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Pädagogische Post
Nr. 16
bezw. ihn an sie heranzubringen; das Verschieben ans später ist
schon so eine Sache; was soll nicht alles „später" noch genommen
oder behandelt werden? — und — na ja, dann „hat man keine Zeit
dazu', und dabei blcibts denn. Und heimatlich soll doch unser
ganzer Unterricht, besonders auch der in der Grundschule, sein!
Voraussetzung dasür sind, ganz selbstverständlich, hinreichende
heimatliche Erfahrungen und Anschauungsmittel. — Daß man die
Dache auch ganz anders anfassen kann, haben z. B. Giesen u. Mackes
in dem sehr empfehlenswerten Bändchen „Leben und Weben"
(Kulturgeschichtliche Bilder aus der Heimat, Volksvereins-Verlag,
M.-Gladbach 1920) gezeigt, die, anschließend an merkwürdige
Knochenfnnde, eine Mammutjagd des Steinzeitmenschen in den
Mittelpunkt stellen.
Die Schule besitzt eine Sammlung hübscher Abdrücke, die uns
Pflanzenreste aus der Steinkohlenzeit zeigen, zum Teil von den
Kindern im Laufe der Zeit selbst mitgebracht. An jeder Zechrnhalde
und in einer Fuhre Kohlen finden sich solche Steine. Jedes Kind
erhielt vor der Lektion einen derartigen Stein . (Ich bemerke, daß
ich sonst in dem betr. Jahrgang nicht unterrichte; es harcdelt sich
um eine Konferenzlektion.)
Nun, Kinder, was siir Steine habt ihr denn da vor euch liegen?
Davon wollt ihr mir doch sicher einmal 'ählen — Die sind grau.
— Da sind „Blümchen" drauf. — Bei mir sind Blättchen. — Hier
ganz dünne Striche. — Ich habe „Näppkes" auf meinem Stein. —
Hier sind „Kringskes" mit einem Pünktchen drin. — Mein Vater
hat schon mal so einen Stein mitgebracht. — Woher denn? — Von
der Zeche. Er arbeitet tief unten in der Erde. Ta hackt er Kohlen
los, und da findet er die Steine. — Mein Vater auch! Ja, mein
Bruder auch! usw .
Also, Lu hast „Blümchen" auf dem Stein? — Ich auch, aber das
sind keine Blümchen, das sind alles kleine Blätter. — Nun, die
wollen wir uns doch einmal genau besehen! — Die Kindern mit
„Blümchen" oder kleinen Blättern auf den Steinen zeigen sie den
andern. — Ja, Herr Rektor, das sind Blättchen; aber diese sind an
ders wie bei Anna auf dem Stein — Zeichne sie einmal an die
Tafel! — Nun, ihr kennt doch alle eine Pflanze, die solch kleine
Blätter hat! — Nicht? Ihr wart doch im vorigen Jahr im Wald,
da habt ihr alle sie gesehen — und damit gespielt. — Ja. ja — aber
wie heißt das doch noch? Wir haben uns Schirme davon gemacht,
als die Sonne so hciß war. — Ja, ich habe sie mir auf den Hut ge
steckt. — Kein Kind kennt den Namen. Ich habe eine Abbildung
zur Hand. — Ja, das ist sie. Wie heißt sie doch? Das ist ein
Farn. Die Kinder nennen den Namen und zeigen auf die Ab
drücke. Chorsprechen! Wer kann den Namen anschreiben? — Es
geschieht. Herr Rektor, die Maria hat Farren geschrieben, das
heißt doch Farn. — Wird berichtigt. Chorsprechen!
Wer hat die „feinen Linien" auf seinem Stein. — Hier, hier!
— Herr Rektor, da sind bei mir aber auch noch kleine „Zäckskes"
durch. — Gencuns Beschauen! Zeichnen! — Was das aber wohl
sein mag? — In unsern Gärten wächst sie heute noch, ober viel
kleiner. — Die Stengel sind viel dünner. Auch die Zäckchen sind
daran. — Habt ihr noch nicht gehört, daß die Mutter sagt: In
unserm Garten sind viele „Kattenschwänzc"? — Ja, ja; voriges
Jahr habe ich sie ausreißcn müßen. Das war aber nickst leicht. Die
rissen immer ab. Das waren lauter so kleine Stückskes. Die konnte
man ineinander stecken. — Wie die wohl an den Namen kommen?
— Die sind so lang, so dünn wie ein Katzenschwanz. — Die sehen
aus, wie kleine Christbäume. — Ihr sagtet eben, der Stengel sei
immer in kleine Stückchen zerrissen. Die hätte man wieder incin-
andersteckcn können. Das ist also, wenn man in eine Schachtel eine
kleinere stellt und darin wieder eine kleinere. Darum nennt man
die Pflanze im Hochdeutschen „Schachtelhalm". Bild! — Sprechen!
Chorspreck-cn! Anschreiben lassen!
Herr Rektor, was sind das für „Näppkes" hier? — Nun, seht sie
euch einmal gut an und zeichnet auf die Tafel, wie das aussieht! —
Ja, Kinder, die sind von einem Baum, der heute hier nicht mehr
wächst. Habt ihr einural beobachtet, was der Vater macht, wenn er
ein teures Paket mit der Post fortschickt? — Ja, mein Vater tut da
Siegellack darauf. Da hält er Feuer dran. Dann wird der weich
und fällt auf die Leine. Und dann hat er mit so einem Dingen
drin gedrückt. Und da war der Name in dem Siegellack. — Der
ganze Name? — Nein, bloß zwei Buchstaben. Wie der Vorname
anfängt und der Hausname. — Wie heißt das denn, was der Vater
da ans das Paket geklebt hat? — Keiner weiß es? — Das ist ein
Siegel! — Lisbeth, zeichne du ein Siegel an die Tafel? — Das
sieht ja so aus wie hier auf dem Stein. Herr Rektor! — Wie der
Baum wohl heißen mag? — Siegellackbaum. — Nein, Kinder, Lack
ist nicht an dem Baum. Laßt das „Lack" weg! —Siegelbaum!
— Sprechen! Chorsprechen! Anschreiben lassen (natürlich jeweilig
vorher Hinweis auf Rechtschreibschwierigkeiten)!
Anna, was willst denn du? — Ja, bei mir sind so „Kringskes"
auf dem Stein. Die find aber ganz anders — Beschauen lassen;
zeichnen! — Nun. die laufen nicht in so gerirden Strichen wie bei
den Siegeln. Die Streifen sind schräg. — Berichtigung der Zeich
nung. — Herr Rektor, ich habe aber noch keinen Baum gesehen, der
so aussieht. — Lluch der wächst heute nicht mehr bei uns. Seht ein-
»ml. wie die »Kringskes" Liegen! — — Ihr habt alle schon ein Tier
gesehen, dessen Körper auch mit solchen „Kringskes" oder „Plättkes".
wie ihr das nennt, bedeckt ist. — Nein? Doch, sicher! Denkt einmal
genau nach! Wenn man mit dem Fingernagel darüber streicht,
bleiben die „Plättchen" hängen. Noch nicht? Kennt ihr denn
keinen Hering? — Ja, ja, der hat ganz viele Plättchen. Das sind
schuppen. Herr Rektor, dann heißt der Baum sicher Schup-
Pen bäum. — Recht so! — Sprechen, Chorsprechen, Anschreiben!
Hat null noch jemand etwas anders aus dem Stein stehen? —-
b?km! Was für Pflanzen haben also ihr Bild in den Steinen
abgedrückt?
Schaut euch dieses Bild einmal an! — Da ist ja ein Farn! Ist
der aber groß! So groß N'aren die bei uns im Wald nicht. Das ist
ja ein Baum. Da sind aber andere, die sind kleiner. Im Wasser
da ist auch etwas Grünes. — Ja, Killder. das ist Wasserfarn. —
Herr Rektor, sind das „Katten —", Sü-achtelhalme? So große sind
aber nicht in unserm Garten. Da ist ja einer nnlgesallen. Der hat
einen richtigen Stamm! Sieh — da sind ja die „Zäckchen".
Ob auch die anderen Bäuine auf dem Bild sind? — Ja, das ist
der Schuppenbauin. — Nein, das ist ja ein Siegelbauni! Nein —
ein Schuppenbaum! So geht's durckieinander. — Seht euch die
Bäume genau an. — Herr Rektor, das ist doch ein Siegelbamn. Die
Striche laufen ganz gerade von unten bis oben. Urrd da — da laufen sie
schief. Das ist ein Schuppenbaum. Alle Kinder besehen sich das
Bild (Schmeil, Wald zur Steillkohlellzeit) und bestimmen die
Bäume.
Sind die hier gewachsen, Herr Rektor? — Ja, das ist aber schon
lange, lange her. — .Herr Rektor, da feinten klettert eine Pflanze an
einen« Baum herauf. Die hat auch kleine Blätter. — Das ist ein
Kletterfarn. Kinder. — Als diese Bäume hier wuchseil, lebten noch
keine Menschen. Es war hier sehr warm und feucht. Der Boden
war „patschig". Große Sümpfe bedeckten das Land, und da wuchsen
mächtige Wälder.
Wie die aber da unten in die Erde gekommen sind? — Ja, Herr
Rektor, die (Steine sind tief aus der Erde. — Von den Bäumen fie
len Blätter, Zlveige, Aeste ans die Erde. Da war's feucht. Sie
faulten. Und der Sturm ioarf ganze Bäume um. Das Wasser,
die Flüsse und Bäche, schwemmten sie fort lind ließen sie anderswo
liegen. Und auf den faulenden Stoffen wuchsen wieder neue Pflan
zen. Die alten Bäume starben ab. fielen um, faulten. Das könnt
ihr heute noch im Walde sehen. So wuchseii immer neue Pflanzen,
Wälder aus den verfaulten. Das Wasser schwemmte auch Sand uuo
Ton über die fnnsenben Stosse. So sanken diese immer tiefer und
tiefer in die Erde hinein. Da konnte keine Luft mehr daran kom-
nien. Deshalb erhielten sich eiuzellle Pflaiizeuteile, deren Bild wir
heute auf den Steinen sel-en. Das hat lange, laiige Jahre, viele
Tausende voll Jahren sich wiederholt, llnten in der Erde wurden
die Massen immer härter; cs bildete sich Torf. (Vorzeigen; befüh
len, zerbrechen. — Hier l-abe ich gebrannten Torf! Der ist viel
dunkler und festers Das tut man in den Ofen. Wir haben welchen
im Hühnerstall, von dein hellen Torf aber.) Nach noch längerer
Zeit ivnrde aus den versunkenen Pflanzen Braunkohle (Briketts)!
und noch viel älter ist die Steinkohle, die bei uns ans der Erde ge
holt wird. Seht, auf diesem Bilde habt ihr eine Branntohtengrubel
— Da sind ja noch Baumstänrme mit Wurzeln bttn! Und da drü
ber sind wieder welche! — Da seht ihr, wie man l)eute in der Erde
noch die Reste alter Wälder findet, die einst bei uns wuchsen. Der
liebe Vater im Hiinmel trat vor langen, langen Jahren, da noch gar
keine Menschen hier wohnten, also fd>on gesorgt, daß ein großer
Schatz in llilsere Heimaterde gelegt ivnrde. — Das sind die Kohlen,
Herr Rektor.
So. ums macht ihr nun für morgen? — Ihr zeichnet das auf,
ivas ihr auf den Steinen gesehen habt und setzt die Namen dazu!
Nachbemerkung: Die letzten kurzen Hinweise dürften den Stoff
siir einige weitere heimatkundliche Stunden abgeben, den die Kinder
vielleicht zu einem guten Teil auch noch erschließen köniien.
Aufgaben: Sucht Pflanzenabdrücke! — Bittet euren Vater
und Bruder, euch solche mitzubringen. — Zeichnerische Ueburlgen. —
Niederschrift: Welche Bäume hier früher wuchsen (mit Skizzen).
— Wie es vor öicleu tausend Jahren bei uns aussah. — Woher die
Kohle kommt u ä.
* Denkschrift über die Aufbauschule.
Die Aufbauschule baut auf dem Lchrgalig des 7. Volksschul-
jahres eine 6jährige höhere Schule auf, die zur Reifeprüfung führt
und die gleichen Berechtigungen erteilt wie die deutsche Oberschule
und die Oberrealschule. Der gesamte Schulbesuch ihrer Schüler
unrfaßt hiernach die gleiche Zeit wie bei den anderen höheren
Schulen, nämlich 13 Jahre
Es ist zu verstehen, daß viele Sachkenner, die eine 9jährigc hö
here Schule siir notlvendig halten, die Aufbanschule mit Mißtrauen
und Sorge betrachten. Mit Mißtrauen, weil sie an der Vollwer-
tigfkeii einer 6jährigen höheren Schule zweifeln; mit Sorge, weil
sie fürchten, der neue Schulthpus könnte wegen seiner größeren
Billigkeit die alten Formen der 9jährigen höheren Sckiule ver
drängen.

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