Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 14.1913 (14)

Elemente zur moral-psychologischen Beurteilung Jugendlicher 4.7 
 
Elemente zur 
moral-psychologischen Beurteilung Jugendlicher. 
Unter Zugrundelegung einer Prüfung an 
1250 Gemeinde- und Fortbildungsschülern. 
Von NM. Schaefer. 
Vorbemerkung: Intelligenzalter, Moralitätsalter. 
Es ist ein Charakteristikum des modernen naturwissenschaftlichen Zeitalters, den 
Erscheinungen im allgemeinsten Sinne nicht nur qualitativ beobachtend gegenüber- 
zutreten, Sondern Sie auch quantitativ zu beurteilen, d. h. Sie zu messen. HKS ist 
bekannt, was Ingeniogität der Theoretiker verbunden mit Präzigion und Akkuratesse 
der Techniker zustande gebracht haben in der Messung und Wägung von Phänomenen 
der materiellen Welt. Es ist indessen nicht minder bekannt, daß in den letzten 
Jahrzehnten Sich diese Bestrebungen auch auf psychische Werte übertragen haben. 
Erst der letzte Psychologen-Kongreß in Berlin bat Aufklärung darüber geben können, 
wie gubtil die Untersuchungswege und wie relativ aufklärend die ReSultate gewesen 
Sind, die Scharfsinn und Geduld der PsS8ychiater, Pädagogen und Psychologen 
zur quantitativen Beurteilung Seelischer Vorgänge zuwege gebracht haben. Es ist 
erstaunlich, die Feinheiten der Methoden zu beobachten, mit denen Unterguchungen 
2. B. auf dem Gebiete der Ermüdungsforschung, der Messung der AuffasSungsintengität, 
der Messung der Leistungsenergie und anderer Geistesqualitäten angestellt werden. 
Sie gind freilich teilweise zu Schwierig und doch noch zu Schwankend, um in den Schul- 
betrieb Aufnahme zu finden und zum Rüstzeug des praktischen Schulhygienikers zu werden. 
Ihn interessieren zunächst die Äußerungen des Seelenlebens, die man gewöhnlich unter 
der Bezeichnung „Intellekt“ zusammenfaßt; besonders von der Zeit an, Seit man 
es unternommen, für die Kinder geminderten Intellekts (die 80g. Schwachsinnigen) 
in besonderen Klassen oder Schulen durch begonders individualisierenden Unterricht 
zu Sorgen. Damals hieß es, das Material für die „Nebenklassen“ und „Hilfsschulen“ 
von den normalen Kindern auszusondern, und jeder, der Sich mit diesen Dingen 
längere Zeit praktisch beschäftigt hat, wird zugeben, daß Sich dabei oft nicht uner- 
hebliche Schwierigkeiten ergaben. Wenigstens früher. Neuerdings Sind die Verhältnisse 
in dieser Beziehung günstiger geworden, namentlich Seitdem man gich davon emanzi- 
piert hat, bei der Auglese lediglich Kenntnisse festzustellen und gich vielmehr darum 
bemüht, die Fähigkeiten der Kinder zu prüfen. Die Methode, die dabei in den 
letzten Jahren wohl die herrschende geworden ist, Stammt von den französischen 
Forschern Simon und Binet und hat ihre Quintessenz in der Aufstellung 80g. 
Intelligenzalter. Die Autoren haben durch Prüfung von Tausenden und aber 
Tausenden von Kindern verschiedener Altersstufen festzustellen versucht, welche 
intellektuelle Leistung man einem Kinde bestimmten Alters normalerweise zumuten 
kann. Sie haben für jedes Alter eine gewisse Reihe von Prüfungsarten (80g. „Tests“) 
aufgestellt und Kkonstatieren nun nach dem Ausfall der Prüfung z. B.: „Dieses 
Sjährige Kind entspricht seinem Intelligenzalter“ oder „es entspricht geinem Intelli- 
genzalter nicht und ist um ein oder zwei oder gonst wie viele Jahre zurück (ev. 
auch voraus)“. Also man begnügt Sich nicht mehr mit der allgemeinen Fest-
	        

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