Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 14.1913 (14)

Hauptprobleme der Kindergartenreform 11 
 
wie unmittelbar die Tatsache der reproduktiven Hemmung zeigt. Auch hier kann 
der Ablauf durch außer und neben ihm liegende Bewußtseinsinhalte beeinflußt wer- 
den, die „bestimmend“ eingreifen. Die Ansicht von Messmer, daß die Strümpell- 
Schen normierenden Potenzen identisch Seien mit den determinierenden Zielvorstel- 
langen muß demgemäß zurückgewiesgen werden. Daß Strümpells Lehre von den 
normierenden Potenzen unger Gebiet streift, darüber dürfte ja kein Zweifel be- 
Stehen. Ähnliches haben aber auch lange vor Strümpell andere Forscher und, wie 
mir gcheint, in viel klarerer Weise erkannt. So hat bereits Hobbes darauf hinge- 
wiesen, daß der Vorstellungsverlauf auf zweierlei Art vor Sich geht, ungeleitet und 
infolgedesgen unregelmäßig, geordnet durch irgendein Begehren oder ein Ziel und 
infolgedessen regelmäßig. 7 
 
Hauptprobleme der Kindergartenreform. 
Von Aloys FisScher, 
Die neuen Gedanken, welche Seit etwa zwei Jahrzehnten von verschie- 
denen Seiten her, namentlich auf Grund einer an Ausdehnung, methodiScher 
Sicherheit und Ergiebigkeit Ständig wachgenden exakten Jugendkunde, in 
die Pädagogik eindringen, Sind eigentümlicherweise den verschledenen 
Abgchnitten des Kindheits- und Jugendalters in ungleichem Maße zugute 
gekommen. Während das Schulkind im engeren Sinne in Seinen Fähig- 
keiten, Arbeitsverhältnisgen und Typen pSsychologisch gut erforscht ist und 
Hand in Hand damit die Methodik der Volksschulerziehung tiefgreifende 
Wandlungen erfuhr, iSt die volkssSchulentlasSene Jugend der großen Städte 
wie des flachen Landes In SoziologiScher und psychologiScher Hingicht viel- 
fach unbekanntes Land, obgleich der energiSche AusSbau unsgeres Fort- 
bildungssSchulwegens, der Jugendpflege und der Jugendvereinigungen den 
AnsSchein erwecken, als kännten wir Begchaffenbheiten, Gefahren, Ent- 
wicklungstendenzen gerade dieSer AlterssStufe begonders genau. 
In umgekehrtem Verhältnis Stehen psychologische Forschung und päda- 
920giSche Reform auch auf dem Gebiet der Kleinkindererziehung. Die frühen 
Jahre der menschlichen Entwicklung Sind Sehr gut psychologisch erschlossen, 
während die Kleinkinderpädagogik noch wesgentlich von den Gedanken 
und Erfahrungen der Tradition zebrt, Die Grundsätze der Haugerziehung 
wandeln Sich naturgemäß langgamer als das ausdrücklich und rationell im 
Hinblick auf bestimmte Ziele organisierte Schulwegen, weil die Eltern- 
Schaft im großen und ganzen nicht eine ausgeblldete Erzieherschicht dar- 
Stellt und die Kinder im Schoß der Familie nicht nur als Erziehungs- 
objekte aufgefaßt und eingeschätzt werden. Die Familienerziehung wan- 
delt Sich deghalb nur mit dem allgemeinen Entwicklungsgang der Kultur; 
es iSt nicht weiter verwunderlich, wenn in ungerer Übergangszeit auch in 
der Haugerziehung erst spärlich und nur bei den bemittelten Ständen 
neue (Gedanken praktiziert werden. 
Dagegen könnte man vermuten, daß es auf dem Gebiet des rationellen 
Ergatzes der natürlichen Familienerziehung, in der Kindergartenpädagogik,
	        

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