Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 14.1913 (14)

Willenguntersuchungen in ihrer Bedeutung für die Pädagogik 9 
 
vorstellung die Ausführung der WillenShandlung erleichtern (vgl. unten). 
Es gibt 80 eine ausgedehnte Mannigfaltigkeit der Mittel zur Verwirkli- 
chung des Zieles. Dabei können übrigens auch Bahnungen und Hemmungen 
gleichzeitig nebeneinander wirksSam werden und Sgich in Ihrer Wirkung 
2anz oder teilweise autheben. 
Den Sekundären Mitteln zur Verwirklichung der Abgicht, die den pSy- 
chologischen Grund für die erwähnten Bahnungen darstellen, kommt nur 
auch eine begondere pädagogische Bedeutung zu. Die Bahnungen lasSgen 
Sich nämlich in der verschiedenartigsten Weise künstlich stiften. Hier- 
durch Sind wir in den Stand gegetzt, eine Abstufung des Schwierigkeits- 
grades einzelner Tätigkeiten zu erreichen. So läßt Sich In SyStematischer 
Weise zur Überwältigung Sehr Schwieriger Aufgaben, deren Durchführung 
anscheinend auch bei ernstem und energischem Willen unüberwindliche 
Schwierigkeiten gegenüberstehen, eine gradweise Abstufung der Schwierig- 
keiten dadurch erreichen, daß zunächst überhaupt nur Bahnungen ge- 
Stiftet werden und erst nach gründlicher Beherrschung dieser mechanischen 
Vortätigkeit an die Lögung der eigentlichen Aufgabe herangetreten wird. 
Im allgemeinen ist dies Ja bereits jetzt der Gang des SyStematischen 
Unterrichtsbetriebes. Daß Sich aber unter Zugrundelegung der erwähnten 
pSychologischen Gegichtspunkte inSbegondere durch das Stiften mechani- 
Scher ASSoziationen (im Rahmen von Vorübungen), welche geeignet Sind, 
im Sinne der eigentlichen Aufgabe zu wirken, in der pädagogischen 
Praxis noch außerordentlich viel Gutes Stiften läßt, das kann als fest- 
Stehende Tatsache betrachtet werden. Von besonderem Vorteil dürften 
derartige Exerzitien vor allem für das Fortkommen Schwächerer Sehüler 
Sein. 
Auch für das Ablegen von Fehlern und Schlechten Gewohnheiten könnte 
die praktische Anwendung der erwähnten Bahnungen als eines Mittels - 
zur Erleichterung der Verwirklichung des Wollens in Betracht kommen. 
Im übrigen Sei noch auf die von Glässner angeführten der Praxis ent- 
nommenen Beispiele für WillensShemmung und Willensbahnungen bhin- 
gewiesen (a. a. O., S. 137ff). 
Endlich möchte ich noch mit einigen Worten auf die Bedeutung des 
Gegetzes der Speziellen Determination eingehen.!) Dieges Gegetz 
begagt: Je Spezieller die Determination, desto rascher und Sicherer wird 
die Verwirklichung erreicht, d. h. je eindeutiger der Inhalt der Zielvor- 
Stellung ist, desto raScher erreichen wir das, was wir wollen. Es iSt 
demnach für die praktische Betätigung günstig, Sich nicht im allgemeinen 
etwas Vorzunehmen, Sondern dem Vorgatz einen Konkreten, Speziellen In- 
halt zu geben. Auch dieges Gegetz Steht zum Teil mit der Wirkung der 
„Sekundären Mittel“ im Zusammenhang. Bei einer Speziellen Willensein- 
Stellung kann bereits im Willengakt mit der Vergegenwärtigung der Ziel- 
und Bezugsvorstellung eine Einstellung auf bestimmte Sekundäre Mittel, 
ingbegondere durch die Inbereitschaftgetzung von asSoziativen Reproduk- 
tionstendenzen gegeben Sein, die dann beim Auftreten der konkreten Be- 
*) Willengakt und Temperament S. 255, ferner Glässner a. a. O. S. 135ff,-
	        

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