96 Friedrich Hermgsmeier
„eliminierbarer“) Weise qualitativ, können also, Streng genommen, nicht auf einen
Nenner gebracht werden. |
Was oben allgemein festgestellt wurde, trifft in besonderem Maße auf die er-
fahrenen Pädagogen zu: Während bei den Antworten auf die zweite Frage die ein-
zelne Leberfsform gegenüber einer Verbindung von Lebensformen überwiegt (14 Vpn.
lehnen nur je eine Lebensform ab, nämlich 8 ökonomisch, je 3 theoretisch und „Ppoli-
tisch“), antworten auf die erste Frage alle Vpn. (mit einer einzigen Ausnahme, die
Sich, vielleicht infolge der Kürze der Versuchszeit, nur für ästhetisch entscheidet) mit
einer Verbindung von zwei oder mehr Lebensformen. D.b. die Erkenntnis, daß die
reale Erzieherpersönlichkeit, insbesondere die ausgereifte, nicht durch diese oder
Jene einzelne Lebensform, Sondern nur durch ein eigentümliches Neben- und Inein-
ander mehrerer bzw. aller Lebensformen gekennzeichnet wird, ist Gemeingut der
erfahrenen Pädagogen. Die häufigste positive Verbindung ist Sozial-ästhetisch, die
häufigste negative ökonomisch-,,politisch“.
Durch drei Umstände erlangt die 80z1ale Lebensform ein weites Übergewicht:
1. zahlenmäßig, 2. durch Voranstellung in den Verbindungen, 3. durch die Gründe:
„Mitleid mit den Ärmsten des Volkes, der Kinder. Innige Anteilnahme am Geschick
der Lehrpersonen (pädagogische Seelsorge).“ „Leben und Linzatz für die Familie
ist mir Selbstverständlichkeit. Darüber hinaus das Leben für die anderen, besonders
die Sozial Schlechter gestellten Schichten des Volkes. Hilfe in der Inflationszeit,
Kampf in der NSDAP. vorerst aus dem Einsatz für die anderen.“ Immer wieder
wird versichert, daß ein ursprüngliches Soziales Fühlen und Denken die Brücke ge-
worden sei zu der Ideenwelt des Führers: „Am stärksten ausgeprägt ist bei mir die
Soziale Lebensform. Ich war als Junger Mensch tief ergriffen von dem, was mir
aus dem Munde eines begnadeten Lehrers von Pestalozzis Wesen und Walten gesagt
wurde. Ich habe als Lehrer meinen Kindern, von einem inneren Drange getrieben,
mit großer Liebe gedient. Ich bin aus meiner sozialen Einstellung zur Politik ge-
kommen und fand endlich in der Ideenwelt Adolf Hitlers die Erfüllung meines
SOzlalen Strebens.“ |
Bei den Studentinnen und noch deutlicher bei den Studenten waren die Bekennt-
nisse zur äSthetischen Lebensform überwiegend Bekenntnisse zur Kunst, zum
künstlerischen Genießen und etwa auch zu eigenen künstlerischen Gestaltungsver-
Suchen. Bei den erfahrenen Pädagogen dagegen tritt die von Spranger gemeinte
weitere und damit zugleich die pädagogische Bedeutung der ästhetischen Lebensform
in den Vordergrund: ihr verdankt man die besten und tiefsten Erfolge im Beruf.
»- die Gabe der Einfühlung und Gestaltung, die beide mir die Möglichkeit starker
Einwirkung auf die Kinder (in der Schule) und auf Erwachsene (als Redner) ge-
geben haben.“ „Starke Einfühlung in Mensch und Natur. Gestaltungskraft, aber Dur
im Sinn einer Stoffgestaltung durch das Wort für die Zwecke der Schule.“ „Das
ganze Interesse Liegt beim Schüler (Einfühblung), die Selbständige Entwicklung des
Schülers wird erstrebt, Erziehung als Kunst angesehen.“ Durch das ästbetische Er-
leben gewinnt man den Zugang zu Seinen Lieblingsgebieten, eine Yp. z. B. zu Psycho-
logie und Dichtkunst, eine andere zu Zeichnen, Lichtbild und Film.
Gründe für religiös lauten: „Weil alle anderen Werte (nämlich außer dem reli-
glögen und Sozialen, Verfasser) nur untergeordnet zind. Es lohnt Sich Dicht, Mühe an
Überflüssiges zu verschwenden oder dafür leben zu wollen.“ „Ich weiß mich in mei-
nem Leben gebunden an den Allmächtigen und geführt von ihm. In allem Gescheben