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Achtunddreißigſter Jahrgang.

Darmſtadt, 4. Mai.

Zur Frage der Reorganiſation des Geſchichts-
Unterrichts.
Man wird zugeben müſſen , daß es auf dem lebensvollen
pädagogiſ bedeutſame Fragen lange Zeit ignorirt werden. Sie treten
dadur<; ſo ſ ſHwer wird, ſie wieder iu den Bereiß friſheſten Intereſſes
zurükzuführen. Aber gleicherweiſe hat es ſein Bedenken, wenn
dergleichen Fragen, ſofern fie überhaupt einmal zum Stehen
gebracht ſind und eine thatſäc gefunden haben, in eine neue Bewegung gefeßt werden, welche
die Frucht ihrer bereits gewonnenen Löſung wieder unſicher zu
machen drohen, ohne an deren Statt eine werthvollere in Aus-
ſit zu ſtellen, Die Geſtaltung des Geſchichtsunterric eine ſolHe wichtige pädagogiſche Frage, wel zehnten ſo gut wie vergeſſen ſchien und aus dieſer Vergeſſen-
heit niht ohne Mühe horvorgezogen wurde, Seit ſie aber
wieder auf den Plan gebracht iſt, hat ſie von den verſchieden«
ſten Seiten her und durch zum Theil ſehr tüchtige pädagogiſche
Kräfte eine Überaus lebhafte Ventilation erfahren, ſo daß eine
reihe Ausbeute dieſer Geiſtesarbeit gewonnen iſt, welche dem
praktiſHen Unterricht in den mannichfaltigen Unterrichtsfreiſen
zu gut gekommen iſt. Wer von den Beſtrebungen eingehend
Kenntniß nimmt, welche zur ſachentſprehenden, das beſtimmte,
richtig erkannte Bedürfniß möglichſt ausreichend befriedigenden
Organiſation des Geſchichtsunterric gegenwärtig factiſc< zur Geltung gebracht iſt, der müßte ſich
abſichtlich gegen den Geiſt und das Ziel dieſer Beſtrebungen,
wie gegen den zweifellofen Werth derſelben verj er von einer dringenden Nothwendigkeit einer Reorganiſation
reden wollte, dur< welche weſentlich andere Grundlagen und
weſentli< andere Ziele angeſtrebt werden müßten, An der jeßt
beſtehenden, vielfaM durch normirende amtliche Beſtimmungen
begründeten Organiſation dieſes Unterrichts iſt weder ſo ober-
flä Arbeit als zwewidrig darzuſtellen, no Bedürfniſſe der zu unterrichtenden Jugend ſo weit aus den
Augen verloren, daß es nöthig würde, jene ganz von neuem
ans Licht zu ziehen, um ihnen durc< eine neue Organiſation
des ihnen entſprechender zu geſtaltenden Unterrichts in päda-
gogiſ< würdigerer und gründlicherer Weiſe gere Vielmehr muß eine unbefangzne, der Sache klar auf ven Grund
blikende Prüfung der gegenwärtig maßgebenden Beſtimmungen
über den Geſchichtsunterrihi ergeben, daß ſowohl das Lehr-
object, als das lebenswirkliche Bedürfniß des Subjects je nach
den Lebensfreiſen, für wel den ſoll, wirkliH ſorgfältigſte Berüfichtigung erfahren hat. Die
gegenwärtige Organiſation erfreut fih denn au< thatſächlich
einer hinlänglich verbreiteten Anerkennung ſehr tühtiger Shul-
männer und Pädagogen, denen Niemand berechtigt iſt, ein gründ
lihes Urtheil zur Sache abzuſprechen , daß man vollgültige
Urſacße hat, ſim eher dieſer Anerkennung anzuſchließen, als ihr
tadelnd entgegenzutreten. Begreifliherweiſe ſoll damit nicht
in Avrede geſtellt werden, daß bei dieſer Organijation nicht
auh Mängel im Einzelen aufgefunden werden fönnten ; das
wird bei allen Organiſationen der Fall ſein; aber da, wo ſich
die Reſultate bei ihrer Durchführung als minder befriedigend
ergeben, würde es gerathener ſein, ſtatt die Organiſation ſelbſt
anzufechten, die Art des Unterrichts bei den betreffenden Leh-
rern genauer zu unterſuchen, um zu erkennen, ob jene gerin-
gere Befriedigung nicht auf deren Rechnung zu ſtellen wäre,
ſtatt fie aus der feſtgeſtellten Einrichtung des ganzen hiſtori-
ſchen Unterrichtsplanes herzuleiten. In Preußen, um bei einem
beſtimmten Beiſpiele ſtehen zu bleiben, iſt die Bedeutjamkeit
des Geſhichtsunterri anerkannt, daß deſſen tüchtiger Organiſation die eingehendſte
Sorgfalt zugewendet iſt, jeht ſowohl für die Gelehrtenſc wie für die Real-, Bürger- und Volksſhulen ganz beſtimmte
und durchſichtige Pläne ausgearbeitet und theils empfohlen,
theils vorgeſchrieben worden find, bei denen alle jene Rücſich-
ten weiſe und bewußten Geiſtes abgewogen find, welche ſich
bei ſol aufdrängen müſſen. Es hieße in der That den bei der Aus-
arbeitung der bezüglihen Pläne betheiligten, erfahrenen, mit
den fachlichen, perſönlihen und Zeitanforderungen ſehr wohl
vertrauten Männern ein ganz unbegründetes testimonium Ppau-
pertatis ausſtellen, wollte man in Bauſ< und Bogen ihre Lei-
ſtung als verfehlt hen, daß Pläne , wel radicalen Reorganiſation des Geſhichtsunierrihts aufgeſtellt
werden, an ungleich viel auffälligeren Mängel litten, als ihre
Autoren ahnen, Der Geſchichtsunterriht ſoll in das vielgeſtal-
tige geiſtige und äußere Leben der Völker einfähren, ihre wich-
tigſten Beſtrebungen und Thaten, ihre Entwikelungsziele, wie
die nac gegründeten ſocialen oder ſtaatlichen Inſtitutionen, er foll ihre
großen Perſöntichkeiten und deren folgewichtige Arbeit, ihren
Charakter, ihre Reſultate, ihre Kämpfe auf dem Sclactfelde
oder im Rath der Könige, oder in Gerichts= und Hörſslen, in

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