Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 14.1913 (14)

Zar Psychologie des Schulleiters der Zukunft 45 
 
und der damit gegebenen Verfügung über die Energien des Kollegiums 
entspricht die Kinwirkung auf den Verlauf des gesamten Arbeitsprozesses. 
Die nun noch zu nennenden Funktionen Stellen eine dreigliedrige Ein- 
heit dar: Das Direktorat vertritt die Schule (die Schule als Ganzes) 
gegenüber der Elternschaft, der Gemeinde, dem Staat, der Kirche usw, 
Zugleich aber nimmt das Direktorat die Interessen dieser „Mächte“ inner- 
halb der Schulsphäre wahr, 80 daß diege InteresSenten nicht von außen 
her in das Schulleben wirken mügsen, Sondern in der Schulsphäre Selbst 
ihre Vertr etung begitzen. Im Direktorat Schließt Sich a180 die Schulsphäre 
zu einem In Sich Selbständigen Lebensganzen ab. 
Aus allem Gegagten ergeben Sich die einzelnen Seelischen Dispogitionen wie 
die Gegamtdispogition, die bei einem Direktor zu fordern Sind, der das leisten 
Soll, was er funktionsmäßig zu leisten hat. Von dem Direktor der Zu- 
kunft fordere ich zunächst die Energie eines Idealisten, der Sich nicht 
durch „realpolitischen“ Sinn daran hindern läßt, das höchste Maß von Energie 
an die Durchführung der Ideen der Pergönlichkeitserziehung zu Setzen. 
Die „Ja -- aber-Mengechen“, die einergeits für das neue Ideal ein Ja 
haben, andergeits das Ja des Idealigmus mit dem Aber der praktischen 
„Erfahrungen“ unwirksam machen, nützen der Schule der Zukunft nichts. 
Not ist dem Direktor der Zukunft vor allem der Glaube an die Kraft der 
Pergönlichkeit, Sowohl die Kraft der werdenden Pergönlichkeit des Schülers 
wie die Kraft der ausreifenden und ausgereiften PersSönlichkeit des Lehrers. 
Zu diegem Glauben an die Kraft der PerSönlichkeit muß godann die 
Fähigkeit des psSsychologischen Vergständnisges für perSönliches Leben 
kommen und die gesamte pSychisSche Dispogition, die dem perSönlichen Leben 
zur Entfaltung zu verhelfen geeignet iSt; Sei es die Hemmungsenergie, die 
vor jeder entbehrlichen Kinwirkung zurückhält, Sei es die Fähigkeit, Hemm- 
nisge der Answirkung und Entwicklung perSönlichen Lebens zu begeitigen 
und der Entfaltung dieges Lebens günstigere Bedingungen zu Schaffen, Sei 
es die Kunst, unmittelbar energieausglögend und energlieweckend zu wirken. 
Weitere pSychische Dispositionen, die die Funktionen des Direktors 
fordern, ergeben Sich daraus, daß die Schulsphäre ein zuSammengegetztes 
Ganzes iSt, das in Sich eine Fülle von Liebenskräften, Lebensverbältnisgen, 
Lebensformen eingchließt und das auch zu der Jengeits Seiner Sphäre liegen- 
den „Welt“ in mannigfachen Lebensbeziehungen Steht. Dieses Ganze in 
exakter Beobachtung aufzufasSen und dauernd zu deuten, ist eine Spezi- 
fiche Aufgabe des Direktors; die Fähigkeit, Sich in die einzelne Erschei- 
nung zu vertiefen, muß gSich mit der Fähigkeit verbinden, die Lebenszu- 
Sammenhänge der einzelnen Erscheinungen zu erfasSen. Begonders betont 
werden muß als eine dem Direktor nötige Eigenschaft, die Fähigkeit, 
die Schule in ihren kulturellen Zugammenhängen zu versStehen, den allge- 
meinen wie den örtlichen. Innerhalb der eigentlichen Schulsphäre bat der 
Direktor z. B. das Kollegium als ein Ganzes von Kräften zu vergtehen; 
ebens0 wird er die Schülerschaft alis ein Ganzes zu betrachten haben, in 
dem gich allgemeine Züge, gewisse Gegsetzmäßigkeiten erkennen lassSen. 
Da, wo er es mit einzelnen zu tun hat, Seien es Eltern oder Lehrer oder 
Schüler, wird er gleichfalls von den vorliegenden KinzeltatSachen auf die
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.