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* Coburg. In der „Einladungsſ feier des herzoglihen Gymnaſiums zu Coburg“, 83. Juli 1861,
gibt der Oberſchulrath Director Forberg einige Shulnachrichten
und Prof. Dr. Kern eine Abhandlung : „Die philoſophiſche Pro-
pädeutik in Verbindung mit dem mathematiſ ſH ſoll auf das wiſſenſc Die Methode des wiſſenſc ſche, und in dieſem Sinne ſtrebt jede Wiſſenſ zu werden » , » Wer daher die rechte Vorbereitung zum wiſ-
ſenſ nicht nur befähigt fein, philoſophiſchen Entwi>elungen zu fol-
gen, ſondern aum das Bedürfniß nach philoſophiſ lungsweiſe des Wiſſenſtoffes , nach der Löſung philoſophiſcher
Probleme in fich empfinden. Auc<ß in dieſer Beziehung hat das
Gymnaſium der Univerſität vorzuarbeiten.“ Der Verf,, berüc-
fihtigend die UnterdrüFung der philoſophiſmen Propädeutik als
ſolche in den Schulen der meiſten Staaten, ſtellt ſich die Frage :
„Wie kann die Aufgabe der philoſopbhiſ den Unterricht in andern Fächern gelöſt werden ?“ (Es ſoll dieß
dur; Anſchluß an den mathematiſchen und phyſikaliſchen Un-
terrimht geſ darunter leiden. In welcher Weiſe ſim nun Logik, empiriſche
Pſychologie und Einleitung in die Philoſophie , als die drei
Theile der philofophiſchen Propädeutik, naH des Verf, Mei-
nung an die genannten Doctrinen anſ weil uns dex Raum mangelt, im Programm ſelbſt nacgele-
ſen werden. Die Frage verdient allgemeine Beachtung.
Ed. D,.
* Aus Sc Konradsdorf bei Haynau wurde das Herz ſ ſem Frühjahr getrübt. Ihm ſtarb eine liebe Tochter im Alter
von 13 Jahren 6 M. 2 T. und wurde an die Seite eines
ihm kaum entriſſenen theuren Sohnes zur Ruhe beſtattet, Wie
manchen Freuden- und Trauergeſang hat dieſer rei der deutſ töne ins betrübte Herz, wie es in ähnli geiſtrei Seminarlehrer in Weißenfels, ergeht, denn ſein liedſter Sohn
wurde ihm im 18, Lebensjahr dur< ein heftiges Nervenfieber
von der Seite genommen, gerade als er mitten im beſten Stu-
dium war, Der Dritte im Bunde iſt Ludwig Erk, der ge-
feierte Muſikdirector und Seminarlehrer um Berlin; -- ihm
wurde ein treues Weib, eine edle Tochter vom Herrn abgeru-
fen, unt nun fingen Dieſe drei, die im Leben ſo viel zufam-
menttrebten und ſangen :
„Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen,
der Name des Herrn ſei gelobt!“ (Hiob 1, 21.)
* Lauſanne, 1. Aug. Eine erfreulihe Thatſache auf dem -
Gebiete der Schule wird uns ſo eben aus Riez (ein Dorf
von 400 Seelen, nahe bei Cülly) berichtet. . Die Behörden
dieſes Dorfes haben, aus völlig eigenem, ehrenvollem Antriebe,
beſ zu erhöhen. Es iſt zu wünſchen, daß ſolhe Anerkennung des
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Lehrſtandes und ſeiner hohen Aufgabe recht häufige Nachah-
ahmung finden möge, == Am 13. Juli fand hier eine Schul-
lehrerverſammlung ſtatt, zu welcher ſich, außer 50 Sc rern, einige Paſtoren und einige andere Stadt- und Land-
bewohner eingefunden hatten. „Was wir wünſchen“, jagte
der Präſident, Hr. Renaud-Happersberger, „iſt ein
gutes Geſet, ein praktiſc tution fußend, unſere Anſtrengungen leitet, unterſtüßt und bes
lebt, um dem öffentlihen Unterrichtsweſen die würdige Stel-
lung zu verſchaffen, welche es einnehmen jollte und um es die
Früchte tragen zu laſſen, die man bisher vergeblich davon er-
wartet hat. Der Volksunterric gewonnene Sache, aber wenn wir durch ſeine Ergebniſſe ge-
zeigt haben werden, daß er die Baſis und zwar die einzige
Baſis des Fortſchrittes auf allen Lebensgebieten, auf dem
landwirthſchaftlihen, wie auf dem induſtriellen, auf dem bür-
gerlihen, wie auf dem die Axt an der Wurzel aller ſocialen Uebel erwieſen haben
werden, dann wird der Lehrſtand nicht mehr genöthigt jein,
fich zu erniedrigen, wie er es in den leßtverfloſſenen Jahren
thun mußte, fei es durc< Darlegung ſeines Jammers und durch
Appellirung an die Gerechtigkeit und Menſ< dur< Eröffnung ſeiner Reihen für jedes beliebige Indivi-
duum; dann auch wird er fordern können, daß man diejeni-
gen aus ſeiner Mitte ausſ darin zu befinden.“ Nachdem ſo das Programm und der
Zwe& der Verſammlung dargelegt waren, wurde zur erſten
Frage der TagesLordnung übergegangen, zu der über die Cin-
rihtung einer Shul- Synode (syoode 8colaire), Mehrere
Redner ſuchten darzulegen, daß eine ſolhe Einrichtung (vgl.
Brief v. 7, Juni, S. 397) zunächſt von großem praktiſchem
Nußen für die Elementarlehrer ſein würde, deren Methode und
praktiſche Wirkſamkeit es entwi>eln und vervollkommnen würde.
Ferner würde der Staat darin eine Quelle haben, in der er
die praktiſchen Nachweiſe, deren er bedarf, ſchöpfen könne und
zugleih ein ſehr einfaches und ſicheres Mittel, die Sittlichkeit
der Lehrer zu Überwachen urd viel ſtrenger in dieſer Bezie-
hung zu fein, ohne Maßregelung und ohne ein Späherſyſtem.
Endlih würden die Lehrer ihr Feld, ihre Arena baben, um
ihre Intereſſen und die ihrer Schulen zu beſprehen und wür-
den niht mehr verſucht werden, zu dieſem Zwecke andere Tri-
bünen zu beſteigen Der Einwand, daß man dadur< einen
Staat im Staate ſchaffen würde, ſei geradezu lächerlich.
Faſt einſtimmig (mit Ausnahme von 3 Stimmen) wurde
die Jdee einer Shulſynode angenommen und es wurde -be-
ſ Dann kam die Claſſification der Lehrerdiplome (Nr. 1, 2, 3)
zur Sprache, die jedoH mit ſchwacher Majorität zurü&gewie-
ſen wurde. Andere Fragen waren die Sc Diseiplinargewalt der Lehrer, endlih natürlich der Gehalt und
die Penſionen : doHF kam nichts Neues hierbei zur Sprache,
Zuleßt ernannte man eine Comite von ſieben Mitgliedern,
welches das Organ der Verjammtung während der Reviſion
des Geſeßes ſein ſoll. Dann trennte ſich die Verſammlung,
nachdem fie fünf Stunden in ruhiger und würdiger Weiſe
getagt hatte. | R. &K.

Verantwortlicher Redacteur:
ez. RK. Zimmermann,
-- DruFs und Verlag von C. W. Leske in Darmſtadt.

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