Full text: Allgemeine Schulzeitung - 38.1861 (38)

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dann gleichfalls nac< Lüben bei 3 Stunden der Unterricht 
auf die topiſche, in Claſſe !1 bei 2 Stunden auf die politi- 
ſhe und ſtatiſtiſche Geographie über und ſchließt endlich. in 
Claſſe 1 bei 3 Stunden mit der aſtronomiſchen und phyſikali- 
ſhen ab. Zu Grunde liegt hierbei H. Viehoff, die aſtronomi- 
ſche und phyſiſche Geographie, 
Der Unterricht in der Geſc<hi<hte nimmt erſt in Claſſe 1V 
mit einer Stunde ſeinen Anfang und behandelt hier vor Allem 
die Sagengeſchichte , die Erzählungen von Deutalion und 
Pyrrha, Kadmus, Perſeus, Joe, Dädalus und Jkarus, Argo- 
nautenzug, Tantalus, Pelops, Herkules, Thejeus, Dedipus, 
den Zug der Sieben gegen Theben und den trojaniſchen Sagen- 
kreis. Ju Claſſe 11: werden dann nach dem. „Leitfaden zur 
allgemeinen Geſchihte 1. Stufe von Lange“ die bedeutendſten 
welthiſtoriſchen Perſönlichkeiten und die von denjelben herbei- 
geführten Ereigniſſe in diographiſ<her Form vorgeführt in 
wöchentlich 2 Stunden... Sind ſo durch die Mittheilung der 
Biographieen Lichtpunkte für die Hauptepohen der Geſchichte 
gewonnen, ſo folgt nun in Claſſe 11 bei 2 Stunden die eth- 
nographiſche Behandlung, und zwar tritt hier im 1. Jahr die 
griehiſche und römiſche, im 2. Jahre die deutſche Geſchichte 
ein, gleichfalls na< dem erwähnten Leitfaden von Lange 
3. Stufe. In Claſſe 1 endlich tritt in 3 Stunden nac<g dem- 
ſelben Leitfaden 3. Stufe vei dem vorauszuſeßenden eniwickel- 
teren Standpunkte der Schüler die Univerſalgeſchichte ein, und 
zwar im 1. Jahre die alte und mittlere, im 2, die neuere 
und neueſte Geſchichte, namentlich unter Hervorhebung der. vater- 
ländiſchen Geſchichte und des Kulturgeſchictlichen. 
Das freie Handzeichnen hat in Claſſe V1 keine bes 
ſondere Stunde, denn hier kommt es nur in Anwendung zur 
Uebung beim Anſ<auungsunterriht. In Claſje Y beginnt 
dann bei 2 Stunden wöchentlich der eigentliche Zeichenunter- 
richt und wird in Claſſe 1V ebenfalls mit 2 Stunden, in 
den übrigen Claſſen mit je 1 Stunde fortgeſest. Es gilt 
bei dieſem Unterricht, die Schüler dahin zu bringen, daß ſie eine 
angemeſſene Uebung im freien Handzeihnen nach Körper und 
der Natur erlangen und durch geometriſches Zeichnen mit 
den Anfängen und Elementen des Projections- und. perſpecti- 
viſchen Zeichnens bekannt gemacht werden. Uebungen im Copi- 
ren werden angeſtellt nac) Preusker's Landſchaften 1., 2,, 3., 
4. Heft, fowie nach Hermes und Günther 3; Uebungen im Fis- 
gurenzeihnen na< Koopmann (Profeſſor an der polytehnijchen 
Scule in Karlsruhe) 1., 2., 3. und 4. Heft. | | 
Für den Schreibunterricht iſt in Claſſe VI keine bejon 
dere Stunde beſtimmt, vielmehr fällt er hier zujammen mit 
dem erſten Elementarunterriht. In Claſſe V beginnt derſfelhe 
mit wöhentlih 2 Stunden, .und zwar ſo, daß in doppelt 
liniirten Heften das kleine und große Alphabet der deutſchen 
Currentſchrift geſchrieben, das Saßſchreiben nac) dem Takt 
geübt wird und endlich freie Uebungen der Finger, Hand und 
Arm angeſtellt werden. In Cloſje 1V tritt bei wöchentlich 
2 Stunden das Screiben in einfach liniirten Heſten ein, es 
kommt das Alphabet der engliſchen Curſivſchrift hinzu, es wer- 
den Freiübungen und Uebungen in der deutſchen Currentſchriſt ' 
mit Uebungen im Schnellſchönſchreiben angeſtellt. In Clajje 11 
finden bei wöchentlich 1 Stunde Freiübungen in weiterer Aus- 
dehnung ſtatt, deßgleihen Saßſchreiben in deutſ<her und eng- 
liſcher Schrift na< dem Takt und. endlih Uebungen im Shrei- 
ben ohne Linien. In Claſſe UU endet der Screibunterricht 
in 1 Stunde wöchentlih mit Schreiben der römiſchen S<riſt 
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im freien Shwung nach dem Takt, ſowie im Schreiben der 
Canzleiſchrift, So tritt alſo dieſer Unterricht in den oberſten 
Claſſen immer mehr zurü&, und die Aufgabe desſelben iſt, 
Schnelligkeit, Sicherheit, Charakter und Schönheit der Schrift 
zu erzielen. 
. Der Unterriht im Singen, der dur<g alle Claſſen hin- 
durc<geht, beginnt Claſſe Vl in 1 Stunde wöchentlich mit den 
einfachſten Singübungen, woran fich die Einübung von drei 
der leichteſten Choräle und ſechs leihten Liedern anſchließt. 
Claſſe V jezt in ebenfalls 1 Stunde dieſe Uebungen fort und 
fügt noch ſechs leichte Choräle nebſt zehn leichten Liedern hinzu. 
Claſſe 1V erweitern ſich in wöchentlih 2 Stunden die Uebun- 
gen, acht etwas ſchwerere Choräle und zehn dergleichen Boltks- 
lieder treten hinzu bei Wiederholung der vorigen. Während 
in den genannten Claſſen nac) dem Gehör geſungen wird, 
findet Claſſe ill in wöchentlih 2 Stunden die Einführung in 
das Notenweſen ſtatt nach der Geſangſchule von Schulz, acht 
mittelmäßig ſchwere Choräle und zwdlf dergleichen Volkslieder 
erweitern den Kreis des Gelernten. Als Grundlage hierzu 
die Volkslieder für Schulen von Albracht, Claſſe 11 beginnt 
bei 2 Stunden wöchentlich mit leichten zwei- und dreiſtimmis- 
gen Singübungen und fägt an das Vorige a<t ſchwere Cho- 
räle und zwölf zweiſtimmige Volkslieder. Claſſe 1 endlich jekt 
in wöchentli<ß 1 Stunde die zwei- und dreiſtimmigen Uebun- 
gen erweitert fort und nimmt dazu zehn der ſchwerſten, aber 
gangbarſten Choräle und zwölf Volkslieder zwei- und dreiſtim- 
mig. Berüdfichtigt wird dabei auf allen Stufen die Körper- 
haltung, Mundſtellung, Athmung, Intonation, Ausſprache, Bei 
der Einführung in das Notenweſen wird beachtet in Claſſe 111: 
Die Kenntniß der Noten, ſtufenweiſe und ſprungweije Fort- 
ſchreitung, der Taft und ſeine Arten; in Claſſe 1i und 1 die 
verſchiedenen Tonleitern , Dur und Moll, der Dreiflang auf 
jedem beliebigen Grundtone, Zerlegung und Umtfehrung des 
Dreiklangs, die Cadenzen, =- So geht alſo der Geſang vom 
Singen nach dem Gehör aus, ſchreitet dann fort zum Singen 
nach Noten bis zum zwei- und dreiſtimmigen Geſang und be- 
zieht ſic) vorzugsweiſe auf Choräle und Volkslieder, nament- 
lich hiſtoriſche, 
Aus dieſem Lehrplane, der deßhalb in ſolcher Ausführlich - 
li<feit wiedergegeben worden iſt, weil Daraus das Ziel und 
die Aufgabe der „Erſten Bürgerſchule“ am klarſten hervorgeht, 
ergibt ſich, daß dieſelbe in den unterſten Claſſen einen voll- 
ſtändigen und gründlichen Elementarunterri<t, wie ihn eine 
wiſſenſchaftlihe Bildung vorausſekt, ertheilt, in den Mittel- 
laſſen dagegen die Schüler nach einander in die einzelen Fächer 
einführt, alfo daß ebenſowohl der Uebergang in den Öoqmna- 
fialcurſus, als auch der Fortgang zu weiterer und tieferer rea- 
ler Bildung in tüchtiger Weiſe angebahnt wird. In den obe- 
ren Claſſen wird ſodann die Realbildung vor Allem ins Auge 
gefaßt und gepflegt, ſo daß die Schüler bei ihrer Entlaſſung 
das genügende Maaß von Kenntniſſen und Fertigkeiten haben, 
das bei der Aufnahme in die oberſten Claſſen einer höheren 
Real- oder Handelsſchule verlangt wird. Damit nicht durch 
allzuviele Lehrgegenſtände die Aufmerkſamkeit der Schüler 
zerſtreut, die Kraft zerſplittert und das Intereſſe gelähmt würde, 
jo mußte man fich klar werden über eine zu ziehende Gränze, 
und deßhalb iſt Engliſ< und Griec<hiſm nicht mit unter die 
Unterrichtsgegenſtände der Anſtalt aufgenommen worden, da- 
gegen iſt für einen tüchtigen Privatunterrimt in den genann- 
ten Fächern Sorge getragen. Ebenſo werden, damit der Shüler
	        

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