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nicht durch die Menge des Lernſioffs überbürdet und ſeine Kraft
nicht überſpannt werde, in keiner Claſſe die 13 Unterrichtsfäher
gleichzeitig an ihn herantreten. ſondern nac< einander ge-
trieben werden mit möglichſter Beſchränkung der Zahl nao. (Es
wird Überhaupt unſere „Erſte Bürgerſchule“ nicht darin ihre
alleinige Aufgabe finden, ihren Schülern bloß die angeführten
Unterrichtsgegenſtände mitzutheilen, mit einem Wort, ſie wird
nicht bloß unterrichten, ſondern zugleich erziehen. Das bereits
erwähnte Programm des Generalſuperintendenten Dr. Braune
ſprit es deutlih und beſtimmt aus, daß, wie überhaupt jeder
Unterricht, 50 auch der an unſerer Anſtalt immer zugleich erziehend
wirken ſoll, daß, wie das Gedächtniß geübt und der Verſtand ge-
ſchärft, ſo' auch das Gemüth veredelt und der Wille gekräſtigt wer-
den müſſe. Von den einzelen Disciplinen ſollen vor Allem die
Momente hervorgehoben und benuzt werden, welche geeignet find,
den Geiſt zu we>en und zu bilden, damit die Schüler dahin ge-
bracht werden, daß ſie ſelbſtithätig und ſelbſtändig den Stoff ſich
aneignen und ſo Freude an der Selbſtthätigkeit gewinnen. Dem-
gemäß müſſen die Kenntniſſe ſo mitgetheilt werden, daß eine freie
und fichere Verwendung derſelben bezwe>t und möglichſt erreicht
werde. Die gedächtnißmäßige Aneignung des Lernſtoffs und das
Wiſſen wird nur inſofern Werth haben, als ſie zugleich zu einer
ſtufenweiſe fortſchreitenden Uebung der geiſtigen Kraft benußt
werden. (ES ſoll nicht auf eine ins Weite ſtrebende Vermehrung
einzeler Kenntniſſe ankommen, die wie ein todtes Kapital unbe-
nußt in den Köpfen der Schüler liegen, ſondern auf einen feſten
Beſiß, der jeden Augenbli> zu freier ſelbſtthätiger Verwendung
bereit iſt; es ſoll nicht blos ein ühtiges Wiſſen, es ſoll vor Allem
ein tüchtiges Können erzielt werden. Damit die Selbſtthätigkeit
gewe>t werde, ſoll alles geiſttödende mechaniſche Screibwejen,
das nicht unbedingt nöthig iſt, im Unterricht wegfallen, die Shü-
ler ſollen ihre ungetheilte Aufmerkſamkeit dem lebendigen Worte
des Lehrers ſchenken und ſeinem Vortrage mit Spannung folgen.
Damit jedoch die Gründlichkeit und der Zuſammenhang im Un-
terrimt dadurch keinen Schaden erleide, ſo ſollen wo möglich für
alle Disciplinen Leitfäden in den Händen der Schüler ſein. Zu-
zlei Kupfern, Vorlegeblättern, Körpern, Inſtrumenten 2c. beſtehend,
dafür ſorgen, daß neben jener Kräftigung des Geijtes und der
Gründlichkeit bei der Mittheilung des Stoffes, möglichſte Klar-
heit und Anſchaulichkeit, ſowie leichte Faßlichfeit beim Unter-
richt obwalte.
Auch der Pflege des Körpers, ſoweit ſie die geiſtige und geiſt-
liche Pflege unterſtüßt, wird ſich die Anſtalt nicht ganz entziehen
und dem Verlangen, das ſich in allerneuſter Zeit aller Orten
geregt hat, an den Schulen wieder den Turnunterricht einzufüh-
ren, ſoweit darin Wahrheit enthalten iſt und gerechte Bedenken
dem nicht entgegenſtehen, genügende Rechnung tragen. Es joll
der Turnunterricht dafür ſorgen, daß der Körper an Energie, Ge-
wandtheit und Ausdauer, die Geſundheit an Feſtigkeit gewinne.
Für dieſen Zweck ſollen auch Turnfahrten, ſowie geeignete Cx-
curfionen und gemeinſchaftlihe Spaziergänge angeſtellt werden.
Ueberhaupt ſollen die Lehrer nicht bloß in der Schule und in den
Lectionen mit ihren Schülern zuſammenkommen, ſondern dentjel-
ben auch außer den Shulſtunden näher treten, mit ihnen verfeh-
ren, ſie beobachten und an ſich heranziehen. Auf dieſe Weiſe allein
kann neben der geiſtigen Pflege zugleich eine geiſtlihe geübt
werden, denn das verhehlt ſich unſere Anſtalt keinen Augenblis, -
daß auch das größte Maaß von Wiſſen und alle Geiſteshildung
ohne ſittlihe Geſinnung unnüß iſt, und es deßhalb vor Allem
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darauf ankomme, daß wie im Unterricht, ſo au< in der Disciplin
der Geiſt ſittlicher Reinheit und Zucht geweckt, belebt, geſtärkt
und gekräftigt werde,
Auf ſolcher Grundlage iſt unſere „Erſte Bürgerj gründet worden, nach jolhen Grundſäßen wird ſie geleitet,
No< hat fie erſt eine kurze Stre>e zurückgelegt, no nicht bis zu einem Jahresabſchluß gelangt, und es iſt deßhalb
jept kein RüFbli> geſtattet auf das, was ſie erreicht, auf die
Erfahrungen, die fie gemacht, auf die Sc denen ſie zu kämpfen gehabt, auf die Früchte, die ſie geärndtet,
Aber bleibt ſie der ſchönen Aufgabe, die ſie ſich geſtellt, und
dem hohen Ziele, das ihr vorgeſte>t iſt, getreu =- und es bürgt
uns dafür das einſichtige und tüchtige Lehrercollegium, das an
der Anſtalt wirkt, ſowie die Fürſorge gewiſſenhafter und kundiger
Behörden, die ihr vorgeſeßt ſind, -- ſo wird ſie frei ſein von dem
Vorwurf, den man namentlich in den lezten Jahrzehnten den
Schulen häufig gemacht hat, daß ſie durch eine zu große Maſſe
des Lernſtoffs die Kraft der Jugend mehr anſtrengten und über-
ſpannten, als bildeten, und ſo eine ſeichte Vielwiſſerei und ein un-
berufenes Aburtheilen erreichten, das, ſtatt in die Tiefe zu gehen,
ſim mit der Oberflächlichkeit begnüge und eine Fluc habe vor Allem, was ernſtere Geiſtesarbeit fordere. Man wird ſie
nicht anklagen dürfen, daß ſie ihre Zöglinge mit todtem Wiſſen
anfüßle, das nur aufblähe, aber nicht beſſere ; vielmehr wird
unfere Anſtalt in weiſer Beſchränkung und feſter Gewöhnung .an
Stelle eines zerſtreuenden und verwirrenden Vielerlei im Unter-
richt, an Stelle einer geiſttödtenden Maſſe materieller Kenntniſſe,
eine Bildung ertheilen, bei der ſowohl der Geiſt dur< Wiſſen be-
rei Sein und Thun veredelt wird, mit einem Wort, ſie wird
hinwirken auf ein gründliches Wiſſen und Können, das in
rehter Weiſe auf das Leben vorbereitet, ohne ihm vorzu-
greifen, das aber auch zugleich: die Seele über alles Unreine und
Niedrige erhebt, die Geſinnung läutert, das Herz bejHheiden und
demüthig mabt, Der Herr aber laſſe unſere Anſtalt blühen und
gedeihen, er ſei und bleibe der Grund und Edſtein auch dieſer
Saule, er verleihe es ihr, daß ſie ſein möge eine Werkſtätte feines
Geiſtes, eine Zierde für unſere Stadt, ein reicher Segen für
unſer Land. | |
* Lauſanne, den 31. December 1860. Aus diejer ma-
jeſtätiſ<; hom und doh anmuthig und lieblich gelegenen Retſi-
denz des Waadtlandes, das =- wie der trefflihe Vinet richtig
bemerkt = „ſeit ſehr langer Zeit faſt ganz Europa mit Cre-
ziehern und Erzieherinnen verſorgt", wünſchen Sie, geehrt x
Herr Redacteur, pädagogiſhe Berichte. Es iſt das aber keines-
weges ſo leicht, aus dem einfa giſchem Gebiete hier zu Lande wenig oder nichts Neues ge-
ſHieht. Seit der politiſchen Umwälzung und der durch fie
bewirkten Umgeſtaltung oder beſſer =- Reviſion des Volkss-
ſc lage aller Civiliſation gethan: die vielfache, durch ſtufenweis
erlangte Religionsfreiheit herbeigeführte, kirhlime Zerſplitterung
des Volkes -- ſo Fegengreich ſie auch in religidſer Beziehung
geweſen ſein mag und no< iſt =- hat do<, meiner bisherigen
Erfahrung nach, keinen beſonders guten Cinfluß auf die Ent-
wi&elung der Volksſchulen geübt. Das ſeit jener- Zeit immer
friſchere Aufblühen von Sonntagsſc etwas recht Erfreuliches. Ein Seminar (hier: Ecole normale
genannt), das fich einer ausgezeichneten Leitung erfreut, bildet

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