Allgemeine Schul- Zeitung.

Donnerstag , 7. December
185 4. 8 146.

Geographie,
Seitdem die Methode des geographiſchen Sculunterrichts
von dem großen Markte geographiſcher Raritäten und Kurioſi-
täten , mit denen ſie vor Zeiten die Kinder ergößte und wol
au plagte, auf das wolbeſtellte Feld der Ritter'ſchen Crobe-
rung übergegangen , iſt ihre Berechtigung zum Kleinhandel auf
dieſem großen Felde der Wiſſenſchaft mehr und mehr anerkannt
worden, und die Experimente der Methodiker bewegen ſich faſt
qusſhließlit) auf demſelben , nur ſehr wenige, wie z. B. Vol-
ger, treiben nom einen Zwiſchenhandel zwiſchen dem alten und
neuen Gebiet der Methode, und ausſ< ſelbſt iſt gar kein Geſchäft mehr zu machen. Aber die ſtarke
Concurrenz und -- Divergenz, mit welcher die methodiſche Spe-
eulation auf dem Ritter'ſchen Felde auftritt, zeigt zur Genüge,
daß der Umſjaß der neuen Wiſſenſ Schule hin zwar mit ſehr eifrigen Kräften, aber auc< nach ſehr
unſicheren Grundſätzen betrieben wird. Als erfreuliches Reſul-
tat der neueren Verſuche ſtellt ſich nunmehr ungefähr Folgendes
heraus? Die Heimatsfunde in ihrer ungeheuerlichen Ausdeh-
nung als ſelbſtändiger Unterricht8zweig iſt bedeutend beſchränkt
oder ganz, als beiläufiger Nachweis analoger Erſcheinungen,
in die allgemeine Geographie verſchmolzen; = die mathema-
tiſche Geographie, als die ſ terrichts, ſteht ni Eingang dieſes Unterrichts, ſondern wird, nachdem aus ihr
nur die nothwendigſten Vorbegriffe entwielt ſind , erſt auf ei-
ner höheren Lehrſtufe im Zuſammenhange behandelt , das Na-
turbild wird mehr und mehr als ein großes Ganze zur Dar-
ſtellung gebrac ſ wi>elung wird dem Schüler wenigſtens in einzelen Andeutun-
gen zur Vorſtellung gebracht, = das ſtatiſtiſche Material und
der Notizenkram ijt beſc des Unterrichts wird ni ſchreiten gefunden, das ehedem von der Heimat ausgebend
durF Deutſ im lezten Stadium des Unterrichts. bei Auſtralien nlangte,
fondern man macht wenigſtens Verſuche einer nad inneren Grün-
den ſic< aufbauenden Stuſfenfolge. Aber ſelbſt die Summe die-
fer erfreulichen Reſultate der neueren Methode hat dieſe ſelbſt
do< no< feine8swegs zu einem feſten und allgemein befriedigen-
den Abſ no< vielfaM hervor, und zwar wie ſonſt im politiſchen Theile,
ſo jet im topiſhen und phyſikaliſchen Theile der Geographiez
und am f Verſu entlehnen (nam Roon's Vorgang) ihre methodiſche Anordnung
des Sculunterrihts von dem Begriffe der Wiſſenſ und während ſie hiernaM durc die Gebiete der topiſ der phyſikaliſchen Geographie ſi zu dem der politiſchen Geo-
graphie fortbewegen, begegnet ihnen eine ähnliche Kalamität,
wie den Männern des räumlichen Fortichritt8: fie haben ſo viel
und ſo lange mit Configuration, mit Flüſſen und Gebirgen,
mit Klima und organiſcher Natur zu thun, daß ſie zwar die
ganze Erde, wie ſie von Gott erſchaffen iſt, in ihrer Größe
und Herrlichkeit fertig bringen, aber keine Zeit übrig behalten
für den Menſchen und ſeine Schöpfungen; =- während ſonſt
die Schüler in der Geographie von Deutſchland und den Nah-
barländern ſte>en blieben, gehen fie jezt von der Schule fort
mit der ganzen Sydow'ſc und Hoh - und Tiefländern, mii Niederſ zonen; nur ſchade, daß ſie nicht mehr Zeit hatten, auc< zuzu-
ſehen, wie eine Welt von Menſchen, von Staaten und Städten,
von Handel und Verkehr ſic) auf der natürlichen Erde heimiſch
gemac einmal die oben angegebene wiſſenſc begegnet, iſt ſehr natürlih; denn gar man eben von der Schule fort, bevor der Lehrer mit ihnen fertig
iſt, und in feinem Unterrichte mehr, als in dem der Geographie,
geſchieht es, daß der Lehrer überhaupt „mit feinem Penjum
nicht fertig wird." =- Verſfüche aber, die methodiſche Anord-
nung des Stoffes nicht der Wiſſenſ ſondern zugleich der fortſchreitenden Befähigung des S<ülers
anzupaſſen, d. h. auf jeder Stufe die ganze Erde zu betrach-
ten, aber bei jeder neuen Betrachtung von einem weiteren und
höheren Geſichtspunkte aus, = ſolhe Verſuche ſind bis jeßt
nicht ſebr zahlreiche und nur wenig geglü&te hervorgetreten.
Von einigen neuen Verſuchen berichten wir in Nachfolgendem,
1) Dr. L. Hartmann (Oberlehrer am berliniſ zum grauen Kloſter). Handbuch der Geographie. Ein
Leitfaden für Schulen und untere Klaſſen der Gymnas-
fien. 3. verb, Aufl. Berlin, Jonas, 18538.
Dieß kleine, nur 122 S. ſtarke Handbuch enthält nur fo
viel, „als dem Anfänger zu wiſſen nöthig, und mit dem Ge-
dähtniſſe aufzufaſſen möglich iſt, und läßt dem Lehrer Gele-
genheit, ſc Darſtellung und Ausführung dem Schüler intereſjant zu ma-
hen." „Die 1. Lehrſtufe gibt na< der Beſchreibung der na-
türlihen Beſchaffenheit der Erdoberfläße eine kurze Ueberſicht
der Ländereintheilung , insbeſondere Deutſ ßiſ Staatenkunde, wobei wiederum die Darſtellung des Vaterlan-
des mit größerer Ausführlichkeit behandelt iſt.“ „Die zum Ver-
ſtändniß der Erdbeſchreibung nöthigen Thatſachen der mathema-
tiſchen Geographie ſind, ohne wiſſenſc einleitenden Paragraphen jeder Lehrſtufe vorangeſchi>t." =- Die
Zahlenangaben find überall ziemlic< beſchränkt; au< das Na-
menmaterial läßt ſich bewältigen. Die Orographie (der 1. Lehr-
ſtufe) gibt niht nur die horizontale Ausdehnung, ſondern auch
die vertikale Erhebung; bet Angabe der Flußläufe werden 1o-

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