Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 11.1910 (11)

Literaturbericht 63 
 
Um der dieger Zeitschrift u. a. gestellten Aufgabe, über Versuche reformatorischer 
Art auf dem Gebiet der Unterrichtsgestaltung und der Schulorganisation zu orientieren 
und deren pädagogisch -psychologische Probleme herauszuarbeiten, nachzukommen, 1st 
es wünschenswert, daß der Zeitschrift 
Schulprogramme, Entwürfe zu Reformen, Jahresberichte von Schulen 
und Bildungsanstalten 
-- welcher Gattung diese auch angehören mögen --- tunlichst gleich nach dem 
Erscheinen zur Verfügung gestellt werden. Die betreffenden Autoren werden gebeten, 
diess gütigst an den Verlag der Zeitschrift genden zu wollen. Es liegen z. B. 
die Jahresberichte der Mannheimer Volksschule von 1901---1909, sowie die Berichte 
über die Tätigkeit des Schularztes an der Mannheimer Volksschule von 1904---1909 
vor, Diese Berichte enthalten eine Menge von pädagogisch wertvollem Material und 
noch mehr --- Probleme, die der Lögung harren. D. 
 
Literaturbericht" 
ans Denzer, Schaffen und Lernen. Theorie und Praxis des Werkunterrichts 
der Unter- und Mittelstufe. Leipzig, Verlag von Ernst Wunderlich, 1909. 
Eine befriedigende Entscheidung in der Frage des Arbeitsunterrichtes müßte 
längst gelungen gein, wenn die oft verteidigte Meinung zurecht bestünde, daß theore- 
tisSche Erörterungen ohne begleitende praktische Erfahrungen allein schon die Kraft 
bätten, ein Komplexes pädagogisches Problem endgültig zu lögen. Nicht etwa, daß 
man in den drei und einhalb Jahrhunderten, die man nun in Deutschland über die 
Handfertigkeitsbestrebungen diskutiert, die erforderlichen Versuche gänzlich ver- 
Säumt hätte. Sie waren aber von vornherein als untaugliches Mittel zur Lösung 
abzulehnen, weil gie in ihren Veranstaltungen gar nicht den pädagogischen Kern- 
gedanken erfaßten: jenen allerdings erst von der neueren Bewegung in voller Be- 
Stimmtheit herausgearbeiteten, aber doch Schon von Comenius und Pestalozzi deut- 
lich genug angegebenen Gedanken, daß die manuelle Betätigung nicht gegen den 
übrigen Unterricht zu isolieren, vielmehr in die gesamte Bildungsarbeit, die intellek- 
tuelle, ethische und ägsthetische, als ein wegentlicher und unentbehrlicher Be- 
Standteil organisch einzugliedern Sei. Damit ist freilich eine Forderung gestellt, 
die an entscheidenden didaktischen Orten einen völligen Bruch mit der methodischen 
Tradition bedeutet und gebieterisch neue Schultechnische Formen verlangt, zu deren 
Ausbildung aber eben ausgiebige, yon einer klaren Theorie geleitete Unterrichts- 
versuche unerläßlich gind. In diesgem Sinne kann Denzers Buch „Schaffen und 
Lernen“, das die Erfahrungen aus dem in Worms von Scherer versuchsweise einge- 
führten Werkunterricht darbietet, nicht hoch genug eingeschätzt werden. 
Angenehm berührt es, daß Sich Denzer in den ersten Abschnitten, die im all- 
gemeinen von der Arbeit als Kulturfaktor und vom Namen, Wegen und Zweck des 
Werkunterrichtes reden, auf knapp zwanzig veiten recht kurz zu fassen weiß und 
dafür den achtfachen Raum der ausführlichen, von Sehr instruktiven Abbildungen 
unterstützten Darstellung Seiner Jahrelang erprobten Praxis widmet. Gerade daran 
muß zur Zeit gelegen Sein. Es erhält dieser Teil Seine natürliche Gliederung durch 
die sukzessive Behandlung der einzelnen Zweige des Wormser Werkunterrichtes. 
Auf die „dreidimensgionale Darstellung“ im Ton- und Papierformen folgt das „zwei- 
dimensgionale Darstellen“ im Ausschneiden, Malen und Umrißlegen mittels Stäbchen, 
Faden und Erbsen. Jeder diesger Zweige ist reichlich mit gut erdachtem Arbeits- 
Stoife gesättigt und in der unterrichtlichen Durchführung gezeigt, Nicht nur liegen 
1) Der Literaturbericht ist mit Rücksicht auf den größeren Raum, den die Aufsätze beanspruchten , zum 
größten Teil fürs nächste Heft zurückgestellt.
	        

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