Full text: Allgemeine Schulzeitung - 31.1854 (31)

Allgemeine Schul-Zeitung. 
 
 
 
Deutſche Sprache und Literatur. 
13) Deutſches Leſe - und Sprachbuch für die Dberſtufen der 
Volks- und Bürgerſchulen. Dritte Abtheilung des Hilfs- 
buches für Sprach -, Schreib - und Leſeunterricht. Von 
L. Wangemann. Laipzig, F. Brandſtetter. 1854. 
10 Nagar. 
Gin mit Beda<t und Geſhma&> zuſammengeſtelltes Buch, 
das die Zal der Lefebüher um ein wirklich gutes und 
brauchbares vermehrt. 
Des Verfaſſers Streben war bei der Ausarbeitung dahin 
gerichtet, ein Leſebuch zu ſchaffen, das ein geordnetes Ganze 
bilde. Jedes LeſeſtüF findet darum nicht eine willfürliche, ſon- 
dern eine ſeinem Inhalte und ſeiner Form na< notwendige 
Stellung; jedes iſt ein abgerundetes, für ſich beſtehendes, ſieht 
aber mit den andern in naher Verbindung. Zugleiß wollte 
W. aber auch ein Sprachbu< liefern, und nimmt zu dem 
Ende ſtets Bedacht darauf, daß die verſchiedenſten Darſtellungs- 
arten, von den einfachſten bis zu den mehr künſtlicheren in 
jeder Abtheilung vertreten werden. Der Stoff des Buches iſt 
faſt dur<gängig dem Bereiche des Vaterländiſ<en entnommen 
und umfaßt 1., das deutſ<he Volk in Bildern aus dem Leben 
der Familie, der Gemeinde, der Kirche und des Staats; I1l., 
das Vaterland in Darſtellungen aus dem heimatlichen An- 
fc<hauungsfreiſe und Vergleihungen mit der Fremde; 1li., die 
deutſ<he Geſchichte; 1V., deutſche Dichtungen ; V., Sprüche und 
Reden deutſher Männer. Ein Yl. Abſchnitt bringt eine Zu- 
ſammenſtellung der verſchiedenen Sprachformen, dur< deren ver- 
gleichende Betrac<tung der Schüler zur klaren Erkenntnis der 
Sprachgeſeße geführt werden ſoll. 
Als einen Vorzug des Buches vor vielen anderen müſſen 
wir ſeine entſchieden kir<li<he (evangeliſche) Richtung rühmend 
hervorheben. Es iſt ein Jammer, wenn man, um keiner Con- 
feſſion zu nahe zu treten, das Religiöſe in einem Sculleſebuch 
ganz in den Hintergrund drängt, oder demſelben durc<4 jehr all- 
gemein gehaltene ſog. moraliſc<e Erzälungen und Betrachtungen 
zu genügen glaubt, und wir müſſen es ſehr bedauern, daß von 
gewiſſer Seite her Lejebücher empfohlen werden, weil in ihnen 
„feine confeſſionelle Färbung hervortritt, und daß ſie ſomit in 
jeder Shule ohne Anſtand können eingeführt werden.“ CEnt- 
ſc<hiedenheit muß ſein und man fährt dabei auch ſtets am beßten. 
S...1. 
14) Leſebuch für den erſten Sprac<h-, S<hreib- und Lefeunterricht 
in Elementarſ<ulen, berausg. vom Lehrerverein zu Trier. 
1. Abth. 5. Aufl. Trier, bei Buchbinder A. Müller. 
1854. 32 S. gr. 8. ungeb. 1 Sgr. 2 Pf., geb. 
1 Sgr. 6 Pf. 
15) Leſebuch 2e., von demſelben. Il. Abth. 4. Aufl. Trier 
1854. 96 S. gr. 8. ungeb. 24 Sgr., geb. 31 Sgr, 
Obgleich es der Titel bei Nr. 14 nic<t ausdrüFli<h ſagt, ſo 
ſcheint doh das Büchlein für den Unterriht nah der Schreib- 
1854. 
„NE 155 
 
leſemethode beſtimmt. Die Uebungen find nämlich ſo geordnet, 
daß auf der einen Seite die Schreibſchrift und auf der gegen- 
überſtehenden die dazu gehörige Druckſchrift ſteht. Eine ſolche 
Einrichtung hat vieles Gute und kann bei einer ſtufenmäßigen 
Reihenfolge der Uebungen dem Lehrer den Unterricht erleichtern. 
Allein dieſe ſtufenmäßige Drdnung der Uebungen vermiſſt man 
in jeder Beziehung. Bei der Schreibſchrift ſind die Buchſtaben 
nach den Ober- und Unterlängen geordnet und daher kommt es, 
daß die der Form nach leichteren Buchſtaben 7], f, h,; P 2. 
ganz zuleßt nach z, uU, p, Dagegen x, v und w ganz im An- 
fange kommen. Chbenſo wäre es für das Lautiren jedenfalls 
vorzuziehen , wenn die Laute ſ, f; g; I und ſ< vor b, t, k, 
und p zur Uebung kämen. Dabei ſchreiten die Uebungen zu 
raſch vorwärts. Nur 6 S. Screib- nnd 8 S. Drudſcrift 
für die Einübung der beiden Alphabete und Dehnung und 
Schärfung dürfte doc) wol nicht genug ſein, Die nun folgens- 
den Leſeübungen von S. 18 bis 29 enthalten nur 1- und 
2ſylbige Wörter ; die Uebung im Leſen der 3- und mehrſylbigen 
Wörter iſt in das eigentliche Leſebuch (Nr. 15) gelegt. Das. 
Beſte in dem Büchelhen ſind wol die 2 erſten lithographirten 
Seiten, welche Verbindungen von 2 bis zu 10 Linien enthalten; 
do< dürften dieſe Zeihenübungen in ſolcher Allgemeinheit mehr 
für die folgende Stufe, alfo als Beigabe zum Leſebuche paſſen. 
Das Leſebuch iir Abth. enthält auf den erſten 58 Seiten 
zum größten Theile ſprachliche Uebungen, nur hie und da mit 
einzelnen Erzälungen, Vers8öHhen und Abſchnitten aus dem Ge- 
biete der Anſchauung untermiſ<t. Auf den folgenden Seiten 
wird der Stoff anſprehender , obgleih noF Manches zu wüns- 
ichen bleibt. 
1. Th. 
Straßburg, 
16) Leſebuch für Kinder, 
na< der 4, Auflage. 
131 S. 8. * 
Der Inhalt dieſes Büchleins entſpricht ganz ſeinem Titel, 
Es iſt fein Leſebuch für Schulen, ſondern etwa für Kinder, die 
eben anfangen Wörter zu leſen und denen man gern etwas 
geben möchte, das ganz in ihrem Anſ<auungskreiſe liegt. Ein 
Lebenstag einer Familie von Vater, Mutter und 3 Kindern 
wird beſchrieben, und die dem Kinde täglih vorkommenden Ans- 
ſhauungen find auf dieſe Weiſe in eine Reihe im Zuſammen- 
hange ſtehender Erzälungen eingekleidet. Die Sprache bewegt 
fih in möglichſt einfazen Säen und iſt inſofern ſehr zu 
loben. Cin fleines Beiſpiel von der Art der Darſtellung mögen 
einige Säße aus der Beſchreibung des Morgenſpaziergangs 
geben. Die Kinder haben einen Haſen erbliet und der Jäger 
ihn geſchoſſen. 
„Er iſt todt. 
„Der Jäger ſte>t ihn in ſeine Jagdtaſche. 
„Armer Haſe! 
„A< laſſen wir den Haſen, 
„Laſſen wir den Jäger, 
Aus dem Franzöſiſchen 
Leyprault , 1853,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.