Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 11.1910 (11)

Unterricht und Interesse 31 
 
Frage nach dem Wegen jenes arbeitfördernden Faktors zu beantworten. 
Vielleicht wird man dann ein Anologon zu dieser Beobachtung in jenen 
Erfahrungen Seben, die Exner vor mehreren Jahrzehnten bei Seinen ersten 
Arbeiten über Übungsvorgänge gesammelt hat und die er in dem Satz 
zuSammengefaßt hat, daß wir in der Kunst des Schlittschuhlaufens im Sommer 
größere Fortschritte machen als im Winter. 
 
Unterricht und Interesse 
Von Wilhelm Münch. 
Wenn zur Zeit des eifrigen internationalen Anbaus einer experimentell 
und statistiSch exakt begründeten Pädagogik eine Zeitschrift wie die gegen- 
wärtige auch einen Vertreter der freien Beobachtung zum Worte ruft, 80 
wird es gut Sein, daß er das ihm vergönnte Wort auch ergreift, Selbst 
wenn er gar nicht das Bewußtsein haben kann, im einzelnen wirklich 
etwas Neues geben zu können. Sollte nicht auch eine SorgSame Zugammen- 
Stellung und Gruppierung der frei beobachteten pädagogiSch-pSychologiSchen 
TatSachen ein Recht und einen Wert beanspruchen können? 
ES iSt eigentümlich, wie in ungerer Zeit 80 ganz verSchledene psychische 
BedürinisSse gleichzeitig wirksam gind, und wie Sie ganz entgegengegetzte 
Strebungen hervorrufen. Kine Strömung, die man als romantisch bezeichnen 
mag, Sucht mit unmittelbaren Seelenkräften über alles bloß Rationelle zu 
triumphieren, und eine andere Sucht mit den Mitteln der exakten Natur- 
wiSSenschaft und der darauf beruhenden Technik Geblete zu bewältigen, 
die immer ein Leben Jjengeits und oberhalb dieser Sphäre des Exakten zu 
haben Schienen. EKinigermaßen wird es übrigens bei den pädagogischen 
Experimentalverguchen fühlbar, daß man vielfach offenbar der Welt der 
praktischen Berufspädagogen eine klägliche Abhängigkeit von Überliefe- 
rung und Routine zutraut, und ihren Mitgliedern dies von außen her zum 
Bewußtsein zu bringen, hat dann einen begonderen Reiz. Das ehrliche 
Wabrbheitsstreben aller wisSgenschaftlich Arbeitenden in allen Ehren: aber es 
wird mitunter doch durch besondere Gefühle oder Wüngche erst recht beflügelt. 
Gleichwohl wäre es Ja Sehr verkehrt, die Verguche der auf pädagogisSche 
Ziele hin Zugespitzten experimentellen PSychologie nicht bereitwillig würdigen 
zu wollen. Was mit der Zeit Wertvolles herauskommen wird, muß dank- 
bar begrüßt werden, und Selbst Soweit die endgültigen Ergebnisse an Sich 
negativ Sein werden, mag man ihnen eine pogitive Bedeutung zuerkennen. 
Auch wenn ich beweise, daß ein angenommener ZugSammenhang nicht be- 
Steht, habe ich die menschliche Erkenntnis gefördert; wenn Sich ergibt, 
daß eine komplizierte Figur Sich nicht durch lauter gerade Linien bher- 
Stellen oder mit Solchen nachzeichnen läßt, 80 brauchen die Verguche, es 
dennoch zu tun, darum keine Kinderei gewesen zu Sein. Vielleicht kann 
man, bei diesem Bilde verbleibend, überhaupt Sagen, daß die experimen-
	        

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