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Jahrhunderte und Nationen und des Geiſtes weſentliche Herr-
ſchaft über die Natur und ſeine Verſöhnung mit Gott feiert
und in den Staatengebilden die Geſtaltungen nationaler Per-
ſönlichkeit und deren reiches Leben in Standes: und Familien»
verhältniſſen herab bis zum Wohnen des Volkes begleitet. Im
Rechnen wiederholen ſi die Proceſſe des allgemeinen Lebens
und niht minder in der Grammatik der Sprachen, in deren
mannichfac< verſchlungenem Ne die ganze Welt ſich erneuert
und vervielfa gegenſtand zu ſeiner naturgemäßen Würde erhoben und von da
aus in ſeinem reichem Detail dur Enthält der Religionsunterriht die Fülle aller Jdeen, jo
möchte nicht mit Unrec religiös würde, der von Ideen getragen wäre. Von der Reife
der Schüler wird es hierbei abhängen, in wie weit der Lehrer
auf die Ideen ſelbſt aufmerkſam zu machen hat oder in wie
weit er, die Jdeen in ſich nährend, ſeinen Unterriht mit ihnen
beſeelt, Das aber. iſt das erſte Erforderniß, daß der Lehrer
felbſt zur Anſchauung der Jdeen in den einzelen Dingen ſich
emporzuſ zelen Dinges feſtzuhalten gelernt habe. Dann wird von ihm
aus die Wirkſamkeit e des Schülers, im Geiſte, der vorſtellend und erkennend iſt nach
der einen Seite, nam der anderen Seite ſeine Erkenntniß durch
den davon nothwendig bewegten Willen in Handlungen ver-
wirklicht, verwirklichen muß, da je durch univerſale Vorſtellung
und Erkenntniß der Wille in ſeinem innerſten Weſen durch-
drungen iſtz von ſolchem Unterriht mag geſagt werden, daß
er zur humanen Selbſtändigkeit erziehe , die im Sinne des
Ganzen aus eigener Kraft ſi< bethätigt. Das aber iſt no allerdings im Zuſammenhang mit den Strömungen der Zeit,
der größte Mangel in Bildung der Lehrer auf Seminarien und
Univerſitäten, daß wohl in das Detail der Lernenden Geiſt
eingeführt, aber nicht zurügeführt wird zur Gewalt der uni-
verſalen Formen, der Jdeen, um damit alles Material zu be-
herrſchen, daß wohl Vielerlei und mit Recht gelernt wird, aber
zugleich Gefahr iſt, daß der Fluß des geiſtigen Lebens ſich in
Sandkörnern verliere. Darauf aufmerkſam zu machen ſc< von der Noth der Tage geboten. Künftig aber muß von den
Lehrern gelten, was Plato ſagt von den Regenten, daß allein
gut regiere, wer der Jdeen theilhaftig ſei.
- Dr. Rabus,
Die ſtädtiſchen Fortbildungsanſtalten für junge Leute
aus dem Handels- und Gewerksſtande in Berlin.
In Berlin beſtehen bereits ſeit einer Reihe von Jahren
drei ſtädtiſche Fortbildungsanſtalten, von denen ſich die eine
im Local der Königsſtädtiſchen Realſchule, die zweite in dem
des Friedrihs-Gymnaſiums, die dritte in der Luiſenſtädtiſc Realſchule befindet, Unterrichtsgegenſtände find : Schreiben und
Zeichnen, Rehnen und Geometrie, Deutſ<, Stylübungen, Buch-
führung und Correſpondenz, Literatur, Franzöſiſch und Eng-
liſ<, Geographie und Geſc logie, Gewerbkunde 2, Was den Zwe> und die Einrichtung
der ſtädtiſchen Fortbildungsanſtalten im Allgemeinen betrifft,
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ſo haben dieſelben die Beſtimmung, den bereits aus ver Shule
in das Gewerks- und Geſchäftsleben eingetretenen jungen Leu s-
- ten Gelegenheit zu geben, theils die Lüen auszufüllen, welche
ein früher vernachläſſigter Shulunterriht in ihrer Bildung
gelaſſen hat, theils die in der Shule gewonnenen Kenntniſſe
und Fertigkeiten zu befeſtigen und zu erweitern, theils endlich
einen höheren Grad wiſſenſchaftliher Bildung zu erwerben,
wenn der Lebensberuf oder ein inneres Bedürfniß das Verlan-
gen darnach erweckt. Die Fortbildungsanſtalten berüſichtigen
daher nicht nur die früheren Schüler der Elementarſchule (im
Allgemeinen den Handwerkerſtand), ſondern auc< die früheren
Zöglinge der höheren Bürgerſchule (den Kaufmanns- und Ges
werbeſtand). Die Vorträge, welche in dieſen Anſtaiten halb-
jährig gehalten werden, find in fünf bis ſec ſammengeſtellt und greifen dergeſtalt in einander ein, daß in
jeder Wiſſenſc im nächſten Halbjahre der höhere Curſus durc kann. Indeſſen ſteht es jedem Theilnehmer frei, unter Beirath
des Directors, aus ſämmtlichen Lehrcurſen- die feinen beſon-
deren Bedürfniſſen und Wünſchen entſprechenden Vorträge zu
hören. Nur in Betreff derjenigen Theilnehmer , welche noch
ſehr geringe Schulfenniniſſe befißen , iſt feſigeſeßt, daß fie in
den beiden erſten Hauptlehreurſen den Unterricht in allen zu
denſelben gehörigen Gegenſtänden annehmen müſſen, und daß
ihnen nicht geſtattet werden kann , Vorträge aus den andern
Curſen zu hören, ſolange fie ni tarkenntniſſe erworben haben. Ferner iſt jeder Theilnehmer
während der erſten vier Semeſter feines Beſuchs der Anſtalt
zur Annahme von vier Lectionen ſonntäglich verpflichtet. Nach
Ablauf dieſer vier Semeſter kann ihm von dem Vorſtande ge-
ſtattet werden, auc< nur drei oder zwei Lectionen zu beſuchen,
ohne daß jedoM bei dem Beſuch von weniger als vier Lectionen
eine Verkürzung des zu zahlenden Beitrags eintritt. Eine Aus-
nahme von dieſer Regel wird nur bei älteren Perjonen, welche
an einer oder der anderen Vorleſung Theil nehmen wollen,
geſtattet. Der Unterricht wird jeden Sonntag, Vormittags von
8 bis Mittags 4 Uhr, ertheilt. Da die beſtehenden Verhält-
niſſe es zur Zeit nicht geſtatten, den für junge Leute aus dem
Kaufmanns- ünd Handwerkerſtande wünſc dungsunterriht auf eine andere Zeit als in die Vormittags»
ſtunden des Sonntags zu verlegen, ſo iſt, um den hieraus
wegen einer Hriſtlihen Sonntagsfeier ſi< ergebenden Bedenken
zu begegnen, die Einrichtung getroffen, daß in ſämmtlichen Fort-
bildungsanſtalten vor dem Beginn des Unterrihis oder um
10 Uhr eine gottesdienſtliche Andacht ſämmtlicher Zöglinge ſtatt»
findet, eine Einrichtung, welche bis jekt bereits einen nicht zu
verkennenden ſegenSreichen Erfolg gehabt hat, Außerdem iſt aber
auch aſlen Zöglingen die Möglichkeit geboten, in den Nachmit-
tags- und Abendgottesdienſten, wel ſonntäglich abgehalten werden, ihre Erbauung zu finden, und
man glaubt, erwarten zu dürfen, daß die Zöglinge der Fort-
bildungsanſtalten auch die kirchlichen Mittel zur Erwe>ung und
Stärkung ihres religiös-ſittlichen Lebens um ſo mehr und um
ſo gewiſſenhafter benußen werden, je mehr ihr Geiſt und ihr
Gemüth dur< den wiſſenſchaftlihen Unterricht, den fie in die-
ſen Anſtalten empfangen, auf das Höhere, Wahre und Unver-
gänglihe gerichtet und dadur< auch für die ewigen Wahrheiten
des Chriſtenthums empfänglih gemacht wird. Was die Auf-
nahme der Handwerkslehrlinge in die Fortbildungsanjtalten be-
trifft, ſo iſt zu bemerken, daß nach der von dem Magiſtrat der

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