Allgemeine
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rechnet. .
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Achtunddreißigſter Jahrgang.

Auf welche Weiſe muß die bibliſche Geſchic delt werden, um den Kindern ein wirkliches und
bleibendes Eigenthum zu werden?
Von
einem alten praitiſc (Schhluß.)
Es bleibt nun no< übrig, die angeführten Säße in ihrer
Anwendung auf Unter- , Mittel- und Oberclaſſe einigermaßen
zu ervrtern, -
In der Unterclaſſe
iſt das Factum ſelbſt, das Hiſtoriſche, die Hauptja das lebende Bild , die coneret gewordene Wahrheit. Der Un-
terri gemäß, entſpri wickelung durc< die Anſ Die bibliſche Geſchi lichen Gehalt zu den Gemüthern ſprechen. Die Geſchichte als
Beiſpiel wirkt kräftiger, als jede Regel. Niſſen ſagt: „Die
Geſchichte ſelber ſprechen laſſen unmittelbar, und mit dem eige-
nen Raiſonnement in den Hintergrund ſich ſtellen.“
Iſt die im möglichſt ſtrengen Anſchluß ans Scriftwort er-
zählte Geſhi der nöthigen ſachlichen und ſprachlihen Erklärungen zum Ver-
|Fändniß gebracht; iſt ſie ſoweit als möglich ſicher wieder erzählt
und durch die Aufbewahrung im Gedächtniß ſchon viel gewon>
nen, weil die Kinder das Material haben, das ein Träger des
in ihm liegenden Heiligen iſt, ſo wird eben dieſer religiöſe
Gehalt dem Kinde nun zugeführt, doc niht dur< haarſpaltende
Katecheſe, denn ſhon durc< das religiöſe Wiedergeben tritt der
religiöſe Gehalt vor, wird aufs Gemüth gut eingewirkt. Wenige
einfache Worte reichen hin, die eigentliche Spiße der bibliſchen
Geſchichte herauszukehren, der angezogene Kate ſteht ſich beim I. bis V. HauptſtüFf no< nicht aus der luthe-
riſchen Erklärung, denn dieſe tritt erſt in der Mittelclaſje ein),
ſpricht die erkannte Wahrheit aus, im Liedervers findet fie für
das religiöſe Gefühl eine Geſtalt, und im Spruch legt fie ſi
als ein Merkwort in die Seele des Kindes nieder? „Alles wei-
texe Reden Über die Geſhic alles Nußanwenden und erbauliche Betrachten ſIm Findruc> des Gotte8wortes ab und iſt darum zu verwerfen.“
(Materne.) Ja, es begegnet mir ſogar in der Oberclatje, daß,
Darmſtadt , 28. December.



wenn es mir gelungen, durc< lebendiges Erzählen, durc< kurze,
klare Entwickelung des Verſtändniſſes die Kinder jo gefaßt zu
haben, daß ich ſehe, die Handlung ging, innerlich verſtanden,
an ihren Seelen vorüber, ic das Abſtractum der Erzählung in
ein Bibelwort faſſe, die Kinder darauf dinleite, es ausfprechen laſſe
und mit einem in der Regel leicht dazugefundenen Liederverſe die
Lection ſc ten, die Ruhe, ich möchte ſagen die heilige Stille, in der fie
nach dem Schluß verharrten, iſt mir Gewähr, daß wir ohne die
Erzählung aus einander zerrende Unterredung eine geſegnete
Stunde mit einander verlebten. JH muß Materne beiſiimmen,
wenn er ſagt: „Was in Gottes Wort geſchrieben, iſt zur Lehre,
zur Strafe, zur Beſſerung, zur Züchtigung in der Gerectig-
keit geſchrieben und das redet, ſobald es nur in die Seele des
Kindes niedergelegt iſt, daß dieſe es von irgend einer Seite
richtig erfaßt, von ſelbſt als etwas Lebendiges und ergreift den
„inwendigen Menſc ſorgfältig ausgearbeiteten Anwendungen," Wendel jagt: *)
Es macht jede bibliſme Geſchichte bei der Betramtung einen
Eindru> auf die Seeie des Schülers, und diefen Eindru>
zu fixiren und in Worte zu kleiden, dazu ſoll der Spruch und
Liedervers dienen, Allerdings muß die Thätigkeit des Lehrers
in Anſpruch genommen werden, um die Beziehung, in welcher
Spruch und Liedervers zur Geſchichte und zu einander ſtehen,
zu vermitteln , aber es bedarf dazu nicht vielen Redens, nicht
eines langen und fünſtlihen Katechiſirens. Gewöhnli< reichen
zwei bis drei einfache, aber nicht oyne Meditation geſtellte Fra
gen hin, dem Schüler über die Beziehung des Spruches zur
Geſchichte das Verſtändniß zu öffnen. Beim Liederverſe führt
jedenfalls ein logiſches Abfragen ſeines Junhaltes, eine Erläute-
rung ſeiner dichteriſchen Redeweijen und dergleihen die Ein-
ficht in feinem Zuſammenhange mit Geſchichte und Spruch her-
bei, wenn derſelbe nicht ſchon beim erſten Bli>e ins Auge
falt.“ Grube **) ſpriht hierüber ſich ſo ans? „Wir ſc bei dem Kinde die Empfänglic Empfindung, die Lebhaftigkeit der Phantaſie viel zu gering an
und glauben damm, mit unſerem Verſtande nachhelfen zu
müſſen. Wenn man gleic<ß anfangs den trennenden auflöjenden
Verſtand an die bibliſche Geſchichte heranbringt, wird ihre volle
ungetheilte Wirkung auf die Empfindung geſchwächt.“

*) Seite IV im Vorwort zur bibliſ x) „Der Elementar- und Volksſ nenhange dargeſtellt zur Löſung der Frage: Wie iſt der Volls-
ſchulunterrict von ſeiner adbſtracten Richtung zu erlöſen und für
die Gemüthsbüdung fruchtbar zu machen 2“

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