Full text: Allgemeine Schulzeitung - 38.1861 (38)

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fih die Queſien, aus denen es f<öpft, gemehrt; 6 neue wer- 
den namhaft gemacht, Der Druck iſt fortwährend äußerſt ſorg- 
fältig ausgeführt , wir haben nur S. 368 in paraversdus 
(woraus Pfand) einen verſeßten Buchſtaben wahrgenommen, 
Möge dem Hrn. Verfaſſer mögli< ſein, uns bald mit dem 
Scluß jeines verdienſtvollen und vpielfamM dienlihen Buches 
zu erfreuen. K. W. 
(Schluß folgt) 
Vlexander von Humboldt, Ein biographiſ<es Denk- 
mal von H, Klen&>e, 3., gänzli<ß umgearbeitete Aufl. 
Leipzig, Spamer, 1859. 26 Bog. Scillerform. 
Die vorliegende Lebensbeſchreibung bezweckt eine Vermitte- 
lung zwiſ<en dem "hohen , geiſtigen Standpunkte Alexander 
vp. Humboldt's und dem Bewußtſein des geſammten deutſchen 
Volks. Der Verf. nimmt nicht mit Unreht an, daß große 
Männer, auf die eine ganze Nation ſtolz ſein muß, ſelten allein 
dur< ihre Jdeen und ihr geiſtiges Wirken zur populären oder 
nationaſen Anerkennung gelangen , daß vielmehr meiſt irgend 
eine finnli<e, eine praktiſche Anſchauung vorangehen oder hinzu- 
treten müſſe, um den Volksſinn für ihre hochſtrebende Größe 
erwachen zu laſſen, und daß vorzüglich die Lebensbeſc<hreibung 
einer erhabenen Perſon im Reiche des Wiſſens dieſe ſelbſt dem 
Volke näher rü>ke und verſtändlicher mache, Klen&Fe ſpricht 
damit einen Gedanken aus, ähnli< dem Börne's, wenn ex die 
Anekdoten von großen Männern die Henkel ihrer großen See=- 
len nennt, wodurc< dieſe faßlich würden für den Hausgebrau<. 
Der Abſicht des Herausg. entſprehend iſt in der Darſtellung 
allgemeine Verſtändlichkeit angeſtrebt und nam Möglichkeit -- 
die behandelten Gegenſtände machen dieſe theilweiſe ſehr ſchwie- 
rig => auc<ß durchgeführt. 
Der Leſer erkennt in der Erzählung leicht, was fi< „der 
wiſſenſchaftliche Kolumbus der neueren Zeit" als ſeines Lebens 
Hauptzwe> vorgeſeßt : Die verwickelten Urſachen der mannich- 
faltigen Daſeinsformen zu erklären und Alles auf durchgreifende 
Naturgeſeze zurüzuführen, die im anſc<einend Regelloſen do<h. 
nur ein belebtes einheitliches Ganze beherrſ<en. In Hum- 
boldt*s Lebensbild tritt uns eine Perſönlichkeit entgegen, die 
von Wahrheit und tiefem Geiſte, wie von warmem Gemüthe 
gleic<erweiſe getragen iſt. Wenn deßhalb auch in der Schrift 
nicht ſo, wie allerwärts, eine Fülle anziehenden Materials aus 
den äußeren Erlebniſſen des großen Mannes verarbeitet wäre, 
fo würde diejelbe dennoc< feſſeln und anregen und zu dem bei- 
tragen, was der Verf. im Auge hatte? „Den nationalen Stolz 
auf Humboldt auch Über die wiſſenſc<haftlihen Kreiſe hinaus in 
das Bürgerhaus hineinzutragen, wo das Wort „Freiheit“ ein 
leerer Shall bleiben würde, wenn er niht aus dem Bewußt- 
ſein wahrer Volksbildung, nicht aus dem Theilhaben des Vol- 
kes am Scaße des Wiſſens und Wirkens hervorginge, den die 
Träger der Weltbildung ihrem Volke vermittelt haben.“ 
Daß in verhältnißmäßig nicht langer Zeit eine 3. Aufl. 
des Werk<ens nsthig wurde, iſt für deſſen Trefflichkeit ein 
gutes Zeihen. Wenn wir nun bezüglich der Ueberarbeitung 
der gegenwärtigen Ausgabe noc< etwas zu wünſchen haben, ſo 
wäre es das, daß man auf die Styliſtik, beſonders in den 
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erſten Bogen, nom mehr Sorgfalt verwendet hätte. Die leßte 
Durchſicht ſcheint faſt übereilt worden zu ſein. Au zählen 
Drucfehler niht zu den Seltenheiten. Dieſe kleinen Matel 
können indeſſen nicht hindern, das Ganze nac< Zwe> und Durch« 
führung angelegentli< zu empfehlen. L. W. 
Dr. Martin Luther als Schulmeiſter. Cine Blu- 
menleſe aus deſſen pädagogiſchen Schriften für Geiſtliche, 
Predigtamtscandidaten , Lehrer, Sc<hulamtsaſpiranten und 
gebildete Aeltern. Von Dr. Joh, Friedric, Theo- 
dor Wohlfarth, Fürſtlih Schwarzburg. Kirchen- 
rathe, Detmold , Meyer'ſ<e Hofbuchhandlung. 1861. 
115 S. 8. un . 
„Dem berufstreuen Lehrerſtande der evangeliſ<en Kirche“ 
iſt obiges Buch gewidmet, und als eine dankenswerthe Gabe 
muß ſie Ref, im Namen gewiß vieler Lehrer, vor Allem derer, 
die es treu in und mit ihrem Berufe meinen, hinnehmen. Denn 
eine ſ<öne Aufgabe hat das Buch gelöſt. Den Kämpfer, nicht 
bloß für das Wohl der Kir<e Chriſti, ſondern ebenſo für das 
in mönchiſche Knechtſ<aft verſunkene, heruntergekommene Schul- 
weſen, unſeren theuren Luther, ſehen wir auf dieſen 415 Seis 
ten mit feinen eigenen Worten, wie er ſie in ſeinen pädagogi- 
ſmen Schriften niedergelegt hat, gezeichnet und als eter 
„Meiſter der Schule" tritt er darin vor uns, Wem myß es 
niht willfommen fein, hier Anſichten über Schule und Haus 
von einem Manne, dem es nachzuthun, das Beſtreben eines 
jeden Geiſtlihen wie Lehrers ſein muß , zuſammengeſtellt und 
geordnet zu finden ; zumal die größeren Werke Luthers den 
meiſten Lehrern, insbeſondere denen auf dem Lande, unzugäng- 
lim find ? Und Ref. darf die Ausleſe, ſowie die geordnete Zus 
jammenſtellung als eine den Anforderungen hierbei vollſtändig 
entſprehßende bezeihnen. Näher auf Inhalt 2c. einzugehen, ge» 
ſtattet der Raum nicht. Nur ſei erwähnt, daß Luther, der 
als e<ter Schulmann nicht bloß an die Lehrer , ſondern vor 
allem an die Aeltern appellirt und ihnen zu dem Zwe> a. A. 
die Worte zuruft: „Was hülfe es, wenn fie (die Aeltern) fich 
gleih zu Tode fajteten, beteten und alle Werke thäten und 
ließen doM unterwegs, was ihnen Gott befohlen hat. Gott 
wird fie über dieje Stü>e nicht fragen am jüngſten Tage, 
ſondern von den Kindern, die erihnen befohlen hat“, 
hiermit auc zugleich dem Hrn. Verf. den Weg zur rechten Ein- 
theilung des Stoffes gezeigt hat. Die erſte Abtheilung des 
Buchs behandelt darum „das älterlihe Haus“, die zweite „die 
Kindheit und Jugend", die dritte „die Sc<ule“, die vierte 
„ Lehrgegenſtände und Lehrart“, die fünfte „die Erziehung und 
das Lehramt.“ Die 59 weiteren, in Unterabtheilungen behan- 
delten Abſchnitte anzuführen, verbietet der Raum, und bürgt 
ſchon dieſe Zahl für die Mannichfaltigkeit des Bu<s. Möchte 
der hierin niedergelegte Geiſt Luther*s in Schule, Haus und 
Herz rec<t viel Gutes anregen und ſtiften! Dieß der Wunſch 
des Hrn. Verf., dieß der Wunſch des Referenten. - H,
	        

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