Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 26.1925 (26)

David Katz, Zur Psychophysik der menschlichen Hand 99 
 
 
mete erleichtert auf und gestand, Sie hätte bisher instinktiv ihre Kinder 
nach strergster Logik unterrichtet, aber dieses Verfahren als ihr Geheim - 
nis bewahrt, da Sie Schärfste Verurteilung fürchtete. Wir wollen hoffen, 
daß wenigstens für die Zukunft Solche Furcht unbegründet 1st. 
Xx * 
(Aus dem psychologischen Institut der Univergität Rostock.) 
Zur PSYchophySik der menschlichen Hand. 
Beiträge zur psychologischen Grundlegung des Werkunterrichts 
und des Arbeitsschulgedankens. 
Von David Katz. 
Im Jahre 1920 habe ich eine vorläufige Mitteilung über die Erscheinungs- 
weigen der Tasteindrücke*?, im Jahre 1923 über den VYibrationssinn* ver- 
öffentlicht. In Besprechungen dieSer beiden Studien brachte O. Scheibner 
zum Ausdruck, daß er von Arbeiten dieser Art eine Förderung der psycho- 
logischen Grundlegung des Arbeitsschulgedankens und des Werkunterrichts 
erwarte. Ich bege die Hoffnung, daß meine nunmehr zum Abschbluß ge- 
kommenen ÜUntersuchungen über den Tastsinn tatsächlich einigen Ertrag 
nach dieser Richtung bringen werden und nicht nur Dach dieser Richtung: 
auch der Pädagogik der Blinden und TPaubstummen dürfte mit manchem 
meiner Ergebnisse gedient werden können. | 
Das wichtigste Tastorgan des normalen Menschen ist geine Hand. Im 
Lauf meiner Arbeit wurde mir immer klarer, welches Wunder von Werk- 
zeug in motorischer und SenSorischer Hinsgicht uns die Natur mit diesem 
Organ zur Verfügung gestellt hat. Kinige von den Betrachtungen, die icb 
der menschlichen Hand gewidmet habe, Seien, z. 1. wörtlich, aus dem im 
Druck befindlichen Werk hier mitgeteilt. 
Kant hat einmal mit einem vorzüglich treffenden Bild die Hand das 
äußere Gehirn des Menschen genannt. Lotze führt ganz im Sinne dieser 
Bemerkung aus, „daß ein guter Teil der menschlichen Kultur auf dem Bau 
der Hand und auf der Leichtigkeit unzäbliger Beobachtungen beruhe, die 
Sie uns verschafft und die den allermeisten Tieren die weit unvollkom- 
menere Bildung ihrer Organe entweder unmöglich oder nur zufällig zu- 
gänglich macht.“ (Mikrokosmus.) Gerbard Hauptmann Singt das Lied der 
mensgchlichen Hand in Seinem neuen Roman „Die Ingel der großen Mutter“ 
mit folgenden Worten: „Die Hand ersetzt alle Instrumente, und durcb ibre 
nintamnte, Jmmeten 
 
 
* Die Erscheinungsweisen der Tasteindrücke. H. Warkentien. Rostock 1920. 
* Der Vibrationssinn. Secripta universitatis atque bibliotbecae Hierosolymitanarum, 
Jierosolymis 1923. Kommiszgionsverlag M. Nijnoff, Haag. 
* Das Buch wird unter dew Titel „Der Aufbau der Tastwelt“ bei J. A. Bartb als Er- 
gänzungsband der Zeitschrift für Psychologie erscheinen. Ich bezeichne es in dez. fol- 
genden Ausführungen kurzerhand als Tastbuch.
	        

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