Talg bei gelinder
Hißze jo lange kochen läßt, bis das Waſſer faſt verdampft iſt.
Das iſt jedoch nicht -die einzige Art, wie man aus gewöhnlichem
Talg recht weiße und feſte Lichter darſtellen kann , es gibt noh
viele andere.
Iſt der Talg ordentli< zubereitet, ſo geht man an die
Verfertigung der Lichter. Dieſe werden entweder gegoſſen
oder gezogen.
Zur Fabrication der gegoſſenen Lichter hat man eigene
Formen nöthig. Dieſe beſtehen aus Zinn, oder verzinntem
Kupfer , aus Ble<ß , Holz oder Glas. Die gläſernen Formen
zeben den Lichtern wol den meiſten Glanz, ſie ſpringen aber
zu leiht beim Eingießen des heißen Talgs und außerdem ſind
ſie ſelten ganz gleih und grad. Die gegoſſenen Talglichter
ſind von längli< runder Geſtalt, deßhalb müſſen auß ihre
Formen länglihg rund fein. Wer aber ſchon ein gegoſſenes
Talglicht aufmerkſam betrachtet hat, der weiß auch, daß es nach
dem einen Ende allmählih dünner wird und plökßlich in eine
Spiße auslauft. Daraus läſſt ſich weiter auf die Geſtalt der
Die Deffnung an dem dünneren Ende
der Form muß ſo eng ſein, daß ſie vom eingezogenen Dochte
ausgefüllt wird , ſonſt würde der eingegoſſene Talg ausfließen.
Auf das weite Ende der Form wird eine Kapſel geſeßt, die
zum Eingießen des flüſſigen Talges dient. An dieſem Ende
wird auch der Docht befeſtigt. Man zieht ihn vermittelſt eines
drähternen Hakens, der Dochtnadel, genau durch die Mitte der
Form von einem Ende zum andern. An dem engen Ende ragt
er etwas aus der Form hervor. Dieſen hervorragenden Theil
brennen wir an dem fertigen Lichte an.
Gewöhnlich wird der Do ſammengedreht oder geflo baumwollene Garn no Baumwollene Docte ſind beſſer, als hänfene oder flähſene,
denn leßtere werden langſamer von der Flamme verzehrt, als
der Talg, und das Licht brennt darum weniger hel. Baumwol-
lenes Garn, welches zu Docten verwendet werden joll, muß
re Die Dote werden auf einer eigens dazu gemachten Maſchine
-- der Dohtbank --- verfertigt. Mit dem Doktmeſſer gibt
man ihnen die gewünſchte Länge; dann dreht man ſie etwas
zuſammen und reibt ſie auf einem leinenen, mit Wachs be-
fſtrihenen Lappen , wodurch die Fäden beſſer zuſammenhalten.
Sclauchförmig gewobene hohle Docte ſind beſſer, als die ge-
ſponnenen dichten , aber no< wenig in Gebrau man die Do nem Baumöl, ſo brennen ſie heller und länger und außerdem
verbreiten fie wenig Rauch. Des Wohlgeruc man bisweilen die Dohte mit wohlriehenden Oelen, z. B. mit
Jasminöl oder Muskatöl.
Iſt nun Alles zum Gießen. der Lichter hergerichtet, ſo ſtellt
man die Formen mit dem dünneren Ende ſenkrecht in die Löcher
des Formentiſhes und gießt alsdann den flüſſigen Talg milch-
warm in die oberen Oeffnungen ein. Durch das Eingießen
des Talg's verrü>t ſim gewöhnli< der Do kann ihn jedo ihn, ehe der Talg in der Form erſtarrt iſt, an beiden Enden
ſtraff anzieht. In der aufgeſeßten Kapjel iſt ein Stü& Talg
an“ das Licht geſchmolzen, geradeſo , wie beim Löſſelgießen an
dem Löffel nom ein StüF Zinn hängt, das Über die Form
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hervorragt. Dieſes angeſ warmen Meſſer abgeſchnitten. Um das Erſtarren des Talgs in
den Formen zu beſchleunigen und die Lichter leichter herausneh-
men zu können, ſtellt man jene in naſſen Sand.
Die gezogenen Lichter ſind ſchwieriger zu verfertigen, als
die gegoſſenen. Sie heiſſen gezogene , weil man die Dochte ſo
lange in flüſſigem Talg herumzieht, bis ſich eine hinreichende
Menge von Talg angeſeßt hat. Um Lichter zu ziehen, bringt
man das heiße Fett in den Talgtrog. Dieſer beſteht aus Zinn,
oder verzinntem Kupfer, wol auc< aus Holz und hat die Form
eines Bactroges. Unter den Talgtrog wird eine Kohlenpfanne
geſtellt, damit der Talg flüſſig bleibt. In den flüſſigen Talg
taucht man nun 10 bis 12 Docte, welche an hölzernen oder
eiſernen Stäbchen neben einander gereiht ſind , wie die Sproſſen
einer Futterreife. Das Eintauchen der Do derholt, bis die Lichter die gewünſchte Di>e haben Beim ex-
ſten Zuge muß das Fett re no< ſchlaffen Dohte beim Eintau den nachfolgenden Zügen darf es weniger heiß ſein. Zu den
lezten Zügen wählt man den beſten Talg. Taucht man die
fertigen Lichter in zerſ einen ſc Die gezogenen Talglichter find wohlfeiler und brennen etwas
ſparjamer , als die gegoſſenen. Sie werden deßhalb vorzugs-
weiſe in ärmeren Gegenden verbraucht.
Dur längeres Aufbewahren werden die Talglichter weißer
und beſſer, weil der Talg feſter wird. Es iſt darum nicht
ſparſam gehandelt, wenn man nur kleine Parthieen Lichter kauft.
Veberzieht man 'Talglichter mit einer dünnen Wachsſ brennen ſie langſamer und heißen deßhalb Sparxrlichter,
Häuſig werden die gegoſſenen und gezogenen Lichter an der
Sonne und durh den Thau gebleiht. Sie müſſen aber dabei
gegen Regen und Staub wohl geſ Ein gutes Talgliht muß hell und ohne Nebenfäden (Räu-
ber) brennen ; es darf nicht ablaufen , ni beim Brennen nicht übel rie erfennen , daß es nicht zu ſcert, in der Kälte nicht
auffpringt und ſich nicht ſchmierig anfühlt.
Will man ein brennendes Talglicht löſchen , ſo geſchieht dieß
mit einer Lihtpuße. Unreinlihe Menſ wol auc< mit den Fingern. Verbrennen ſie fich auch nicht je-
desmal dabei, ſo wird do< ver Docht ſelten auf einmal gelöſt,
er glimmt vielmehr no< fort, wodur< ein unangenehmer Gez
ruh entſteht.
Ein friſches Talglicht iſt ſ hes, dejjen Dohr ſ Das fommt daher, weil der Docht im erſten Falle noh
ganz tro>en iſt. Sobald der Talg geſchmolzen iſt, ſteigt ex in
den engen langen Röhrchen des Dots als flüſſige Maſſe in
die Höhe.
Die Flamme eines Talglichtes iſt leicht beweglich; durch
einen geringen Athemzug fla>ert ſie ſhon hin und her, und
dieſes Fla>ern iſt allerdings den Augen nicht zuträglih. Durch
die Luft wird die Flamme nac< oben zugeſpißt. Mit einem
Finger kann man ſ ihn zu verbrennen. Hält man eine blanke Meſſerklinge in die
Mitte einer Kerzenflamme, ſo wird die Klinge nur dur den
Rand dex Flamme geſ gehalten, wird ſie an allen Stellen, wel berührt würden, jhwärz,

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