Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 13.1912 (13)

70 Literaturbericht 
des Instituts ist der Ordinarius der Philogophie Prof. Dr. P. Boyet in Neuchatel 
bestimmt worden. 
59. Bin Heilerziehungsheim für psychopathische Kinder errichtet auf eine 
Anregung von Th. Ziehen hin die „Deutsche Zentrale für Jugendfürgorge“ in Templin; 
die Eröffnung soll im Frühjahr 1912 erfolgen. 
6. Unger Mitarbeiter Geheimrat Prof. Dr. Th. Ziehen, der bekannte Psychiater an 
der Umiversität Berlin, wird am 1. März 1912 von Seinem Lehramt zurücktreten, 
um sich mit voller Kraft Seinen wissenschaftlichen Forschungen widmen zu können. 
7. An der Univergität J ena kann künftig die Pädagogik als gelbständiges Hauptfach 
für Doktorprüfungen gewählt werden. Sch. 
 
Literaturbericht 
Sammelreferate und Übergsichten. 
Die letztjährigen pädagogischen Revyuen, 
Seit der Verabschiedung des letzten Jahrhunderts empfängt die pädagogische Lite- 
ratur ihre wirkSamsten Antriebe durch das Werden einer neuen Pädagogik, und 
Sie zeigt demgemäß gin deutlich verändertes Wegen gegenüber dem Schrifttum der 
vorhergehenden Zeit, in der ohne heftigere Gegnerschaft der geSicherte Gedankenkreis 
der Herbartschen Schuls fortgeführt, ausgebildet und erweitert wurde. Hs geien in 
Kürze einige der Schärfer hervortretenden Züge angegeben. Mit lautem Ungestüm 
--“ heute aber doch zuletzt recht Schweigsam geworden -- Stürmt die niederreißende 
Kritik eines pädagogischen Radikalismus daher. Neben ihm geben unter den 
Fachleuten mehr oder minder geistreiche Aphorismatiker ihre Einfälle, Gedanken 
und Vorschläge. Dilettantisch -- doch keineswegs immer bedeutungslos -- ist es, 
wie gich dazwiSchen ein pädagogisches Laientum unmaßgeblich äußert. Mit 
Entwürfen und Ausführungen treten praktische Reformer für die vergchieden- 
artigen Schulorganisationen auf den Plan und haben manchen Schönen Erfolg. Wie 
immer ist auch die didaktische Kleinarbeit -- SpezialistiSch auf neuen Bahnen 
Suchend und verguchend -- Rott im Gange. Unerträglich aber wird die Art, in der 
iSolierte Problemgruppen -- am Schlimmsten geschah's mit der Frage der Sexuellen 
Aufklärung -- einander als pädagogische Modegache ablösend bis zum peinlich- 
Sten Überdruß breitgetreten werden. Dagegen entwickelt Sich inmitten vielfacher 
Anfsindung als die erfreulichste Erscheinung unseres pädagogiSschen Gedankenlebens 
außerordentlich rasch und Sicher die wissenschaltliche Untersuchung der Erziehungs- 
und Unterrichtsfragen mit den Mitteln exakter Methode: die Jugendliche empirisch- 
forschende Pädagogik. In der Tat: eine durch höchst eigenartige Züge belebte 
PhySgiognomie der Jjüngsten pädagogischen Literatur. 
Doch wann werden die erwarteten Schöpfer neuer großer SyStemse auftreten? 
Won bei der Schriftleitung einer Zeitschrift oder über Seiner wisSSenschaftlichen und 
Praktischen Arbeit die pädagogische Jahresproduktion in der wöchentlich wieder- 
kehrenden Brandung umwogt, der erlebt ein Meer mit vielen Untiefen, das ohne Führung 
kaum noch zu befahren ist. Und Je höher in der letzten Zeit die Flut gestiegen ist 
und in Je mannigfaltigeren Erscheinungsweigen SsSie auftritt, um 80 notwendiger bedarf 
es zu ihrer Bewältigung einer Hilfeleistung. So hat Sich denn in unsgeren Tagen in 
der Gestalt von Jahregrevnen eine angehnliche Literatur über die pädagogische 
Literatur entwickelt. Für das Jahr 1910 liegt uns daraus folgendes yor:
	        

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