Full text: Allgemeine Schulzeitung - 38.1861 (38)

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eingefunden hatten, des Paſtors K. Horn zu Badreſch in 
Meklenburg-Streliß und des Paſtors I. U. Darjes zu 
Rothwiſ< bei Doberan, Zugleich erfuhr der Verfaſſer den 
Aufenthaltsort des ehemaligen Rathskellerwirths H. Saur 
in Friedland, mit welchem Müller in den Jahren 1814 und 
1815 ſehr lebhaft verkehrt hatte. Von dieſen drei Männern 
erhielt der Verf. aus eigener und anderer Freunde Erinnerung 
die ſorgfältigſten Mittheilungen über Müller, die umfangrei<h- 
ſten von K. Horn, der auc<h allein no< zu den Sculge- 
genoſſen Müller's in Neu-Streliß, und zwar erſt in den leß- 
ten Jahren, gehbrt hatte, wie dieß aus der S. 37 über Mül- 
ler's Schulgenoſſen gegebenen Notiz hervorgeht. Vgl. Vorr, 
S. XV--XVvil1l. 
Es war nothwendig, mit einigen Worten auf die Quellen 
einzugehen, nach welher der Verf. gearbeitet hat, um einen 
Begriff von den Schwierigkeiten zu geben, welche er zu über- 
winden hatte, um ein währheitsgetreues und doh abgerunde- 
tes Bild von Müller's Leben, namentlich von ſeinen Knaben- 
jahren zu entwerfen. Ehe wir aber nähere Einzelheiten aus 
„Müller's Jugendleben“ zur Charakterifirung der vorliegenden 
Schrift anführen, mögen einige Andeutungen über den Plan 
des ganzen Werkes vorausgehen. 
(Schluß folgt.) 
Zur Sculgeſchichte. 
* Altenburg. (Scluß.) Der Unterriht im Frans- 
zöſiſchen beginnt in Claſſe IV mit 3 Stunden und wird 
dann in den drei oberen Claſſen mit 4 Stunden wöchentlich 
fortgeſezt und zwa: im Anſchiuſſe an Plsöß, Lehrbuch der 
franzöfiſhen Sprache. Es wird hier zunächſt geſehen auf 
Richtigkeit der Ausfprache , genaue Kenntniß der Formen- 
lehre und den nöthigen Reichthum der Vocabeifenntniß, daran 
reiben ſim dann ſchriftliche Exercitien und geeignete Lectüre 
(in Claſſe I Guillauwe Tell von Florian oder Charles XII, 
von Voltaire oder ein kleines dramatiſ<es Stü> aus dem 
Thdatre de Florian), ſowie endlich Anfänge in Sprechübungen,. 
Das Latein beginnt in Claſſe 11 mit 6 Stunden wd- 
<entlich, die auc& in Claſſe 11 beibehalten, in Claſſe I aber 
auf 4 reducirt werden. Der Unterricht ſelbſt wird angeſchloſſen 
an Putſches lateiniſQe Grammatik und an Blume's lateiniſches 
Elementarleſebuch erſter und zweiter Theil. Es wird auf Si- 
Herheit in der Formenlehre und Syntax in Verbindung mit 
entſprechender Lectüre und Exercitien hingearbeitet, ſo daß in 
Claſſe 1 Gornelius Nepos und Julius Cäſars Bellum gallicum 
geleſen und verſtanden werden können. 
Die Arithmetik, die durh alle Claſſen hindurc<geht, 
hat es in Claſſe V1 und Y bei je 3 Stunden, ſowie in 
Claſſe 1V bei 4 Stunden wöentli< zu thun mit den Elemen- 
ten des Rehnens, wobei namentlich im Anſchluß an Hentſchel, 
Rechenfibel und Zifferrehnen die mannichfaltigften Uebungen 
angeſtellt werden, um die nöthige Sicherheit in den Rechnungen 
des gemeinen Lebens zu erreichen. Hierzu treten dann in 
Claſſe 111 bei 4 Stunden wöchentlich die Decimalbrüche, Regel 
de tri, das Rechnen mit Procenten, Gewinn- und Verluſtreh- 
nung, Zinsrehnung, Geſellſ<aftsrehnung, Kettenrehnung, in 
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Claſſe 11 bei 3 Stunden die Anfänge der Buchſtabenrec<hnung, 
in Claſſe 1 gleidfalls bei 3 Stunden die Rechnung mit Po- 
tenzen, Gleichungen des erſten Grades mit einer und mehreren 
unbekannten Zahlen; auch wird in die Logarithmentafeln und 
deren Benußung und Anwendung auf die NRechniingsarten des 
bürgerlichen Lebens eingeführt. 
Auf die Geometrie wird bei dem Zeichnenunterricht in 
Claſſe 111 durch Kenntniß und Conſtruiren von Figuren und 
Körpern vorbereitet; Claſſe 11 hat es dann in 2 Stunden mit 
der Lehre von den gradlinigten Figuren zu thun; Claſſe 1 in 
3 Stunden mit der Lehre vom Kreiſe, den trigonometriſchen 
Functionen und den wichtigſten Säßen aus der Stereometrie 
zur Berednung der Körper. Zu Grunde liegt hierbei Fiſchers 
Leitſaden zum Unterricht in der Clementargeometrie, 
Die Naturgeſchichte tritt in Claſſe V] nicht ſelbſtändig 
hervor, ſondern wird ganz mit der Heimathskunde verbunden. 
Dasſelbe iſt auch in Claſſe V der Fall, dom werden ſchon hier 
die einzelen in „Bilder für den Anſchauungsunterri<ht von 
Schreiber und S<hill“ (Stuttgart und Eßlingen) angeſchauten 
und beſprochenen Pflanzen und Thiere am Schluſſe zuſammen- 
geſtellt und geordnet, Selbſtändig tritt der Unterricht in der 
Naturgeſ<hichte erſt in Claſſe 1V mit 2 Stunden auf. (Es 
werden jeßt aus den drei Reichen der Pflanzen, Thiere und 
Mineralien die Repräſentanten eingehender beſprochen. In den 
drei anderen Claſſen wird dann jedes dieſer Reiche ſelbſtändig 
behandelt, und zwar in Claſſe 01 bei 3 Stunden die Zoologie. 
Es werden hier der innere Bau der Thiere, das Knochengerüſt 
und die wichtigſten Organe, jowie die einzelen Thierfamilien 
beſchrieben, und der Unterricht jelbſt, der beſonders erzählend 
iſt, wird durch Abbildungen und ausgeſtopſte Thiere unterſtüt 
und belebt. Jn Claſſe 1! wird bei ebenfals 3 Stunden die 
Botanik behandelt. Kenntniß der Pflanzenfamilien nach Linne, 
der einheimiſ<men und der für die Technik wichtigſten fremden 
Gewächſe, des innern Baues und des Lebens der Pflanzen wird 
hier erzielt, und es werden dabei zugleicßg mikroſkopiſ<e Beob- 
achtungen angeſtellt. In Claſſe 1 wird bei 2 Stunden im erſten 
Jahre die Mineralogie behandelt, es werden die verſchiedenen 
Kryſtallformen betrachtet, die wichtigſten Mineralien beſchrieben, 
und es wird zügleih das Wichtigſte aus der Geognoſie mit- 
getheilt. Im zweiten Jahre tritt hierzu die Anthropologie. Das 
Lehrbuch, das dem Unterricht in der Naturgeſchihte zu Grunde 
liegt, iſt „Leunes analytiſcher Leitfaden für den erſten wiſſen- 
ſchaftlichen Unterricht in der Naturgeſchichte.“ 
Die Phyſik tritt erſt in den beiden oberſten Claſſen 
beſonders hervor und hat in Claſſe 11 bei 3 Stunden zu 
ihrem Gegenſtande die Eigenſchaften und Kräfte der verſchie- 
denen Körper, geht dann in Claſſe 1 bei 2 Stunden über 
auf die Wellenlehre, Akuſtik und Optik, die Lehre von der 
Wärme, Magnetismus und Elektricität und ſucht dabei jowohl 
dur< Experimente die Faßlichkeit zu erleichtern und zu ſichern, 
als auch die Geſchi>lihkeit im Beobachten dur<h ſchriftliches 
und mündliches Referiren über das Beobachtete zu üben, Er- 
theilt wird der Unterriht nam dem „Grundriß der Phyſik und 
Mechanik von Blum. | 
Die Geographie fällt wie die Naturkunde in den unter- 
ſten Claſſen ganz mit der Heimathskunde zuſammen. Erſt in 
Claſſe 1V wird in den dazu beſtimmten zwei geographiſchen 
Stunden der Globus gebraucht und nach dem „Leitfaden zu 
einem methodiſchen Unterrichte in der Geographie für Bürger- 
ſchulen von Lüben“ Deutſchland behandelt. In Claſſe 111 geht
	        

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