Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 7.1905 (7)

Zur Frage des Ziehkinderwesens. 
Von Franz Medicus. 
Es ist ausserordentlich anerkennenswert, dass der Verein 
für Armenpflege und Wohltätigkeit in Seiner letzten JahresSver- 
Sammlung (Sitzung am 18. und 19. September 1902 in Kolmar) 
die Frage des Ziehkinderwesens in Angriff genommen hat und 
energisch Mittel und Wege Sucht, den vielfachen, bis Jetzt wenig 
in die Oeffentlichkeit gekommenen Missständen zu Steuern. In 
einem Aujfsatze in der „politiSch-anthropologischen Revue 1903 
1 12“ hat Pfarrvikar Just einen eingehenden Bericht über das 
ReSultat dieser Verhandlungen niedergelegt und Seine eigenen, 
zweifellos grosser Erfahrung entsprungenen Vorschläge ausge- 
Sprochen. Im folgenden möchte ich einige weitere MasSnahmen 
veröffentlichen, deren erfolgreiche Ausführbarkeit mir nach 
meinen Jahrelangen Beobachtungen an grosSsem Materiale möglich 
erscheint. Vorausschicken muss ich, dass die Zieh- oder, wie bei 
uns in Bayern die Bezeichnung ist, Kostkinder in unserer Gegend 
mit ganz wenig Ausnahmen Kinder von Fabrikarbeitern Sind 
und zwar zum weitaus grössten Teile eheliche Kinder, deren 
Eltern, um ihrem Verdienste in der Fabrik nachkommen zu 
können, ihrer Erziehungspflicht zu genügen nicht imstande Sind. 
Des weiteren bandelt es Sich bei uns fast ausschliesslich um 
Kinder im Alter von 4 Wochen (vor welcher Zeit die Kinder 
nicht in Kost gegeben werden dürfen) bis zu 3 Jahren, um 
welche Zeit fast alle Kinder in die Kleinkinderbewahranstalten 
aufgenommen werden. 
Die gesetzlichen Bestimmungen bezüglich des Kostkinder- 
wegens in Bayern erstrecken Sich auf die ZulasSung durch die 
Distriktsverwaltungsbehörden und auf eine ärztliche UnterSuchung 
der Zieh- bezw. Kostkinder vor ihrer Aufnahme in den Kostplatz. 
Die Beaufsichtigung der Kostkinder untersteht den Verwaltungs- 
behörden und Medizinalbeamten. Aus allen bisher getroffenen 
Bestimmungen, ebenso aus den Verhandlungen der erwähnten
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.