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SEEL nete NENNEN
Achtunddreißigſter Jahrgang.

Darmſtadt, 30. März.

Materialien zur Geſchichte der Pädagogik
»on
Dr. K&. Schneider,
Paſtior in Sc L
Zur Geſcht Vorbemerkung: Eine Studie über Camerarius, den berühmten
Freund und Biographen Melanchthons, führte mir in einem
Fascikel pädagogiſ ? Hände, welches ein hö<ſt anſchauliches Bild von dem gym
naſtiſ mehr als einem Bezuge intereſſant; zunäc<ſt, indem es ein
ſc<äßentwerthes Material zu der Geſchi tes gibt, dem ſich jet eine erhöhte Theilnahme zuwendet, ſo-
dann, weil es die reformatoriſchen Bemühungen um die Schule
von einer neuen, bisher nicht genügend beachteten Seite zeigt,
endlich weil es überhaupt ſowohl durch ſeinen Inhalt, wie
durch ſeine Form die pädagogiſchen Grundſäße jener Männer
kennen lehrt, und endlic<, weil eben dieſe, hier beſonders die-
jenigen, welche die Disciplin betreffen, auch heute no< ſehr
beherzigenswerth ſind, Es dürfte deßwegen nichts Ueberflüſſiges
ſein , dieſes völlig vergeſſenes Schrifthen wieder in Erinnerung
zu bringen, reſp. es durc Kreiſen mitzutheilen. Der Verfaſſer, Joachim Camerarius,
hat das Geſpräc<: de gymnasiis überj li< den Gedanken an unſere Gymnaſien fern halten müſſen.
Die Redenden ſind ein Fremder und ein Knabe,
Gini € ////(udnmewen Mn)
Geſpräch des Camerarius über die körper-
lichen Uebungen.
Welc für einer Uebung fragſt Du? Fr.: I< meine ſo: weil die
jungen Leiber weder zu ihrer Freude, no< zu ihrem Nußen
lange ruhen dürfen, ſo wünſ von Ringſ denn unter den verſchiedenen Einrichtungen der Alten war die-
jenige vorzügli< zu loben, daß auch die zarteſten Kinder von
Staats wegen körperli< ausgebildet und gekräftigt wurden. Und
es iſt fehr ſhade, daß dieß aufgehört hat. Kn.: So hören
wir auc< unſeren Lehrer reden. Fr.: Au< wohl noh mehr
als dieß, vermuthe ih. Kn.: Und mit Recht; er lehrt näms-
liM, daß weder der Geiſt ohne den Leib, noc< dieſer ohne
jenen richtig gepflegt und ausgebildet werden könne, daß daher
beider Behandlung zugleis entweder gut oder ſc müſſe. Fr.: So verhält es ſih au< wirklih. Kn.: Mit
dem Untergange der geiſtigen Bildung (bei wel Künſten und Wiſſenſchaften der erfte Rang gebührt) unter der
Barbarei ſei zugleich jene gute Seite der Erziehung ver-
ſ ſeien auM die Leiber plump und ungeſt oder ſ gebre daß, no< ebe die Bildung neue Blüthen trieb, unſere Lands-
leute, aum die Alten, die dom ungelehrt und ſehr kriegeriſch
waren, bis zu denen nicht einmal der Name Bildung und
Gelehrſamkeit gekommen iſt, daß ſelbſt jene jolMme Uebungen
gepflegt haben, deren einige fogar bis auf die Zeit unſerer
Väter herabgekommen find und fim auch in dieſer erhalten
baben , wo aller Ruhm und alle Kraft unſeres Geſchlechtes
zuſammenzubrehen begann. Kn.: Du haſt Recht; aber er
meint, das Alles ſei der Härte und Rauheit des übrigen
Lebens gleihgekommen, man habe nichts auf die Zeiten und
die Orte und die Menſchen berechnet; es ſei alles, einiges
davon in ſo hohem Grade gefahrvoll geweſen , ſo daß es fehr
glaubliH ſei, was die Griechen von den Deutſchen erzählt
haben, fie hätten ihre neugeborenen Knaben in den Fluß ge-
tau in dieſem kalten HimmelsſtriHe deſto leichter leben könnten.
Fr. : Was meint er alſo, daß fie gethan hätten? Kn.: Was
ſonſt als Heftiges und Stürmiſches in leidenſc raſendem Sinne? fie ritten, liefen, tanzten, fie kämpften zu
Pferde und zu Fuß, fie dur warfen anſtatt mit Scheiben mit den ſ kurz, ſie thaten alles ohne Maß und ohne Vernunft: und
darum , lehrt er, hatten jene Ringſ Nuten. Wiſſen wir do<, daß ſie an Speiſe und Trank, in
deren Genuß die unſrigen nun einmal nicht mäßig jein können,
überſättigt, zu den S und Sc gingen. Und das iſt do< äußerſt verkehrt. Ohne Zweifel
übertrafen diejenigen, welche bei ſol ſtark blieben, die berühmteſten Athleten des Alterthums, einen
Milo und Polydamas. Fr.: Das ſ Kn. : Er meint nämlich, die Natur ſei ſo gut geweſen, daß

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