Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 14.1913 (14)

46 Zur Psychologie des Schulleiters der Zukunft 
 
Zusammenhänge und letztlich auf das Total des SeeliSchen Lebens Yorzu- 
dringen Suchen. Bei der Unterrichtsarbeit wird Sich das Interesse des 
Direktors vor allem den Lehrgängen und Lehrplänen zuwenden. Der geistigen 
Ausstattung des Direktors muß also der Zug des Geistes insgemein eigen Sein. 
Anch das Gefühls-, Stimmungs- und Affektleben des Direktors muß vor 
allem von dem Ganzen als Ganzem beeinfinßt werden; ein Direktor, der 
von den Hinzelheiten, die in der Schulsphäre Sich zutragen, auch dann, 
wenn Sie nicht SyYmptomatiSch gind, nach der pogitiven oder negativen Seite 
leicht Stark erregt wird, begitzt nicht die für den Direktor nötige Gemüts- 
disposgition; er ist in Gefahr, über kleine Argerlichkeiten die berechtigte 
Freude am Ganzen oder über kleine Freuden das notwendige Mißbehagen 
am unerfreulichen Stande des Ganzen zu verlieren. Ebenso müssen das 
„amtliche“ Verantwortlichkeitsgefühbl und das „amtliche“ Ehrgefühl des 
Direktors vor allem dem Ganzen der Schnle gelten. 
Der Direktor, der mit Seinem Denken und mit Seinem Fühlen das Ganze 
der Schule umspannt, ist in Seinem Handeln vor der Nachgiebigkeit gegen 
Impulse aus der Augenblickslage und gegen Augenblicksstimmungen, vor 
kleinen und kleinlichen Maßnahmen, vor Zerfahrenheit in Seinem direkto- 
ralen Handeln, vor dem Kleben an Gegebenheiten gegichert. 
30 Sehr aber auch der Direktor aus dem Sinn und den idealen Zwecken 
des Ganzen heraus handeln Soll, 80 wenig darf er den Sinn für das Han- 
deln in konkreter Lage, für das Handeln von Pergon zu Pergon verlieren, 
denn diese Fähigkeit eines Handelns in der Frische und in der Fnergie 
des perSönlichen Lebens erschien ja als einer der Vorzüge des direktoralen 
Handelns vor dem kollegialen Handeln. 
Aber wenn auch ein Direktor in allen Stücken dem gezeichneten Ideal 
entspräche, 80 wäre er doch ungeeignet, im der Schnle der Zukunft, in 
der Schule der Pergönlichkeitserziehung, mit Erfolg zun wirken. Er gelbst 
muß eine PersSönlichkeit Sein, um in dem Mikrokosmus voll persönlichen 
Lebens, als den wir die Schule der Zukunft erwarten, kongenial, im Sinne 
der innersten Natur des Ganzen, wirken zu können. Individualität und 
Berufsaufgabe müssSen Sich bei ihm So innig als möglich durchdringen. Was 
an der Individualität geringwertig, vielleicht gar wie RücksgichtslogigKeit 
gegenüber den PergSönlichkeiten oder verbohrte Eingeitigkeit geradezu dem 
Geist des Direktorats entgegengegetzt ist, muß weichen. Was aber von 
den Naturkräften der Individnalität dem Amte dienstbar werden kann, 
bedarf Sorgfältiger Konsgervierung, damit der Direktor nicht das persSoni- 
fizierte Abstraktum „Direktor“, Sondern eine wirkliche PerSönlichkeit Iist. 
Lächerliche Verstiegenheit wäre es, von dem Direktor Schöpferische Eigen- 
art zu fordern; wohl Soll er Eigenes geben; aber dies „Kigne“ kann auch 
Fremdes Sein, das Sorgfältig geprüft und ausgewählt und in ein Ganzes 
wertvoller, von persönlicher Überzeugung getragener Anschanungen ein- 
gegliedert ist. Endlich noch eins: Der Direktor Sei auch keine „nur- 
direktorale“ Persgönlichkeit, er führe auf allen Lebensgebieten ein rein 
Mmenschliches Leben, damit er als Volpergönlichkeit vor der Ungeheuer- 
Tichkeit einer direktoralen Lebens- und Weltanschanmmg bewahrt ist.
	        

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