Full text: Allgemeine Schulzeitung - 31.1854 (31)

Allgemeine Schul - Zeitung. 
Dienſtag , 3. Januar | 1854 „NR 1. 
 
 
 
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Nachdem unſere ſeit dem Jahr 1824 beſtehende Allgemeine Shulzeitung unter der Ungunſt der neueren Zeit 
gelitten hatte, iſt es uns gelungen, den früheren Berleger wieder für dieſelbe zu gewinnen. Sie kehrt jomit aus dem 
Verlag des Hrn. R. v. Auw, bei dem ſie von 1850 -- 53 erſchienen war, in den des Hrn. K. Leske zurüf. Wir 
ergreifen dieſen Beginn einer neuen Folge , um dem pädagogiſchen Publikum in nachſtehendem 
Programm der Allgemeinen Schulzeitung 
Gp georuführen , nach welchen unſer Blatt in Zukunft mit neuen Kräften auf dem Gebiete der Schule zu wirken 
1M vorgejeßt hat. | . 
Die „Allgemeine Schulzeitung“ ſoll alles Bedeutſame berichten, was unſere Zeit in Sachen der Schule will und 
thut, und andeuten, was ſie wollen und thun ſollte, Vertraut mit der Vergangenheit, ein Spiegel der Gegenwart, 
rathgebend für die Zukunft foll ſte das Daſeiende und Erſcheinende melden und beurtheilen, das Werdende und Fehlende 
geſtalten und ſchaffen helfen. Allgemein nennt fie fiH, weil ſie das bis zur Fachbildung allen Bildungsbedürftigen 
Gemeinſame, die religiöſe, ſprachliche, geſchichtliche, mathematiſche und naturwiſſenſchaftliche Vorbildung in ihren Bereich 
zieht und auf ſämmtliche Schulen aller Zungen und Zonen von den Kleinkinderſchulen bis zur Hochſchule ihr Augenmerk 
richtet. Alle Schulen ſind der Allgem. Schulzeitung glei<berechtigte Schweſtern. Sie alle dienen ja dem einen großen 
Gedanken, in der geſammten Jugend einen kräftigen Trieb zur Gottſeligkeit zu entwi>eln und ihr eine feſte Grundlage 
zur Lehenstüchtigkeit zu geben. Alle Wiſſenſchaften haben für ſie nur Bedeutung, inſofern ſie Mittel zu höherer Ber- 
edlung und Vergeiſtigung des Menſ<<engeſ<hlechtes ſind. Was ihnen vorzugsweije förderlich iſt zur Heranbildung eines 
denkenden, frommen, kenntniſſreichen und feelenſtarken Geſchlechtes, bevor ſich diefes einem beſonderen Fache der 
Wiſſenſchaft oder einem beſonderen Lebensberufe gewidmet hat, das iſt Unterrihtsſtoff der Schule und Gegenſtand der 
Beſprechung in der Schulzeitung. un 
- Wie die Scule als Thätigkeit einer freien ſelbſtändigen Wiſſenſchaft nicht Dienerin einer einzelen unter den 
die Menſchen zu ihrer Beſtimmung führenden Veranſtaltungen, alſo weder der Kirche, no< des Staates allein, nicht einer 
einzelen Geiſtes- oder Gemütsrichtung, alſo weder einer politiſchen, noch der pietiſtiſchen, oder rationaliſtiſchen, noh 
irgend einer andern einſeitigen Richtung ſein kann, ſondern unbeirrt von Schwankung und Partei nur das ewig Cdel- 
menſchliche, das auf ewigen Naturgeſetzen Beruhende, das ewig Göttliche zum Zielpunkt nimmt, ſo werden auch die Re- 
dactoren der Schulzeitung unwandelbar ihre auf ebenmäßige Entwikelung der menſchlichen Seelenkräſte und vernunſt- 
gemäßen Fortſchritt in Sa<ß und Form genommene Nichtung kund geben und für ihre Ueberzeugung mit entſchiedener 
Farbe in die Schranken treten, ohne Andersdenkenden das Wort zu verſagen, wenn es mit Würde geführt wird. 
Um das weite, vielfach getheilte Gebiet des erziehenden Unterrichts mit ſeinem üppigen Wachsthum von Pflanzen, 
Blüten und Früchten mancherlei Art, mit feinen aus ihm auftauchenden Jdeen, mit jeinen auf ihm gemachten Verjuchen 
und Erfahrungen mit Sachfunde und ausreichender Kraft pflegen zu können, werden ſim Männer, die auf verjc<hiedenen 
Unterrichtsfeldern thätig und heimiſch ſind, in die Geſchäftsführung der Schulzeitung theilen. Um mit dem Clemente 
zu beginnen, das den ganzen Sculunterri<t dur<dringen foll, ſo wird alles auf Religtonslehre Bezügliche der bisSherige 
Herausgeber der Allgem. Schulzeitung, Prälat Dr. K. Zimmermann, zur Erörterung bringen, die Mittheilungen über 
Sprachliches , Geſhic<tlihes und Geographiſches, über das höhere Schulweſen überhaupt wird Gymnaſiallehrer Profeſſor 
Dr. K. Wagner vermitteln, für das Fach der ſogenannten Realien, wie für das Volksſchulwejen werden friſche Kräfte 
gewonnen, und über die Elementar- und Kleinkinderſchulen von Stadtſchullehrer Schaffnit und Garniſonsſchullehrer 
I. Gölfing, dem Gründer und Vorſteher einer Kleinkinderſchule, berichtet werden. 
Wie der Stamm ſich nicht von der Wurzel trennt, ohne abzuſterben, wie der höhere Zweig mit dem niederen Stamm 
verwachſen iſt, und wie Blüte und Frucht aus der tiefſten Faſer des Baumes Saft und Kraft ſaugt, oder wie die 
eine Kunſt mit jeder andern in enger Verwandtſchaft und in Wechſelwirkung ſteht, alfo ſind auch die hohen und niederen 
Schulen nur Zweige des einen Baumes , nur Stralen der einen Sonne; ſie bilden eine zuſammengehörige Einheit, und 
welcher Lehrer auf den höchſten Stufen ſteht, der kann ſeines Mitarbeiters auf der unterſten nicht entrathen. Der edle 
Stoff, an dem ſich beide als Bildner zeigen follen, iſt oft dieſelbe reich begabte Menj<enſeele, die zur Entfaltung ihrer 
Schönheit der Pflege verſchiedener Hände bedarf. Do<h wenn der Steinmetz den Blo> verhauen, kann kein Polyklet ein 
Götterbild draus machen, und wenn auf den gelo>erten Boden ſchlechter Same geſät wird, muß Unkraut darauf wachſen. 
Darum hat der eine Menſ<enbildner achtſam auf den andern zu ſchauen, der hohe abwärts , damit er ſich nicht von den 
Gliedern ſeines Leibes trenne, der niedre aufwärts, damit er nicht wähne, am hohen Ziel zu ſtehen, auf daß einer von dem 
andern wiſſe, kein Fremdling in des andern Gebiet ſei, nit einer des andern Saat zertrete, des andern Bau zerſtöre, unter- 
grabe, ſondern alle an ihrer Stelle zuſammenwirken und zuſammengreifen nach Einer Jdee und Einem Plane zu Einem 
Zwecke , 10 ſich helfend und fördernd, wie Spindel und Feder und Rad in dem Uhrwerk. Dieſe gegenſeitige Kenntniß
	        

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