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An einer Kerzenflamme laſſen fich mehrere Theile unter-
ſcheiden. Zunächſt des Dohts ſieht man im Innern einen ke-
gelförmigen dunfeln Kern. Dieſer wird von einem hellen blauen
Theile umgeben. Man ſieht weiter den ſehr hellen weißen Theil,
welcher die eigentliche Flamme bildet. Am Rande dieſes hellen
Theils iſt ein dunkler Rand von verbrannten Kohlentheilhen.
Bläßt man ein brennendes Talgliht aus, ſo kann man es wie-
der anzünden , indem man ein brennendes Streichholz an den
aufſteigenden Dampf bringt. Dieſer entzündet ſich, die Flamme
ſpringt dann herab an den Doc Zur Sculgeſchichte.
Ueber W. Hey äußert ſich eine Stimme in der Beilage zu
Nr. 144 der Allg. Zeitung, wie folgt:
(Vgl. Allg. Sh. Z. Nr. 65).
Auf ſeiner Pfarre und Superintendur JIc der Gera iſt am 19. Mai na< einem langen qualvollen Shmer-
zenslager der Verfaſſer von Spe>ters Fabeln (wie die
Fabeln für Kinder mit Spedter'ſ genannt werden), Superintendent Hey, geſtorben. Man
erzählt an's Heroiſche grenzende Züge von dem freudigen
und: hriſtlihen Mute, mit wel bli>t. Seit Ende vorigen Jahres, wo er ſich niederlegte, ſah
er feiner Auflöſung entgegen und ordnete und betrachtete da-
nah die Dinge. Während er in dem Berufe, in welchem ex
ſic am liebſten bewegte, als geiſtlicher Liederdichter, fortfuhr
zu ſchaffen , vernachläſſigte er doh nichts, was ihm ſonſt im
Leben nah und theuer ſtand, und blieb für Familie , Freunde
und Bekannte der theilnehmendſte und unterhaltendjte Geſell-
ſchafter, der im Geſpräch klaren Geiſtes, Alles beachtend, jogar
zuweilen ſcherzend , ſie ni die er empfand. In den Oſterfeiertagen ließ er von feinem
Stellvertreter auf der Kanzel eine geiſtlihe Hymne vorleſen,
die er am Abend vorher gedichtet = ein letter Zuſpruc an
ſeine Gemeinde, Man behauptet aber, daß er an jedem
Tage ſeiner Krankheit die Stärke ſeines Geiſtes dur; Dichtung
eines geiſtlichen Liedes geprüſt habe, und daß unter dieſen
Spätlingen einige ſeien, die den beſten aus ſeiner kräftigſten
Zeit an die Seite zu ſeen wären. Daß dieſe Lieder von
Werth und ſchon in man Bunſen'ſ ſtarb im 66. Jahre -- iſt ein großer Verluſt für ſeine Ge-
meinde, das Ländchen, dem er angehörte, und für einen großen
Freundeskreis , welcher in ihm einen Mittel- und Beruhigungs-
punkt fand. Denn unbeſchadet ſeiner ſtreng kir und des ſtarren Sinnes, den er, wo es ſein Amt galt, bewährte,
und die ihm unter früheren Verhältniſſen gewiſſermaßen ſeine
Verweiſung aus der Stadt Gotha nac< dem kleinen J ſen zugezogen, war er der umgänglichſte Menſ<, der, wo er
nur Überhaupt Geſinnung fand, nic Geſinnung dex Mann war, mit dem er ſprah, Der Stand-
punkt ſeiner hohen Bildung, der Ernſt, mit dem er auch die
Wiſſenſchaft ergriffen, die Theilnahme , die er allen geiſtigen
Leiſtungen der Zeit bewahrte, zeichnete ihn vortheilhaft vor vie-
len feiner Geſinnungsgenoſſen aus und verſchaffte ihm einen weiten
Kreis wahrer und ausgezeic liebenswürdigſten Gaſtfreiheit , und ſein Haus ſtand faſt nie leer
von Gäſten aus den verſchiedenſten Theilen unſers Vaterlandes.
Als Seelſorger erklärt man ihn für unerſeßli< in ſeiner Ge-
meinde. Wie man von einem ſo gemütvollen, klar in die Ver-
hältniſſe und die Fähigkeiten und Stimmungen der Jugendwelt
blifenden Schriftſteller erwarten konnte, war er auch als Leh-
rer ausgezeichnet. Man begriff nur kaum, wie er für Alles,
was er betrieb und dem er ſich widmete, die Zeit fand. Spe>-
ters Fabeln hatten ihn zuerſt in Deutſchland und weit darüber
hinaus , bekannt gemacht, denn ſie ſind in die meiſten lebenden
Sprachen überſeßzt; aber die Zahl ſeiner trefflichen Kinder- und
Jugendſchriften , die ebenfalls anerkannt , und mehr oder minder
verbreitet ſind, iſt weit größer. Namentlich hat ſein „Leb en
eines Kriegsroſſes" mit. den Bildern dazu , Anerkennung
gefunden. Es ward, wie die meiſten ſeiner andern Scriften,
ſofort in's Engliſche üÜberſeßt, und die Königin Victoria be-
ſtimmte es, mit beſonderen Jluſtrationen, zum Leſebuch für
ihren Sohn, den Prinzen von Wales.
Hidburghauſen. Am 2. Mai iſt der auh in weitern
Kreiſen als Shulmann und pädagogiſcher Schriftſteller rühm-
lichſt bekannte Seminardirectoxr B. G. Kern im 63. Le-
bensjahre nac< langem Leiden dahier verſchieden. Auf Em-
pfehlung Dieſterweg's 1835 von Jüterbog, wo er ſeit 1819
Rector der von ihm gegründeten höheren Bürgerſchule war *),
nac< Hildburghaufen berufen , wirkte er dort ſegensvoll zur
Ausbildung des meiningſ der meiningſhen Lehrer verdankt ihm ſeine Verbreitung für den
Beruf. Die Organiſation des Seminars wurde von ihm ge-
ſeitet , mit dem Seminar eine Uebungsſ Taubſtummenanſtalt gegründet und manche andere vortreffliche
Einrichtung getroffen. Das Hildburghäufer Seminar erfreute
ſim unter ſeiner Leitung eines ausgebreiteten guten Rufes.
Selbſt in ferne Gegenden wurden oft Zöglinge desſelben als
Lehrer in Familien und Sdulen verlangt. =- Kern iſt BVer-
faſſer mehrerer pädagogiſ gut anerkannten Buches über Bürgerſhulen und der 1843 er-
ſchienenen Shrift: „Ein deutſches Sc Vorbereitung zu demſelben." 28 Jahre lang war er Mitarbei-
ter der Allgemeinen Schulzeitung. =- Er war S Leib und Seele, in ſeinem Berufe ſtreng und gewiſſenhaft voll
theilnehmender Liebe für ſeine Zöglinge- Das Andenken des
Gerechten bleibt in Segen.
Halle a. d. S. Die hieſige Taubſtummen-Anſtalt , welche am
Jahresſ aufgenommen, von denen im lezten Schuljahre 34 von 6 Lehrern un-
terrichtet wurden. Die Jahreseinnahmen betrugen: 3243 Thlr. 29 Sgr.
9 Pf., die Ausgaben: 2768 Thlr. 18 Sgr. 8 Pf. , mithin verblieb ein
Kaſſenbeſtand von mehr als 475 Thlr., welcher zu den früheren Kaſſen-
beſtänden, die über 2073 Thlr. betrugen, gekommen iſt. C. B.

*) Vorher war er Rector und Prediger in Belzig.

Verantwortliche Redactoren: Dr. K. Wagner und Dr. K, Zimmermann. -- Dru und Verlag von K, W. Leske in Darmſtadt, *

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