Full text: Allgemeine Schulzeitung - 38.1861 (38)

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Anderes in fie zu legen, als ſie eigentlich enthalten, ſondern ein 
volles, freudiges Zuſtimmen zu dem reinen und ganzen evan= 
geliſ<en Glauben, wie ihn Dr. Luther unſerem Volk wieder 
vermittelt hat. Weſentlich erhöht dürfte die Brauchbarteit des 
Buches no< werden, wenn ſich der Verfaſſer entſchließen wollte, 
ein Spruchbuh für die Hand der Schüler, das ſic< ſtreng an 
ſein Handbuch anſchlöſſe, auszuarbeiten. 
GC, Kehr geometriſche Rechenaufgaben für die Oberclaſſe 
der Volksſchule , für Gewerbeſ<hulen , ſowie für junge, 
ſtrebſame Leute Überhaupt. Im Auftrage des allgemeis- 
nen gothaiſchen Lehrervereins geſammelt und herausge- 
geben. Mit 40 Figuren im Text und zwei lithographirten 
Tafeln. Gotha bei Thienemann. 1860. VIU u. 48 S, 
Der Verf,, erſt Lehrer in der Gewerbſtadt Ruhla, jekt 
Direetor dex Bürger- und Gewerbeſchule zu Waltershauſen, 
bringt ein aus dem Bedürfniß hervorgegangenes Büchlein. Die 
Aufgaben betreffen : 1) Längenbere<hnungen (grade Linien, Kreis- 
linien), 2) Flächenbere<hnungen (Parallelogramme, Trapez und 
Trapezoid, Berechnung der Dreie>e naH Inhalt und Seite, 
regelmäßige und unregelmäßige Viele>e , Kreisfläche, Ellipſe, 
Kreisaus-, Kreigsabſchnitt), 3) Körperberehnungen (Prisma, Cylin- 
der, Pyramide und Pyramidenſtumpf, Kegel- und Kegelſtumpf, 
Kugel). Beigefügt iſt ein Transporteur, ein verjüngter Maß: 
ſtaab, eine vergleichende Tafel der Längenmaße in halben Fußen. 
Die Aufgaben lehnen ſich an: 
Praktiſche Geometrie für Volks- und Gewerbſchulen, auf das 
Princip der Anſ<hauung gegründet und in heuriſtiſc<her 
Lehrform dargeſtellt, Gotha bei Thienemann, 
Wir machen, da der Verf. als tüchtiger praktiſcher S<uls- 
mann bekannt iſt, auf beide Bücher beſonders diejenigen Lehrer 
aufmerkſam, welche Fortbildungsſ<hulen leiten oder einzele bes 
gabtere Schüler in ihrer Fortbildung zn unterſtüßen haben. 
Dieſen werden beide Bücher beſonders gute Dienſte en 
"Cd. DD, 
Zur Schulgeſ hichte, 
* Aus Holſtein. Ein Jahr iſt dahin, man thut gern 
einen RüFbli> und faßt das, was das verfloſſene Jahr Einem 
brachte, in ein Geſammtbild zuſammen, Iſt man damit fertig 
geworden , ſo betrac<tet man das Bild mit Freude oder mit 
Wehmuth, Ein Gemälde hat immer ſeinen Shatten und muß 
Scatten haben, wenn es dem Auge und Gemüth entſprechen 
ſoll, ohne Trauer iſt keine Freude denkbar. Walten aber die 
Schattenſeiten zu ſehr vor, und hat der Künſtler zu ſehr ins 
Schwarze gemalt, ſo wendet man fich weg und findet ſein Werk 
nicht anziehend, | 
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Wir wollen hier nicht ein vollſtändiges Bild von dem geben, 
was das verfloſſene Jahr unſerm Stande in Holſtein brachte. 
Thäten wir das, wir müßten eben nur Über getäuſchte :Hoff- 
nungen berichten und Klagen, herbe Klagen laut werden. laſſen; 
die fort und fork aus dem Munde der Lehrer tönen und nie- 
maſs zu verſtimmen ſ<heinen. Wir müßten grau in grau. malen. 
Und eigentlih können wir nur no< wenig berichten, dennoch 
rollen die Würfel, die das Geſc<hi> der Lehrer in unſerem. lies 
ben Holſtein zu beſtimmen haben, und wenn auch die. Partie 
für uns re<t ſ<limm ſteht, iſt doM no<F* nicht Alles verloren; 
Jedo< zur Orientirung der hier obſchwebenden Verhältniſſe. 
laſſen wir unſern lieben Collegen im weiten Vaterlande einen 
kleinen Abriß folgen, wenn wir auch damit Gefahr laufen, 
Bekanntes und ſc<on Berichtetes zu wiederholen. Wir waren 
bis jegt ni<t Leſer der „Allgemeinen Schulzeitung,“ it 
Die Sache ſteht jo. Das Sulgeſeß von 1814, welches 
hier noH in Kraft ſteht, iſt veraltet, wenn aum wohl. anzus 
erkennen iſt, daß es zu ſeiner Zeit ſehr ſegensreic). wirkte. Die 
Mängel waren ſo bedeutend, daß die Regierung auf Abhülfe 
beda<t war. Es wurde deßhalb ſ<on ſeit Jahren eine Com- 
miſſion gebildet , die den Entwurf zu einem Schulgeſeße :auss 
arbeiten ſollte. Von den Lehrern ward die Maßregel mit Freus- 
den aufgenommen, wir waren voller Hoffnungen und glaubten 
annehmen zu dürfen, daß die Commiſſion eine gute und befries 
digende Arbeit liefern würde. | en, 
Lange Zeit verging, Jahre verfloſſen, aber das konnte uns 
den guten Muth nicht rauben. Ein Werk, an dem. jo lange 
gearbeitet wurde, an dem anerkannt tüchtige Männer arbeite» 
ten, mußte doH gut werden. So glaubten Viele und täuſch- 
ten ſich ſehr. Man war endlich fertig geworden, und auf, Be»- 
fehl der Regierung ward der Entwurf, ehe er den Ständen 
vorgelegt ward (was no< nicht geſchehen), der Defſfentlichkeit 
zur weitern Kritik übergeben. Die Lehrer ſind gewohnt, daß 
ſie getäuſcht werden , ſo bitter haben fie aber wohl no< nie. 
das Wehe einer Täuſchung empfunden. „Der Entwurf kommt. 
60 Jahre zu ſpät", mit dieſen Worten hat man die Arbeit. 
treffend und wahr bezeichnet. | es 
In dem Entwurfe findet man nur die Sanction des Be-, 
ſtehenden oder ein Zurücgehen zu mitteralterlihen Zuſtän-. 
den. Er gibt feinen Anhalt, kein Gewiſſes, und durc< die oft. 
angebrachte Formel : „Wo andere Einrihtungen ſtatthaben, bes 
hält es mit dem Beſtehenden ſein Bewenden“, iſt den Um-, 
gehungen der einzelen guten Beſtimmungen des Geſeßes Thor. 
und Thür geöffnet. Dazu kommt no<, daß die Lebensfrage 
des Lehrſtandes , die Beſoldung der Lehrer, durchaus nicht 
gelöſt, no< um ein Bedeutendes weiter gebracht iſt. Was der 
Entwurf als Verbeſſerung der pecuniären Stellung uns Leh- 
rern bietet, iſt durchſchnittlich ein armſeliges Almoſen. und in, 
vielen Fällen noh weniger, als das, , NERN 
Es konnte nicht fehlen, daß die Arbeit der Sieben lebhafte. 
Agitationen dagegen hervorrief. Dieſelben find ſo ſtark und 
laut geworden , daß ſie ihre Wirkungen äußern und bei der“ 
endlihen Entſ<Heidung mit den Ausſ<lag geben wexden«. Die 
öffentliche Stimme iſt durchaus gegen die armſetige: Arbeit; 
viele Urtheile find darüber laut geworden, aber noh. kein. güns“ 
ſtiges. So wie der Entwurf iſt, glaubt man allgemein, +:wird; 
und kann er nicht zum Geſeß erhoben werden. .«Die.:Ständen 
verſammlung wird dem Entwurfe eine ganz andexe:Geſtalt: 
geben oder ihn völlig verwerfen, u is 
Was wird, was kann kommen ? ENRRIEE 
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