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Oberfläche eines ſpiegelglatten Sees weilte. Sobald ein Wal-
fiſch an der Seite des Schiffes befeſtigt iſt und man ihn auf-
zuhauen beginnt, ſammeln ſich die Sturmvögel zu Tauſenden
und harren auf die Stücke , welhe weggeworfen werden. Das
eigentümliche freudige Kreiſchen, womit ſie ihre rege Begierde
zu erkennen geben; - die Gier, mit welcher ſie nach dem Spe
ſ verzehren ; der Neid, der gegen diejenigen an den Tag gelegt
wird, welche den größten der Le&>erbizen errungen haben , und
die gewaltſamen Anſtrengungen, welche häufig gema um ihn denſelben zu entreißen =- Alles dieß gewährt den See-
leuten ein merkwürdiges und beluſtigendes Shauſpiel. Bigswei-
len iſt die Oberflähe des Meeres fo von ihnen bede>t, daß
man Nichts zufällig hinwerfen kann, ohne einen Sturmvogel zu
treffen. Wenn ſie aufgeſ Füßen gegen das Waßer, um den Aufflug zu beſchleunigen,
und bringen dadurch einen Lärm hervor , der Donnerſchlägen
gleicht. .
Do ten Walfiſchmahle. Verſchiedene andere Mövenarten ſtellen ſich
ein , um mit gleicher Gier Theil zu nehmen: die weiße Möve
(der S M3ve, von den Holländern Bürgermeiſter genannt, die an
Stärke und Heißhunger alle anderen übertrifft. Sie kreiſt ge-
wöhnlich hoc< in der Luft, oder fißt auf den Gipfeln der Eis-
berge. Von hier aus heftet ſie den Bli auf ihre Beute und
ſtürzt mit Blißesſc iſt und bei ihrem Angriff alsbald Verzimt darauf leiſtet. Ein
Glü> für die Schwächeren, daß ſolc< ein Bürgermeiſter nicht
häufig vorkommt!
In zahlreichen Gruppen dur und Seen des Nordens. Sie ſind ganz andere Thiere , als
unſere zahmen, die , von der ſchweren Maſt des Getreides und
der Kartoffeln lebend, wol zum geruhigen Haus- und Weide-
thier umgewandelt, dabei aber zum Urbild der Dummheit ge-
worden ſind. Angewieſen auf das, was ihnen die karge Natur
des Winters übrig läßt, ziehen fie in hohen, ſ dur< Naht und Froſt von See zu See. Die Compagnie der
Hudſonsbay Jalzt jährlich an die 4000 Gänſe ein zum Winter-
bedarf. Große Züge von Eidergänſen langen im Frühlinge
an den nördlihſten Geſtaden von Grönland an. Von ihnen
rühren die köſtlih weichen Eiderdaunen, von denen 1 Pfd. mit
14 fl. bezahlt wird. Die inneren Seen der arktiſchen Zone
bewohnt der S Vollendung. Alles an ihm iſt ſchön, hehr, voll Majeſtät.
Blendend ſc biegt er den Wellenhals, leicht und frei ſ Schwingen ſegelgleic gelüftet, jeder Umriß ſanft ſich ſ jede Stellung ſeelenvoll , jede Bewegung edel: ein wechſelndes
Spiel der ſc wiße er , daß die Flut ſelber im Anſ weile. -=- Minder ſ höchſten Norden no< weilt und der grimmigſten Kälte troßt.
Vebrigens iſt der wilde Entrich kein unſchönes Thier. Um den
ſammetgrünen Hals trägt er ein Band vom friſheſten Weiß,
die Bruſt ziert ernſtes Braun, den grauen Flügel die ſtahl-
blauſchimmernde Sce.
Zu den arktiſchen Vögeln werden au< die Meerſ ben gerechnet, wel zahlreich vorkommen , daß eine benachbarte Inſel von ihnen den
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Namen erhalten hat. Sie liefern die wolſ Der Bläßling (das Taucerhuhn), deſſen Haut eine ſehr
warme Kleidung gibt, der Sandpfeiſer, das Haſelhuhn,
von welchem eine Art des herrlichen Fleiſches wegen fehr geſucht
iſt, bewohnen alle das Innere von Grönland. Die meiſten
derſelben verwandeln ihr graues oder braunes Sommerkleid in
ein rein glänzendweißes Gewand während der Dauer des
Winters.
Unter und zum großen Theil von dieſen Thieren lebt das
nomadiſche Volk der Eskimo's ( „Rohfleiſchfreßer", wie dieſes
Wort auf gut deutſc< heißt). Sie ſind klein =- mittlere Größe
41! F. = aber breit und gedrungen mit diem Kopf und
Hals ; das Geſicht iſt breit, kurz , beſonders gegen die Stirne
hin platt und hat hervorſtehende Baen; die Naſe iſt gequetſcht,
das Auge braungelb , das Haar ſchwarz, fettglänzend, hart und
lang herabhängend. Der große, gewöhnlich halb offene Mund,
drü&t dem ganzen Geſicht das Gepräge von Dummheit auf.
Die Männer haben entweder keinen, oder einen ſehr ſ Bart. Die Weiber ſind meiſt ebenſo groß, als die Männex,
und wenn auch in gewißer Beziehung eitel, do<ß im hö<ſten
Grade ſ ebenſo liebe Vieh übertrifft, Uebrigens iſt der Eskimo ehrlich, gut-
mütig und nicht ohne Geſhi> in der Verfertigung ſeiner Klei-
der, Schlitten, Kähne 21. Im Sommer wohnt er in Zelten
von Thierhäuten, im Winter (wenigſtens in den nördlicheren
Strichen) in Hütten, die aus Shneequadern wie eine Halbku-
gel zuſammengefügt ſind. Ein Stüc> klares Eis dient als
Fenſter; von der De&e hängt eine Thranlampe zur Heizung
und zum Kochen. Jagd und Fiſcherei geben den Lebensunter-
halt; ſind ſie unergiebig, wird gehungert; bei gutem Fange mehr
geſchlungen, als geſpeißt.
Und do und hier allein glüFſih. Ein paar Eskimo's , die man nach
Kopenhagen gebracht hatte und hier alle Genüße der Civiliſa-
tion koſten ließ, wurden ſ brachte ſie nach Grönland zurüf. Dort in ihren Shmußhütten
bei getro&neten oder verſaulten FiſmMen und Seehundsthran
wurde ihnen wieder wol; ſie griffen nac und Harpunen , fuhren auf ihren Hundeſchlitten meilenweit auf
der Eisrinde dem offenen Meere zu und wagten ſich, wie früher,
in ihren kleinen mit Fiſ Robbenfellen überzogenen Kähnen keck in die ſturmbewegte See.
...L
Mythologie,
Mythologie der Griechen und Römer, bearbeitet für höhere
Töhterſ unterrihte von E. Maier. Hannover, 1858. 181 S.
Die Abſicht des Verf. , „ſtrebenden Mäd die inhaltreihen Mythen einfaM und warm und möglichſt zart“
darzuſtellen , damit ſie die Werke der Kunſt mit mehr Verſtänd-
niß und Genuß leſen und ſc derſelben mit flarem Berſtande auffaſſen und ſo ein reicheres
Leben leben -- dieſe Abfi Schrift erreicht und eine Aufgabe gelöſt fein, welche mit eigen-
thümlihen Shwierigkeiten zu kämpfen hat, da der reiche, viel-
fa< verfängliche und ſc

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