Full text: Zeitschrift für pädagogische Psychologie und Jugendkunde - 26.1925 (26)

Literaturbericht 623 
 
mit pädagogischen Mitteln betrieben werden Soll und daß darum die Heilpädagogik 
als ein wichtiger Zweig im System der Erziehungswissenschaft fördernde Pflege finden 
golle. 
Ich möchte Többens Buch vor allem den Praktikern der Erziehung, Eitern, Lebrern 
und Lehrerinnen, Jugend- und Wohlfahrispflegern empfehlen, weil es durch die Aus- 
führlichkeit und Anschaulichkeit Seiner auf die mitgeteilten Protokolle gestützten Dar- 
gtellung reprägentativer Fälle diesen den Blick g8chärft für die durchaus nicht immer 
leichte Erkennung der Sonder- und Fehlartungen in den Anfängen und weil es in der 
Einstellung zu den Sorgenkindern ganz vom Geist pädagogischer Liebe beherrscht iSt. 
München. Aloys Fischer. 
Dr. theol. Joseph Becking, Familien- und Anstaltserziehung in der Jugendfürzorge. 
Eine grundsätzlichs und entwicklungsgeschichtliche gSozialethisSche Untersuchung. 
Freiburg i. Br. 1925. Hecder. 276 S. Geb. M. 7.20. 
Das Buch eröffnet die neae Sammlung „Studien zur katholischen Sozial- und Wirt- 
Schaftsgethik“, herausgegeben von Professor D. Dr. Franz Keiler. Indem Sie ihr Gebiet 
in „wisSenschaftlich-methodischer Weigse richtunggebend für das gezellschaftliche Leben 
nach den katholischen Grundsätzen auszubauen“ beabsichtigt, tritt Sie Jener Strömung 
innerhalb des Katholiziemus evtgegen, in der die Meinung vertreten wird, das es nicht 
im Felde der Ethik Jesu gelegen Sei, die gozialen Lebensgebiete zu Cchristianigieren. 
So nimmt denn auch der erzte Band der Reihe einen entschiedenen Konfessionellen 
Standpunkt ein bei geiner Behandlung der Aufgaben, vor die das ReichsjJugendwohl- 
fahrtsgesetz yom 9. Juli 1922 das deutsche Volk gestellt hat, Aufgaben, über die zich 
bereits, wie das Vorwort Sagt, in wisSenschaftlichen Kurgen und in Veröffentlichungen 
wiederholt Auffassungen geltend gemacht baben, „die man nicht anders als neuheid- 
nisch bezeichnen kann“, In golcher konfessionelien Gebundenheit stellt der Verfasser 
zunächst dar, wie die deutsche Jugendfürsorge Sich geschichtlich entwickelt hat und auf 
welchen ethischen und religiögen Grundlagen gie ruht. Er würdigt dann die Familie 
als Trägerin der Er<atzerziehung und handelt schließlJich über die Anstalten als Ergatz 
der fehlenden Familie. Durchweg wird die charitative Jugendhilfe besonders berück- 
Sichtigt, Unter der Reihe der Anhänge ist ein umfassendes Schriftenverzeichnis recht 
wertvoll. Sch. 
Bericht über die dritte Tagung über Psychopathenfürsorge, Heidelberg, 
17.--19. September 1924. Berlin 1925. Verlag J. Springer. 56 8. 3.60 Mk. 
Der vorliegende Bericht entbält einige wertvolle Beiträge zur Erziehungsarbeit an 
psychopathischen Jugendlichen und Kindern. K. Schneider stellt fünf verschiedene 
Typen verwahrloster jugendlicher Persönlichkeiten auf, den Erethiker, den Willens- 
logen, den Explosgiblen (der für die Verwahrlosung nur als Kombination mit einem 
der beiden bereits genannten Typen in Betracht kommt), den ebenfalls zeltenen Gel- 
tungsbedürftigen und als Sozial hoffnungslogesten Typus den Gemütslogen. 
R. Hahn erörtert ebenfalls vom Standpunkt des Psychiaters die Frage der Uner- 
ziehbaren, die der Yürsorgeerziehung nicht aufgebürdet werden Sollten. Außer der 
Idiotie gehören hierher die Schweren Charakterveränderungen nach Gehirngrippe und 
die ausgesprochenen Geisteskrankheiten. Die Aussichten der Erziehung Sind Schlecht 
bei den Jugendlichen, die über die Pubertät hinaus sind, da mit ihrem Abschluß der 
Charakter im allgemeinen bereits weitgehend gefestigt und Erziehungseinflüssen nicht 
mehr zugänglich ist. Hahn fordert für die Agozialen 1. Schaffung einer erweiterten 
Vormundschaft über das 21. Lebensjahr hinaus und 2. Anstaltsverwabrung in beson- 
deren Psychopathenheimen. Mit der Pädagogik der Verwahrlosten befaßt Sich H. Nohl, 
und zwar geht er besonders auf Fälle aus S80g. „besseren Familien“ ein, deren charak- 
terliche Fehlentwicklung statt aus Milieu und Anlage aus der enttäuschenden Erfahrung 
des bestimmten Zielen zustrebenden jungen Menschen zu verstehen ist. Die Psycho- 
analyse hat ich bisher dieser Fälle allein angenommen. Die der Verwahrlosung zu- 
grunde liegende falsche Struktur der Seele nach ihrer vertikalen Schichtung in Trieb- 
Schicht, Thymosschicht, Schicht der höheren geistigen Grundrichtungen und Schicht 
der zentralen KLinbeit des Ich muß besonders in ihren beiden letzten Schichten durch. 
Weckung des Interesses (als Berufsinteresse durch Werkstatterziehung usw.) und durch 
die innere Bindung der Person im Menschen durch Selbstachtung und Selbstverant- 
wortlichkeit beeinflußt werden. 
Der Erziehungsarbeit an verwahrlosten männlichen bzw. weiblichen Jugendlichen 
Sind die Beiträge von C. Bondy und Bertha Paulssen gewidmet. Für Bondy liegt 
der Schwerpunkt in der Zurückgewinnung der Verwahrlosten für die Gemeinsgehaft,
	        

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