Full text: Allgemeine Schulzeitung - 38.1861 (38)

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poſitiven Kenntniſſe darzuthun, daß ſie, unwürdiger und 
verderblicher Oſtentation fremd, die gleihmäßige Ent- 
wielung ihrer Kinder als ihre höchſte Aufgabe erkennen,“ 
Es find 17 Jahre, für die Geſhic<te der Pädagogik reiche und 
bedeutſame Jahre, vorübergegangen, und über manche Beſtim- 
mung dieſes Regulativs mögen wir uns wundern, aber im 
Allgemeinen iſt nor heute viel aus ihm zu lernen, und es wäre 
ein Glü> geweſen, hätten es die Rectoren befolgt. 
Die Behörden wandten auc<g ſonſt den Rectorſ<hulen beſon: 
dere Sorgfalt zu ; aber dieſelben waren nicht lebensfähig. 
Es lag dieß in der Natur der Sache; die Gefahr aller 
monarchiſchen Inſtitutionen traf aum ſie; ihr Gedeihen hing 
von der beſonderen ſittlichen wiſſenſ<aftlichen und pädagogiſchen 
Tüchtigkeit der Reetoren ab; Männer aber, welche ſi; nach die- 
ſen drei Richtungen auszeichnen, werden in einer ſolchen unter- 
geordneten Thätigkeit nicht gern verbleiben ; die polniſchen Ael- 
tern verloden und reizen zu jenen unwürdigen Oſtentationen, 
vor welcher das Provinzial-Sc<hulcollegium ſo ernſtlih warnt, 
und viel bedeutendere Gründe liegen in den Schülern. Eine 
kleine Stadt von 2000 Seelen hat do< nur ſehr wenige 
Kinder , welche die Gymnaſialcarriere durhmacen ſollen, und 
dieſe wenigen ſind gemeinhin nicht im gleichen Alter. Es ſind 
alſo unter 20 Schülern einer ſolchen Rectorſhule kaum 6, 
weldze wirklich als Sextaner und Quintaner angeſehen werden 
können. BVielleiht ſind ihrer noh weniger, denn wer einmal 
ſein Kind ſc<on als Quartaner no< auswärts geben muß, läßt 
es lieber bald das ganze Gymnaſium von unten auf abſol- 
viren. Die andern 14, von denen im oben jpra<, kommen 
nur in die Rectorclaſſe, um der überfüllten, oder, weil ein- 
reſp. zweiclaſſfig, ni<t weit genug führenden Elementarſchule 
aus dem Wege zu gehen. Sie laſſen ſic) das Latein gefallen, 
juchen aber das, was ſonſt die erſten Claſſen guter Stadtſchu- 
len geben. Da haben Sie zwei ganz disparate Momente, zwei 
Schülergruppen, welche nac< Alter, Lernzweck u. |ſ. f. ſpeciſfiſch 
unterſ<ieden ſind. Je nach der Perſönlichkeit des Reckors und 
dex Individualität der Localverhältniſſe haben nun die Schulen 
einen verſchiednen Verlauf genommen. 
Mane find geradezu im Sande verronnen; d. h. ſie haben 
es nie zu einer irgend erheblichen Schülerzahl gebracht, zulegt 
hatten fie 3, 4 Schüler und wurden eingezogen, Daran hat 
natürlich die Untreue der Lehrer eine große Schuld. I< weiß 
nicht, ob es ganz wahr iſt, was man ſich hier erzählt, daß 
der katholiſMe Provincial-Schulrath auf einer Reviſionsreiſe 
einen Rector während der Schulſtunden mit einem Knaben pro- 
menirend getroffen und, als er nac der Sc<ule fragte, die Ant» 
wort erhalten habe, hier ſei die Schule. Das kann über- 
trieben jein, aber wahr iſt es, daß in manchen Städten neben 
der Rectorijihule Privatinſtitute für Knaben entſtanden, daß bei 
einem Etat, der jährlih 15 Thlr. für Lehrmittel, 46 Thlr. 
für Extraordinaria auswarf, eine Schule na< Ablauf von 15 
Jahren kein Jnventarienſtü> hatte, als Schultiſc<e und Dinten- 
faſſer. In beſonderen Fällen iſt hier die Behörde ſtrafend ein - 
geſchritten. Das Gewöhnliche, wir müſſen hinzufügen, das 
Natürlichſte und Erwünſchteſte war, daß von jenen obengenann- 
ten beiden Elementen das reale ſiegte, die Rectorclaſſe mit der 
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Volksſhule in eine organiſche Verbindung trat und ſol<ergeſtalt 
das allgemeine Schulweſen des Ortes weſentlich gefördert wurde, 
eine Einrichtung, bei der auch diejenigen nicht benachtheiligt 
worden, welche einſt auf Gymnaſien gehen wollten. Es gab 
no< einen dritten Fall, wo der Rector die Aufgabe der Schule 
erweiterte und fie als eine höhere Lehranſtalt überhaupt, eine 
Vorſchule für das Gymnaſium quand möme anſah. Wir haben 
eine ſjol<He Schule geſehen; der Lehrer war ein Lankaſter im 
Kleinen, ein kenntnißreicher, unermüdeter Arbeiter, von früh um 
6 bis Abends 7 lehrend, Lehren, Lernen, Wiederholen, Gehen, 
Kommen der Schüler ging neben einander. (Es waren Knaben 
und Mädchen, Juden, Polen, Deutſche; die eintretenden Polen 
des Deutſchen niht mächtig, die eintretenden Deutſchen ſc<lehte 
Sextaner und die erſten Schüler handhabten ihre Logarithmen, 
lajen Homer und Livius. Die Aufnahme in die Obertertia 
und Unterſecunda, in ganz beſonderen Fällen in die Obex- 
fecunda der evangeliſchen, wie der katholiſchen Gymnafien, nicht 
bloß unſerer Provinz, war den Abgehenden fiher. Solch eine 
Scule mag ſelten ſein; ſie iſt auch hier eingegangen, denn der 
Rector hat eine andere beſſere Stelle erhalten, und ſeinem Nach- 
folger dürfte wohl die Behörde die Freiheit, welche ſie auf 
Grund jeiner ſeltenen Begabung und Tüchtigkeit jenem gewäbrte, 
nicht wieder laſſen, 
So viel ic< vernommen habe, ſtehen mit Ausnahme zweier 
Städte alle Rectorclaſſen , die etwa noc< beſtehen, auf dem 
Sterbeetat. In Rückſi<t auf Penſionirung u. ſ. f. wurden die 
Rectoren als Elementarlehrer angeſehen. 
Stuttgart, Auf Veranlaſſung der königl. württemb. 
Centralſtele für die Landwirthi<aft hat die Verlagshandlung 
von Schreiber und S<ill in Stuttgart und Eßlingen zwei 
colorirte Wandtafeln landwirthſc<aftlich nüßlicher und ſc<d= 
licher Thiere herausgegeben. Zeichnung und Farbe find ſehr 
gelungen. Die eine Tafel enthält kleinere Säugethiere, die 
andere Reptilien. Die Thiere find in ihrer natürlichen Größe 
abgebildet, auch iſt ein das Verhalten dieſer Thiere zur Land- 
wirthſ<aft furz bezeichnender Text beigedruckt. Dieſe Wand- 
tafeln eignen fich. vorzugsweiſe zum naturgeſchichtlichen Unter- 
richt, und wird die hierdurc<g vermittelte Anſhauung und Be- 
lehrung dazu beitragen, der unnatürlichen Verfolgung der nüßz- 
lichen Thiere entgegenzuarbeiten und ihren Schuß zu befördern. 
Sind dieſe Tafeln zunächſt für ShHulen beſtimmt und empfoh- 
len, um den Kindern den Nußen und Schaden der Thiere 
re<t deutlich einzuprägen, ſo dürfte gleihwohl auc< den Er- 
wachſenen ihre aufmerkjame Betrachtung zu empfehlen ſein. 
„Kann man do<“ --- bemerkt das badiſche landwirthſchaftliche 
Centralblatt = „no< häufig hören, wie die Kröten die Erbe 
ſen freſſen und die Fröſche den Salat, die Maulwürfe und 
Spißmäuſe die Graswurzeln abbeißen, und ſi< bei jeder Gele- 
genheit Überzeugen , wie unſere unſ<huldigen Schlangen als 
höchſt gefährlich verfolgt werden,“ 
Die Verlagshandlung hat ſich erboten, beide Blätter, auf 
Leinwand gezogen, mit Stäben zum Aufhängen verſehen und 
gefirnißt, um 3 fl. bei directer Beſtellung gegen Nachnahme 
des Betrags abzugeben. | 
 
Berantwortlicher Redacteur: Dr. K. Zimmerma un 
. -- DruF und Verlag von C. W. Leske. tn Darmſtadt.
	        

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