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ſhungen eines der gelehrteſten Alterthumsforſ Ritſ und umfaſſte die geſammte damalige griech. Lit., d. h. alle
Scäße des menſ aus wurden damals, wie jezt von dem Leipziger Stapelplaz,
die Werke der Gelehrten nac und man verdankt demnach dem Producte dieſes Landes, der
Ruhmbegier ſeiner Könige und der Induſtrie ſeiner Bewohner
die Erhaltung eines großen Theils der griech. Literatur.“
Bon dem großen Gewinn für die Wiſſenſ durc<; Auffindung von Papyrusrollen in neuerer Zeit gemacht
hat, zeugen folgende 3 Fälle:
1) „Vor einigen Jahren hat man ein Paar Rollen, welche
in einem Sarkophage bei Theben aufgefunden worden, nach
England gebra ganz vollſtändige Reden des bis dahin nur durc< die Zeugniſſe
alter Schriftſteller uns bekannten Redners Hyperides. Ein
Verehrer dieſes Redners hatte dieſe koſtbaren Ueberreſte etwa
150 Jahre vor unſerer Zeitrehnung , alfo vor 2000 Jahren,
mit in's Grab genommen. Geldgierige haben dies in der
Nähe von Theben im J. 1848 entde>Ft und geplündert
und das Manuſcript an reiſende Engländer verkauft, nachdem
ſie es vorher, um einen größeren Gewinn zu machen, zerſtüelt
haben. Durch dieſen Fund, welcher ſeiner Wichtigkeit nach der
Wiederauffindung der Bücher des Cicero de republica faſt
gleichgeſtellt werden kann , iſt die grie<. Literatur gar ſehr be-
- reichert und das Urtheil über den Vf. der Reden feſtgeſtellt
worden.“ *)
2) „Nicht von gleicher Wichtigkeit, aber doH nicht ohne
großes Intereſſe, iſt die Auffindung eines großen Theiles des
24. Buches der Jliade (V. 127--804) in einem Grabe auf
Elephantine im J. 1821. Die Rolle hat 8' Länge, 10“
Breite und umfaſſt 677 Hexameter. Man hat berechnet, daß
für die beiden Gedichte des Homer, welche zuſammen nac< Wolf
27810 Verſe haben, 41 ſolcher Rollen erforderliM jein wür-
den. Wir erkennen aus dieſer Handſchrift die Geſtaltung des
Textes des alten Sängers zu einer Zeit, bis zu welcher unſere
älteſten Handſchriften nicht reichen.“
3) Das vom preuß. General Minutoli aus Alexandrien
na vor 1958 Jahren auf Papyrus geſchriebenen ägypt. Urkunde
über den Verkauf eines Grundſtü>s iſt in Berlin enträtſelt wor-
den und ergeben ſich aus ihr merkwürdige Thatſachen, daß nämlich
die grie<. Sprache damals in Aegypten die amtliche, ſelbſt für Pri-
vatangelegenheiten war, daß es eine griehß. Curſivſc das Hypothekenwejen damals ſhon ganz geordnet war, daß die
Perſönlichkeit niht na< Vor- und Zunamen oder Titel, ſondern nach
äußeren Kennzeichen, wie na< Hautfarbe, Geſichtsform , Naſe
beſtimmt , kurz ein Signalement gegeben wurde; wir erhalten
Kenntnis von dem Wert der Igypt. Grundſtü>e zu jener Zeit
und von dem gerichtlichen Verfahren bei ihrem Verkauf, kurz
durc< die eine unſc den Aufſ Die Verwendung des Nilpapiers war bei den Aegyptern ſo
allgemein, daß man Tauſende von Rollen in den Gräbern ne-
ben den Mumien gefunden hat. Champollion hat woler-

*) Vgl. Uyperidis oratt. duae., ex papyro Ardeniano ed. Post Ba-
bingtonem emendavit Schneidewin. Goett. 1853. Praefat,
p. VIII, XL
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haltene Papyrusrollen aus dem 18. Jahrh. vor der Hhriſtlichen
Zeitrehnung entde>t, die alſo jetzt vierthalbtauſend Jahre alt
ſind. Den Mumien wurden ſol die Schenkel oder unter die Arme gelegt.
Die Erwähnung der Mumien veranlaſſt mic<, das Ergebnis
einer andern archäologiſchen Unterſuchung bier mitzutheilen, das
no< wenig bekannt geworden zu ſein ſcheint. Die franzöſiſchen
Gelehrten Rouelle und Larcher (dieſer der berühmte Ueber-
ſezer und Erklärer des Herodot, jener in den Memoiren der
franz. Akad.) und ebenſo unſer Joh. Reinhold Forſter in ſei-
ner Schrift de bysso antiquorum hatten alle durch eigene
Unterjuhßung zu beweiſen geſucht, daß das ägypt. Mumienzeug
Baumwolle geweſen ſei. Zn neueſter Zeit haben jedoch die
mifroſkopiſ denſten Gewebeproben von menſ geln und anderen Thieren, welche die HH. Bauer und Thom-
fon in London anſtellten, und mit den deutlichſten Abbildungen
in Kupferſtic) begleitet veröffentlichten , unwiderleglic daß das Gewebe der ägyptiſchen Mumien Leinwand
iſt und man an ihm, ſoweit der jeßige Vorrat an Mumien
reimt, nicht eine einzige Baumwollenfaſer entde>en kann.
Die Frage über die Natur des Byſſus der Alten ſcheint durch
Thomſon's Mittheilung zum Scluſſe gebracht zu ſein. Hexo»-
dot (11, 86 und VII, 181) gibt an, daß die Aegypter ihre
Todten in Gewebe aus Byſſus einhüllten und ihre Wunden mit
Streifen von feinem Byſſus verbanden, und wir verdanken dem
Mikroſkope des Hrn. Bauer den thatſächlichen Beweis, daß der
Byſſus der Alten Fla Lange das Richtige getroffen, da er an jenen beiden Stellen
des Herodot „Byſſus = Leinwand“ überſeßte. Die Abhand-
lung Thomſon's, über das Gewebe an den ägypt. Mumien, die
mir in einem Sonderabdru> ſammt 4 Kupfertafeln aus Lie-
vig's Annalen vorliegt, ſchließt mit folgender Betrachtung:
„Die Periode , während welcher die Sitte des Einbalſamirens
in Aegypten herrſchte, vmfaſſt eine lange Zeitfolge. Chrono-
logen rechnen von dem erſten der Pharaonen bis zu dem leßten
der Ptolemäer, mit denen der Gebrau< aufgehört zu haben
jgeint, mehr als 2000 Jahre, während welcher jene Kunſt
ausgeübt wurde, welche dieſe ſpärlichen Ueberbleibſel ägyptiſcher
Induſtrie , die einzigen Spuren der Weberei der Alten, auf uns
gebra Flachſes einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht hatte;
mandhe derjelben würden dur< ihre Qualität no< heute Be-
wunderung erregen, und die feinſten nähern ſich unſeren zarten
Muslinen an Vollkommenheit. Die gefärbten Ränder beweiſen
thatfä war, von Plinius genau in ſeiner jhaft, der Ausfendung eines purpurroten Dampfs, wenn er
der Hiße ausgeſeßt wurde, beſchrieben) ſeit einer ſehr entlegenen
Zeit in Aegypten befannt war und als Farbe benußt wurde,
Während diefer langen Periode müſſen die Induſtrie und Künſte
mit dex Civilijation bedeutende Fortſchritte gemacht haben.
Zwiſ wel der in Herodot (111, 47) erwähnt und von Plinius als ein
wunderbares Kunſtwerk näher beſchrieben iſt, muß der Unter-
ſchied ungeheuer fein. =- Es iſt nicht unwahrſcheinlih, daß
jpätere Nachforſchungen Über dieſen Gegenſtand in den alten
Grabmälern und Mumienpläßen Lumpen entde>en werden, die
jet mit Füßen getreten werden und die der Reiſende nicht be-

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