Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 14.1913 (14)

93 Über den psychologischen Ertrag der Grafschen „Schülerjahre“ 
 
Daß in unserem Kurvenbilde die egoistische Kurve absolut höhere Werte nach 
der positiven Seite hat, wie die religiöse nach der negativen, liegt wieder daran, daß 
im Rhythmus annähernd übereinstimmend mit der religiögen die 3. Linie, die S0zial- 
ethische, geht. Auf sie entfällt also auch ein Teil der gegen die egoistische Linie 
wirkenden Werte. Woher die Zunahme der Sozialethiker gerade im 15. Lebensjahre 
(um fast 10%) kommt, vermag ich ohne Künsteleien nicht zu Sagen. Ich unterlasse 
daher lieber jede Deutung. Auf die Äußerungen, welche ich in die Sozialethische 
Gruppe einrangiert habe, möchte ich überhaupt nicht allzuviel geben, weil bei den 
Schwachsinnigen hier dasselbe gilt, was ich von den religiösen Motiven gesgagt habe: 
ich vermute in ihnen meistens mehr oder weniger gedankenloses Nachsprechen von 
ins Ohr gefallenen Belehrungen. -- Bei diesgem ganzen Abschnitt läßt gich ferner 
nicht verschweigen, daß, wie schon erwähnt, --- aus allerdings nicht abzuwendenden 
ÜUrsSachen -- mir das Material hier nicht reichlich floß, was auf die Bündigkeit der 
Resultate natürlich nicht ohne Einfluß ist. Aus diesgem Grunde unterlasse ich hier 
die bei den Normalen angefügte Gegenüberstellung der Egoisten im erweiterten oder 
veredelten Sinne einergeits und der S8ozialethischen Altruisten anderergeits. 
Will man aber -- mit allen Kantelen freilich --- auch im Anschluß an diesen 
Abschnitt einige Ergebnisse fixieren, 80 könnte man Sagen, daß alle Schwachsinnigen 
nach den Äußerungen über ihre moralische Grundbestimmung Egoisten gind. 
Dieser Kgolsmus wird bis zum Austritt aus der Schule durch religiöges und Sozial- 
eihisches „Kmpfinden“ etwas gedämpft, um nachher vollkommen allein herrschend zu 
bleiben; weil eben alle ethischen Hemmungen und logischen Erwägungen ausgbleiben. 
Aus diesen Ergebnissen Konsgequenzen für die Jugendgerichtsbarkeit bei den 
Schwachsinnigen zu ziehen, würde ja nahe liegen und Sehr leicht Sein; ich enthalte 
mich aber dessen, weil man erst. versychen muß, die von mir geäußerten Bedenken 
gegen die Kindeutigkeit der Regultate zu überwinden. 
 
Über den psychologischen Ertrag der 
Grafschen Sammlung „Schülerjahre“. 
Von Moritz Scheinert, 
Der pSychologisch und kritisch denkende Schulmann wird bei der Lektüre 
dieger zahlreichen Schülerbiographien?) und namentlich der angehängten 
Urteile manchmal den Kopf schütteln. Man Stößt hier und da auf Behaup- 
tungen, die ziemlich leicht bingesagt werden. 30 wird in Anlehnung an 
eine weitverbreitele Phrase Schlankweg geäußert (S8. 258): „Wer am besten 
bar macht. Solche Kinder würden auch aus dem anfangs erwähnten Binet-Simon- 
Schen Schema herausfallen, und ihre Wiedereinreihung aus der Hilfsschule in die 
normale Vollschule wird aus diesen Gründen natürlich kaum je dabei in Frage 
kommen -- wenn man Überhaupt an Zurückversetzungen aus Hilfsschulen in Nor- 
malschulen denken will, Ich halte Sie im allgemeinen nicht für erreichbar. 
1) Erlebnisse und Urteile namhafter Zeitgenossen. Berlin-Schöneberg 1912. Fort- 
Schritt (Buchverlag der Hilfe). 355 S. gr. 8*. 4 M, geb. 5 M.
	        

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