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gerade dieſe Jugend viel in engen und ungeſunden Räumen
feiigehalten und ſi im Freien nur ſo weit zu bewegen pflegt,
als das häusliche und wirthſc ſo find ihre Beſchäftigungen , wie das Austreiben und Hüten
des Viehes, das Ausnehmen von Feldfrüchten 2x. großentheils
von der Art, daß theils die Körperfräfte nur in ſehr einſeiti-
ger Weiſe in Anſpruch genommen werden, theils kleinere Kin-
der gar nicht oder nur in ſehr beſchränftem Umfange dazu ver»
wandt werden können. Ein allſeitiger Gebrauc< der Glied»
maßen, eine Bewegung aller Muskeln und eine daraus reſulti-
rende Gewandtheit des Körpers wird aber dadurch ſo wenig
erzielt, daß die ländliche Jugend in dieſer Beziehung hinter
der Jugend größerer Städte weit zurüsſteht und die aus ihr
vervorgehenden Rekruten ſiH vorzugsweiſe als ungelenf und
icwerfällig erweiſen. Soll aber das Turnen nicht nur im
Allgemeinen Kraft und Gewandtheit des Körpers bezweden,
ſondern mit der Wehrhaftigkeit des Volks in Zuſammenhang
gebracht und dieſer dienſtbar gemacht werden, jo leuchtet es um
jo mehr ein, daß die ländlichen Beſchäftigungen dasſelbe in
keiner Weiſe zu erſezen im Stande ſind.“ QSodann werden
Einwände zu beſeitigen geſu lichen Mangel an geeigneten Turnlehrern, Localitäten und Ge-
täthen, ſowie aus den beſchränften Mitteln der Communen
berzuleiten. pflegt, und Anordnungen gegeben, die es ermög-
lien, daß mit Beginn des Sommerſemeſters in möglichſt vie-
len Schulen der Turnunterricht beginnen kann, ;
* Köln, 7. Febr, Die Städte Köln und Aachen ſind ſeit
2 Jahren in einem edlen und lebhaften Wettſtreit begriffen
geweſen um die Errichtung einer polytehniſchen Schule,
Nun hat Köln na< Prüfung der großen zu jenem Zwe erfor
derlichen Opfer, welche die Stadtkaſſe bringen müßte, die Con-
currenz gegen Aachen aufgegeben und beabſichtigt nur, eine In-
duſtrieſ genügen werde. Zu ihren beiden Gymnaſien, von denen
das eine nur fatholiſ (Friedrich-Wilhelms: Gymnaſium ) jezt unter der Direction des
Prof, W. Herbſt, paritätiſch beſetzt und beſucht iſt, hat die
Stadt im lezten Jahr noh ein drittes, reinkatholiſj& fium gegründet.
* Weſtfalen. Die königl, Regierung zu Arnsberg hat
am 15. Decbr. 1860 an ſämmtlihe Landräthe nachfolgendes
Screiben erlaſſen: „Die Einführung des Turnunterrichts
bei den Elementarſ anlaſſung. Cs kommt vor allem darauf av, durch geeignete
Belehrungen ein lebendiges Jntereſſe für dieſen Gegenſtand
anzuregen, Die zunächſt zu treffenden Einrichtungen ſind nach
den Oertlichkeiten, ſowie nach den zu gewinnenden Lehrkräften
und den aufzuwendenden Mitteln zu bemeſſen. Bezüglich dies
fer Einrichtungen theilen wir Jhnen die von dem Hrn, Land»-
rath zu Siegen unterm 29, Oct. ce. erlaſſene Verfügung zur
Kenntnißnahme mit, woraus Sie erſehen wollen, in welcher
einfawen und wenig koſtſpieligen Weiſe den Turnübungen Ein-
gang verſ jämmtliche Localbehörden mit den Vorbereitungen zur Einfüh-
rung des Turnunterrihts bei den Elementarſchulen beſchäftigt."
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Die erwähnte Verfügung lautet: „Aus dem Berichte von 2c.
habe ich gern geſehen, daß mit der Durchführung der gymnaſti-
jen Uebungen bei den Elementarſi wenigſtens ein Anfang gemacht iſt. J< habe nur Folgendes
zu bemerken ? 1) Damit die Kinder mit der Luſt und Liebe an
die Sache gehen, ohne welche die leßtere gar nicht auffommen
fann, würde im vorſchlagen, das Turnen nicht zwangsmäßig
einzuführen. Es ſollte mi< wundern, wenn nicht bald alle
von ſelbſt kämen. 2) Die Exercirübungen würde ich vorläufig
unterlaſſen. 3) Statt Re>, Barre und Ger ſ ein Springgeräth herzuſtellen. Dasjelbe beſteht a) in einem
Graben mit 1 ſteilen und 1 flach abgeböſchten Ufer, welchen
die Jungen ſelbſt ausſ ſto>, als welcher eine glatte Bohnenſtange genügt; ec) in 2 Boh-
nenſtangen mit eingebohrten Löchern, in weiche 2 Pinne geſte>t
werden, um darüber die Leine zum Hohſpringen zu legen, Die
leytere wird durch 2 berabhängende Sandſäd den Enden angebracht ſind, ſo ſtraff gehalten, als ohne Gefahr
für den Springenden nöthig iſt, und d) in einem Sprungs»
brett, das gegen einen Bo mehr oder minder ſc zum Niederſpringen auf einen Lohhaufen dient, == Dieſe Ge-
räthe ſind fehr wohlfeil und einex mannichſaGen Benußung
fähig. -= 4) Außerdem geht dem Barren und Re> no< die
ſ empfehle i< den Dauerlauf und das kunſtgere 6) Die Remuneration der Lehrer dürfte erſt na< Ablauf des
erſten Semeſters dur< Beſchluß des Sculvorjtandes feſtzu-
ſeßen ſein,“ -
* Peſth, 9. Febr. In der geſtrigen Sißung des Repra-
ſentantenkörpers der Stadt Peſth wurde über das Sci>jal der
deutſ riſirt. Sämmtliche deutſc ſind entlaſſen worden, und die Männer werden für ihre ſe&s=
jährigen aufopfernden Dienſte mit einer drei bis ſe lichen Gehaltauszahlung abgefert'gt., Die Anſtalt dürfte wohl
in geiſtliche Hände Übergehen, da man an maßgebender Stelle
die Anſicht hat, daß die Civilanſtalten in wiſſenſc ziehung wohl Tüchtigeres leiſten, die Geiſtlichen aber ihre Schü-
lex zu ungariſchen Patrioten bilden. Dem deutjc naſium, das in den Ruinen des ehemaligen deutj ters untergebracht iſt, wurde geſtern ebenfalls der Miethvertrag
Seitens der itädtiſmen Behörde gefündigt. Da dieſes das ein»
zige Gymnaſium in Ungarn iſt, worauf die Geiſtlichkeit keine
Anſprüche hat, weil es auf kaiſerlichen Entſchluß vor 2 Jah-
ren ins Leben gerufen wurde, ſo dürfte dasfelbe wohl gänzlich
eingehen. Somit wäre denn der zahlreichen deutſ kerung Peſth's auc die lette Unterrichtsanſtalt entriſſen, wo
fie in ihrer Mutterjprame ihre Söhne unterrichten laſſen
fonnte, und es wird wohl noch eine Zeit kommen, wo ſie
bereuen wird, ohne Gegenwehr dieß geduldet zu haben.
Tyrol. Jm Schuljahre 1859 beſtanden nac< dem „Deſtr.
pädagogiſ 1891 fatboliſche Volksſchulen, voi denen der Unterrichtsſprache
naß 1048 Tdeutſc<, 828 italieniſG, 15 deutſc< und italieniſch
waren.

Verantwortlicher Redacteur:
Dr. K, Zimmermann. --- Dru und Verlag von C. W. Leske in Darmſtadt.

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